Hinter der Headline

Der Call der Woche: AT&T

Die Aktien des amerikanischen Telecom-Riesen werden von JPMorgan neu zum Kauf empfohlen. The Market zeigt, weshalb in den günstig bewerteten Valoren nach der Abspaltung der Mediensparte weiteres Potenzial stecken könnte.

Christoph Gisiger
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Die amerikanischen Aktienmärkte sind mit weiteren Verlusten in die Woche gestartet. Der Leitindex S&P 500 schloss am Montag 1,7% schwächer. Der Technologie-Index Nasdaq 100 büsste 2,4% ein.

Zu den wenigen Gewinnern am «Big Board» in New York zählte AT&T. Der Telecom-Riese hat die Abspaltung der Sparte WarnerMedia Ende letzter Woche plangemäss vollzogen und konzentriert sich fortan ausschliesslich auf sein Kerngeschäft. Die Börse begrüsst die Strategie. Der Kurs legte am Montag annähernd 8% zu.

Mitverantwortlich für die Kursavance mag zusätzlich eine positive Einschätzung von JPMorgan gewesen sein. Das Research-Team der US-Grossbank hat die Abdeckung von AT&T wieder aufgenommen und empfiehlt die Titel mit dem Rating «Overweight» zum Kauf. Das Kursziel bis Ende Jahr wird auf 22 $ angesetzt, was zum Schlusskurs vom Montag einem kurzfristigen Potenzial von 12% entspricht.

«Indem sich das Unternehmen verstärkt auf das Telecom-Geschäft fokussiert, gleicht AT&T heute wesentlich mehr Verizon als das in den vergangenen Jahren der Fall war», hält Analyst Philip Cusick in seiner Studie fest. AT&T sei nun nicht mehr durch das rückläufige Satelliten-TV-Geschäft abgelenkt, denkt er. Ebenso sei der Konzern die Kapitalverpflichtungen der Mediensparte los.

Attraktiver Discount zu Verizon

Wie der Branchenspezialist von JPMorgan vorrechnet, weisen die Titel von AT&T für dieses Jahr eine Dividendenrendite von 5,6% auf. Beim Erzrivalen Verizon sind es 4,8%. Auf Basis seiner Schätzungen für 2023 handelt AT&T zum 5,9-Fachen des Ebitda. Im Fall von Verizon beträgt das Vielfache 7,6.

Verizon und AT&T sind die beiden grössten Telecom-Betreiber im amerikanischen Markt. Durch die Fusion von T-Mobile US und Sprint hat sich vor zwei Jahren eine solide Nummer drei im Mobilfunk etabliert. Mit dem Satellitenbetreiber Dish und Kabelanbietern wie Charter dringen zudem neue Wettbewerber ins Mobilfunkgeschäft vor.

Im direkten Vergleich weisen AT&T und Verizon als klare Branchenleader operativ ähnliche Charaktereigenschaften auf: AT&T erwirtschaftet mit der neuen Konzernstruktur 67% der Einnahmen im Mobilfunk, bei Verizon sind es 79%. Der Anteil des Breitbandgeschäfts mit Haushalten beträgt bei beiden Konzernen 8 bis 9%. Der Rest entfällt hauptsächlich auf Unternehmenskunden.

Ähnlich sieht es mit Blick auf die Bilanz aus. Auf Grundlage der Pro-Forma-Schätzungen für 2022 von JPMorgan beläuft sich das Verhältnis von Nettoschulden zu Ebitda bei AT&T auf 2,9. Für Verizon beträgt der Verschuldungsgrad 2,8.

«Die Valoren von AT&T offerieren ein attraktives Verhältnis von Chancen zu Risiken», hält Telecom-Analyst Cusick fest. «Investoren sollten den Bewertungsabschlag zu Verizon nutzen, bevor er sich auflöst», fügt er hinzu. Obschon der amerikanische Markt weiterhin nur langsam wachse, spreche das defensive Profil der Titel mit einem robusten freien Cashflow für Engagements.

Fokussierung auf das Telecom-Geschäft

Während Verizon - eine der grössten Positionen im Aktienportfolio von Warren Buffett - mit dem Verkauf von Yahoo und AOL bereits erfolgreich eine strategische Fokussierung vollzogen hat, profitiert AT&T jetzt von einem ähnlichen Schritt.

Der zu rund 140 Mrd. $ bewertete Konzern mit Sitz in Dallas hatte unter dem vormaligen CEO Randall Stephenson für 49 Mrd. $ den Satelliten-TV-Betreiber DirecTV übernommen. 2018 hatte er dann den Medienkonzern Time Warner für 109 Mrd. $ gekauft.

Das Resultat der beiden Grossakquisitionen war verheerend. AT&T hatte sich derart viel Schulden aufgeladen, dass Stephensons Nachfolger John Stankey die Dividende vor einem Jahr um fast die Hälfte kürzen musste. Inzwischen hat er DirecTV in eine separate Gesellschaft abgespalten und einen Anteil von 30% an die Private-Equity-Gesellschaft TPG Capital verkauft.

Die Mediensparte von AT&T ist nun mit dem TV-Netzwerk Discovery zu Warner Bros. Discovery fusioniert. Zu den wichtigsten Assets zählen der populäre Streaming-Dienst HBO Max, die TV-Sender CNN und Cartoon Network sowie das traditionsreiche Filmstudio Warner Bros. Hinzu kommen Reality-TV-Sender wie Food Network, HGTV und Animal Planet. Zu den grössten Aktionären zählt der Medienmogul John Malone, der eine bedeutende Beteiligung an Discovery hielt.

AT&T hat im Zug der Abspaltung 40,4 Mrd. $ in Cash eingenommen und konnte Schulden von WarnerMedia auf das neue Unternehmen übertragen. Durch die Transaktion haben Aktionäre von AT&T etwas mehr als 0,24 Titel von Warner Bros. Discovery pro AT&T-Aktie erhalten. Das entspricht einem Anteil von gut 71% an der fusionierten Gesellschaft, die an der Börse am Montag zu gut 55 Mrd. $ bewertet wurde.

Aktienkurs von AT&T adjustiert um die Abspaltung der Sparte WarnerMedia.

Aktienkurs von AT&T adjustiert um die Abspaltung der Sparte WarnerMedia.

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