Hinter der Headline

Der Call der Woche: VAT Group

Die Analysten von Berenberg glauben an einen anhaltend starken Investitionszyklus in der Halbleiterindustrie. Nach dem jüngsten Kursverlust stufen sie die Aktien des Vakuumventilherstellers deshalb auf «Buy» hoch.

Gabriella Hunter
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Just zum Jahreswechsel hat an der Schweizer Börse das Vorzeichen gewechselt. Noch am 3. Januar erreichte der Swiss Performance Index ein Höchst, seither ging es mehr als 8% nach unten. Und unter der Oberfläche hat es einige Aktien deutlich ärger erwischt. Vorwiegend schnell wachsende, hochbewertete Titel kamen angesichts steigender Zinsen unter die Räder, dazu gehören auch VAT: Innerhalb von dreieinhalb Wochen haben sie fast einen Viertel ihres Werts eingebüsst.

Zu unrecht, glaubt man den Analysten von Berenberg. Sie sehen im jüngsten Kursverlust eine Einstiegschance beim Halbleiterzulieferer und stufen die Aktien deshalb von «Hold» auf «Buy» hoch. Das Kursziel von 475 Fr. – davor 445 Fr. – liegt aber unter dem im November erreichten Höchst von 484.20 Fr.

Die Aktien seien indes nichts für Schwächlinge. «Angesichts der zunehmenden Marktvolatilität und der Befürchtung, dass der Halbleiterzyklus nun seinen Höhepunkt erreicht hat, werden die Aktien von VAT wahrscheinlich weiterhin Schwächeperioden erleiden», schreiben Marta Bruska, Joel Spungin und Laurence Brunt. Die Fundamentaldaten seien aber intakt.

Nachfrage hält sich auf hohem Niveau

VAT Group stellt Vakuumventile für die Halbleiterindustrie her – und zwar mit höchsten Ansprüchen. Zum Einsatz gelangen sie in der Produktion von Siliziumscheiben (Wafer) für Displays und Solarpanels sowie in diversen Industrie- und Forschungsanwendungen. Sie sind wenige Millimeter bis rund zwei Meter gross. Die Gesellschaft ist mit Abstand Weltmarktführerin.

2021 hat der weltweite Markt für Equipment in der Waferherstellung mit 98 Mrd. $ ein neues Höchst erreicht. Berenberg erwartet nun – basierend auf Daten der Semiconductor Industry Association – ein weiteres Jahr mit einer stark wachsenden Nachfrage nach der Technologie. Demnach werde das Ausgabenplus 2022 rund 10% betragen, nach einem Zuwachs von 39 und 22% im letzten respektive vorletzten Jahr.

Am Markt werde das zukünftige Wachstum unterschätzt. «Der Konsens ist zu konservativ», schreiben die Analysten. Es bestehe Potenzial, die Wachstumsprognose um bis zu 10% anzuheben. Treiber seien die weiterhin zunehmende Nachfrage in den Endmärkten für Halbleiter, technologische Fortschritte und vermehrt Anwendungen unter Vakuum.

Die meisten der grossen Halbleiterhersteller müssten noch ihre Jahreszahlen vorlegen und ihre Prognosen für 2022 und ihre Investitionspläne bekanntgeben. TSMC hat bereits Investitionen in Höhe von 40 bis 44 Mrd. $ in Aussicht gestellt, verglichen mit 30 Mrd. $ im Jahr 2021, und auch Micron Technology hat einen Anstieg der Investitionen von mehr als 20% angekündigt.

Mittelfristziele in Griffnähe

Das Management von VAT erwartet, dass der Markt dieses Jahr um etwa 15 bis 20% wachsen wird, was im oberen Bereich dessen liegt, was seiner Meinung nach die Lieferkette der Branche verkraften könnte. Anlässlich der Publikation des Geschäftsberichts im März will das Unternehmen ein Update zur weiteren Prognose abgeben. Es sei gut möglich, dass dann die Guidance nach oben angepasst werde, schreibt Berenberg.

«Wir erwarten, dass das Unternehmen das mittelfristige Umsatzziel – ursprünglich für 2025 geplant – bis Ende dieses Jahres Jahres erreichen wird.» Bis 2025 soll der Umsatz laut den Analysten auf 1,5 Mrd. Fr. steigen – rund 40% über der ursprünglichen Prognose von 1,1 Mrd. Sie erhöhen die Umsatzerwartungen für das abgelaufene und laufende Geschäftsjahr leicht.

Zusammen mit operativen Verbesserungen werde sich das schnellere Wachstum positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken. Mit den Erwartungen liegt Berenberg etwas über dem Markt. «Wir glauben, dass der Hauptunterschied für die Divergenz zur Konsensprognose in unserer optimistischeren Einschätzung des Investitionszyklus in der Halbleiterindustrie liegt – wir erwarten weiteres Wachstum bis 2023.»

Hohe Bewertung gerechtfertigt

Angesichts der nachhaltigen Treiber sei eine Bewertung über dem historischen Niveau gerechtfertigt. Nach dem Kurssturz handeln die Aktien basierend auf den Schätzungen von Berenberg für 2023 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34.

«Für langfristig orientierte Investoren gibt es keinen schlechten Zeitpunkt, zuzukaufen», schreiben die Analysten. VAT habe den Markt gemessen am Leitindex SMI seit dem Höhepunkt des letzten Halbleiterzyklus im Sommer 2017 geschlagen, dies trotz der schlechten Performance 2018 und dem jüngsten Ausverkauf im Technologiebereich.