Hinter der Headline

Der Call der Woche: Infineon

Halbleiteraktien sind im Jahresverlauf weiter stark gestiegen. Zurückgeblieben ist dagegen Infineon. Zu Unrecht finden die Analysten von Stifel und empfehlen die Titel deshalb zum Kauf. The Market zeigt, was hinter der Empfehlung steckt.

Michael Griesdorf
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Aktien von Halbleiterherstellern liegen im Trend. Rund um den Globus besteht eine hohe Nachfrage nach Chips für alle erdenklichen Produkte, von Klimasystemen bis zu Motorrädern und Autos. Es erstaunt deshalb nicht, dass Indizes von Halbleiterherstellern wie der PHLX Semiconductor (Ticker: SOX) nach einem starken 2020 im diesjährigen Jahresverlauf weiterhin deutlich gestiegen sind.

Nicht mitgemacht haben diese Performance in diesem Jahr bisher die Aktien von Infineon. Dies, weil befürchtet wird, dass der Hersteller von Chips für die Auto- und die generelle Industrie auf die kurze Sicht Kapazitätsprobleme hat und das Umsatzwachstum deshalb vorderhand vergleichsweise gering ausfallen wird. Hinzu kommt, dass die Bruttomarge in diesem Jahr, trotz allgemein hoher Nachfrage nach Halbleitern, weniger stark gestiegen ist als erwartet. Das setzt ein Fragezeichen hinter die Preismacht von Infineon.

Die Analysten von Stifel halten die Ängste der Investoren bei Infineon jedoch für übertrieben und die relative Kursschwäche demzufolge für eine Kaufchance. Sie haben die Titel am Montag von Hold auf Buy heraufgestuft.

Neue Fabrik bringt zusätzliche Kapazitäten

Konkret rechnet die Investmentbank damit, dass eine neue Fabrik in Villach die Kapazitäten für Chips im Bereich von 300 mm schon ab 2022 deutlich erhöhen wird. Das wiederum gebe Platz in den bestehenden Werken für neuere bzw. leistungsfähigere und deshalb margenträchtigere Halbleiter für Industrieprodukte im Bereich von 200 mm.

Stifel sieht darin denn auch die Möglichkeit künftiger Marktanteilsgewinne, denn es gebe nicht viele Halbleiterfabriken, welche im zweiten Halbjahr dieses Jahres in Betrieb gehen würden. Villach habe die Kapazität für zusätzliche 1,8 Mrd. € an Umsatz (Konzernerlös 2020: 8,6 Mrd. €), wenn das Werk mittelfristig voll hochgefahren sei. Ausserdem verringere es die Produktionskosten.

Ängste um geringe Preismacht sind übertrieben

Auch die Ängste punkto Preismacht erachtet Stifel für haltlos. Infineon habe nun mit stärkeren Preiserhöhungen gegenüber den Kunden begonnen, weshalb die Bruttomarge laut der Investmentbank im Branchenvergleich künftig aufholen dürfte.

Der Profitabilität ebenfalls zuträglich könnte laut Stifel zudem der Kauf von Cypress Semiconductor vom April 2020 sein. Dadurch werde der Umsatzanteil von höherwertigen Lösungen wie Microcontroller oder Memory-Features auf die mittlere Frist weiter zunehmen.

Kommt hinzu, dass in der Autoindustrie, wo Infineon rund 44% ihres Umsatzes erzielt, ein für die Halbleiterhersteller vorteilhafter Trend eingesetzt hat. So kaufen immer mehr Autohersteller ihre Chips direkt bei den Produzenten und umgehen damit Zulieferer wie beispielsweise Continental. Stifel ist der Ansicht, dass dies die Wertschöpfungskette der Hersteller von Chips auf die lange Sicht erhöhen wird.

«Faires EV/Ebitda-Verhältnis von 16»

Deswegen hält die Investmentbank die gegenwärtige Bewertung für zu tief. Das Verhältnis des Unternehmenswerts zum geschätzten operativen Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) für 2022 beträgt 14,5. Da das Unternehmen von der hohen Nachfrage ihrer Kunden aus der Autoindustrie – diese haben nach zwei miserablen Jahren einen starken Aufholbedarf – in den kommenden Jahren profitieren dürfte, erachtet Stiftel einen Wert von 16 für angemessen.

So kommen die Analysten bei einem geschätzten Ebitda von 3,6 Mrd. € für 2022 auf ein Preisziel von 43 € je Titel, was einem Aufwärtspotenzial gegenüber dem gegenwärtigen Kurs von hohen 17% entspricht.

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