Hinter der Headline

Der Call der Woche: UBS

Goldman Sachs empfiehlt die Aktien der Schweizer Grossbank neu zum Kauf. The Market zeigt, was hinter der positiven Einschätzung steckt.

Ruedi Keller
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Goldman Sachs nimmt mit einer Initiation-Studie die Abdeckung der UBS neu auf – und empfiehlt die Aktien mit einem Preisziel von 27.90 Fr. mit Sicht auf zwölf Monate zu Kauf. Das verspricht ein Kurspotenzial von mehr als 50%.

Der Grund für die positive Sicht auf UBS liegt im kapitaleffizienten Geschäftsmodell der Grossbank, das ihr einerseits zu einer branchenführenden Rentabilität verhelfe und andererseits attraktive Ausschüttungen ermögliche.

In den Worten von Goldman Sachs: UBS ist die verlässlichste Bank bezüglich «return on and return of capital».

Hohe Kapitaleffizienz

Die Analysten erwarten, dass UBS ihre Rentabilität auf dem materiellen Eigenkapital (Rote) von derzeit 14% bis 2026 auf mehr als 16% wird ausbauen können.

Als Haupttreiber dafür sehen sie das weltgrösste und geografisch am breitesten aufgestellte Wealth Management, bei dem Goldman Sachs damit rechnet, dass es den Ertrag von derzeit 19,4 Mrd. $ bis 2026 auf 25,8 Mrd. $ wird ausweiten können. Damit soll es 80% des insgesamt von der Bank erwartete Umsatzwachstums bestreiten.

Die Analysten erwarten, dass das Wealth Management die verwalteten Vermögen in den nächsten Jahren um jeweils 5% wird steigern können und auch das Geschäft mit Lombardkrediten im selben Ausmass zulegen wird.

Beim Investment Banking erwartet Goldman Sachs indes nach dem starken Ertragswachstum, das die Pandemie gebracht hatte, in den nächsten beiden Jahren vorerst eine Abflachung. Ab 2024 soll aber auch dieser Geschäftsbereich zu Wachstum zurückkehren.

Russland und Zinsen belasten kaum

Die im Verhältnis zu anderen Banken geringere Exponiertheit gegenüber Russland sowie eine ebenfalls unterdurchschnittliche Abhängigkeit von der Zinsentwicklung isoliert in den Augen von Goldman Sachs die Schweizer Grossbank weitgehend von den aktuellen Verwerfungen rund um den Krieg in der Ukraine.

Wenig Risiken orten die Analysten zudem bei Konkurrenz durch Fintech-Unternehmen. Dies erstens, weil ein Grossteil der Einnahmen von UBS auf persönlichen Kontakten im Wealth Management und auf Beratungsdienstleistungen der Investmentbank basiert. Zweitens sehen die Analysten die Grossbank mit CEO Ralph Hamers selbst an der Spitze bezüglich interner Digitalisierung und Standardisierung des Angebots. Zudem heben sie den Ausbau der Beratungsplattform positiv hervor, den die Bank beispielsweise mit der Übernahme von Wealthfront weiter vorantreibt.

Hohe Ausschüttungen im Blick

Die Verlässlichkeit sowie die branchenführende Kapitaleffizienz des Geschäftsmodells von UBS generiert in der Erwartung von Goldman Sachs deshalb überdurchschnittliches Ausschüttungspotenzial. Die Analysten veranschlagen es für die Periode von 2022 bis 2026 auf insgesamt 34 Mrd. $, aufgeteilt auf Dividenden und Aktienrückkäufe:

Über Dividenden erwarten sie jeweils eine Ausschüttung von 25% des Gewinns. Dazu kommen Aktienrückkäufe von im Schnitt jährlich 4,6 Mrd. $. So würde im Schnitt jeweils jährlich 9% der Marktkapitalisierung an die Aktionäre zurückgegeben, was summiert über die Periode 9 $ je Aktie entspricht.

Insgesamt beträgt die von den Analysten erwartete Ausschüttungsquote damit 70% des Gewinns, womit trotz steigendem Mittelbedarf zur Unterlegung des prognostizierten Wachstums fortwährend eine Kapitalquote (CET1) von mindestens 14% erhalten bleibt.

Höherbewertung erwartet

Das Preisziel ermittelt Goldman Sachs anhand des Verhältnisses von Kurs zum materiellen Buchwert (P/TBV) sowie der Rendite auf dem materiellen Eigenkapital zu den Eigenkapitalkosten (Rote/COE). Aufgrund des auf rund 15% steigenden Rote sowie der auf 9% absinkenden COE sehen sie ein faires Vielfaches des materiellen Buchwerts von 1,7, was mit Sicht auf zwölf Monate zum Preisziel von 27.90 Fr. führt.

Aktuell handeln die Aktien zu einem Vielfachen von 1,1 des materiellen Buchwerts, was bei einer erwarteten Rendite auf dem materiellen Eigenkapital von 14% Eigenkapitalkosten von rund 13% impliziert.

Der zweite Wert liegt klar über dem historischen Schnitt von 10% und zeigt, dass die aktuelle Notierung der UBS-Aktien bei rund 18.50 Fr. stark von den gegenwärtigen Marktunsicherheiten geprägt ist. Im Vergleich zur weiterhin positiven Entwicklung des Geschäfts der Grossbank, wie sie Goldman Sachs erwartet, bietet das beträchtliches Kurspotenzial.