Hinter der Headline

Der Call der Woche: Sony

Die Aktien des japanischen Technologie- und Unterhaltungskonzerns werden von Morgan Stanley neu zum Kauf empfohlen. Das steckt hinter der positiven Einschätzung.

Christoph Gisiger
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Es ist eine Comeback-Story, von der kaum jemand spricht: Einst der Stolz der japanischen Hightech-Industrie und weltbekannt für den Walkman, hatte Sony praktisch konstant Probleme, seit Apple im Herbst 2001 mit dem iPod das Musikgeschäft revolutionierte.

Doch das ist alles lange her. Heute sehen die Perspektiven für das Riesenkonglomerat aus Tokio wesentlich freundlicher aus. Mit der fünften Generation der Spielkonsole Playstation ist Sony in einem strukturellen Wachstumsmarkt stark positioniert. Die Musiksparte hat ein breites Spektrum von populären Künstlern unter Vertrag. Mit dem Sensorgeschäft ist der Konzern ebenso im Halbleitersektor gut aufgestellt.

In den operativen Kennzahlen macht sich der Turnaround deutlich bemerkbar. Sony hat letztmals im Geschäftsjahr per Ende März 2015 einen Verlust geschrieben. Seither weist der Konzern ununterbrochen einen Gewinn aus, die Ebit-Marge hat sich in den letzten fünf Jahren von 4,5 auf 10,9% verbessert. Seit dem Rechnungsjahr 2018 hat sich die Dividende verdoppelt.

An der Börse ist das zwar nicht unbemerkt geblieben. Die Aktien von Sony haben in den letzten fünf Jahren rund 260% an Wert gewonnen, während das US-Technologiebarometer Nasdaq 100 knapp 220% avanciert ist. Samsung Electronics, der Erzrivale aus Südkorea, hat im gleichen Zeitraum rund 205% gewonnen.

Dennoch könnte in Sony noch wesentlich mehr Kurspotenzial stecken. Dieser Ansicht ist das Research-Team von Morgan Stanley. Es erhöht deshalb das Rating für die Titel von «Equal-weight» auf «Overweight» und hebt das Kursziel von 9’500 deutlich auf 16’000 Yen an. Zum Schlusskurs vom Donnerstag impliziert das ein Upside von annähernd 40%.

Chancen sehen die Analysten der amerikanischen Investmentbank vor allem in der Film-Sparte. Auf dem Höhepunkt der grossen Japan-Blase übernahm Sony Ende der Achtzigerjahre das legendäre Produktionshaus Columbia Pictures und gehört seither zu den fünf grossen Studios Hollywoods. Blockbuster wie «Spiderman», «Men in Black» und «Terminator 2» gehören zu seinen erfolgreichsten Kinohits.

«Das Szenario für das Gewinnwachstum der Filmsparte kristallisiert sich klarer heraus, was an der Börse noch zu wenig honoriert wird», meint Masahiro Ono, der die Aktie seit vielen Jahren für Morgan Stanley abdeckt. «Das bestärkt unsere Überzeugung, dass hier Opportunitäten für eine Neubewertung bestehen», schreibt er in seinem Research-Bericht.

Die Produktion und Vermarktung von Kinofilmen sowie TV-Shows, bei der Sony auf der Distributionsseite unter anderem mit Branchenriesen wie Disney und Netflix zusammenarbeitet, macht mit 8% bislang einen relativ geringen Teil der Einnahmen aus. Das meiste Geld verdient die Gruppe mit dem Videogame-Geschäft (29%) und Unterhaltungselektronik (21%):

Sony: Umsatzverteilung nach Sparten

in %
Game & Network Services (Videospiele)
Music (Musik)
Pictures (Filme und TV-Shows)
Electronics Products & Solutions (Unterhaltungselektronik)
Imaging & Sensing Solutions (Halbleiter)
Financial Services (Versicherungen)
Übrige Geschäfte

Gemäss MS-Analyst Ono wurden die Kursavancen von Sony bisher primär von den Sparten Videogames und Musik getrieben. Fortan dürften jedoch die Konzernbereiche Filme und Sensoren die Entwicklung der Aktie prägen. Konkret führt er dazu zwei Punkte an:

  1. Sonys Filmgeschäft wird von Investoren tiefer bewertet als das globaler Konkurrenten, womit «substanzieller Spielraum für eine Expansion» des Multiples bestehe. Den Schätzungen von Morgan Stanley zufolge beträgt das vorwärtsgerichtete Kurs-Gewinn-Verhältnis der Sparte 18. Die Spanne in der Branche reicht demgegenüber von 11 bis 31.
  2. Innerhalb der Filmsparte hat speziell das Geschäft mit Zeichentrickfilmen Aufwertungspotenzial. Aktuellstes Beispiel dafür ist der Hit «The Mitchells vs. the Machines», der auf Netflix zu sehen ist. Mit Funimation hat Sony zudem eine eigene Streaming-Plattform lanciert, die im Grossraum Asien auf Expansionskurs ist und Inhalte aus dem Manga-Genre offeriert.

Hinzu kommt, dass Sony zuletzt eine ganze Reihe von strategischen Beteiligungen vollzogen hat. Diesen April beispielsweise hat sich Sony erneut an einer Finanzierungsrunde des Videospielentwicklers Epic Games beteiligt. Auch in diesem Bereich sieht Morgan Stanley über die nächsten Jahre Möglichkeiten für Aufwertungen.

An der Börse von Tokio kommt Sony gegenwärtig auf eine Kapitalisierung von über 130 Mrd. $. Gemäss dem Datendienst S&P Global Market Intelligence rechnet der Analystenkonsens damit, dass der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr per Ende März 2022 rund 7% auf knapp 88 Mrd. $ steigt. Der Gewinn soll sich auf 6,7 Mrd. $ belaufen. Zum Vergleich: Im letzten Rechnungsjahr vor der Pandemie hatte ein Ergebnis von 5,3 Mrd. $ resultiert.

Die 0,5% rentierenden Aktien von Sony sind auf Basis der Analystenschätzungen für die nächsten zwölf Monate zum KGV 19 bewertet. Andere japanische Grosskonzerne wie Sharp, Nintendo oder Panasonic handeln für die nächsten zwölf Monate zum KGV 14 bis 16. Für den Leitindex Nikkei 225 beläuft sich das KGV auf leicht mehr als 14.

Sony

Performance seit Anfang 2020, in %
Sony
Nintendo
Panasonic
Nikkei 225