Hinter der Headline

Erfreuliche Zahlen von Basilea

Das Basler Biopharma-Unternehmen legt robuste Zahlen vor. Verlust und Mittelabfluss haben sich verringert. CEO David Veitch bestätigt im Interview die Prognosen. Der Investment Case ist intakt.

Mark Dittli

Basilea Pharmaceutica hat geliefert. Das in Basel domizilierte Biopharma-Unternehmen hat im ersten Semester den Umsatz um gut 5% auf 63,2 Mio. Fr. gesteigert. Der Verlust verringerte sich auf 15,4 Mio. Fr., nach einem Fehlbetrag von 22,5 Mio. Fr. in der Vorjahresperiode.

Die Verkäufe der beiden bereits vermarkteten Medikamente – Cresemba gegen aggressive Pilzinfektionen und das Antibiotikum Zevtera – stiegen um mehr als 90% auf 53 Mio. Fr. Sie haben damit den Wegfall eines anderen Medikaments, das nur bis Ende 2018 verkauft wurde, mehr als kompensiert.

Basilea hat im ersten Halbjahr einen Cash Drain von 45,4 Mio. Fr. erlitten, rund 25% weniger als im Vorjahr. Per Ende Juni hielt das Unternehmen noch flüssige Mittel in Höhe von 178 Mio. Fr. in der Bilanz, verglichen mit 223 Mio. Fr. per Ende 2018.

Mit den Zahlen hat Basilea die Markterwartungen übertroffen; die Aktien gewannen am Dienstag zeitweise mehr als 4%.

Basilea Pharmaceutica

Basilea Pharmaceutica Na., in Fr., im Jahresvergleich

Kräftiges Wachstum mit dem Pilzmedikament Cresemba

Für das Gesamtjahr stellt CEO David Veitch für Cresemba und Zevtera Verkäufe von 105 bis 110 Mio. Fr. in Aussicht. Das ist eine leichte Erhöhung der bisherigen Prognose. «Wir haben Cresemba im ersten Halbjahr in 14 neuen Märkten lanciert. Das Wachstum im Hauptmarkt USA und in allen anderen Märkten war sehr stark», sagt Veitch im Gespräch mit The Market.

Für das zweite Halbjahr sei die Einführung von Cresemba in sieben weiteren Märkten in Lateinamerika, Europa und Asien geplant, sodass das Produkt bis Ende 2019 in 40 Ländern auf dem Markt sei, sagt Veitch.

Cresemba ist das wichtigste Produkt im Portfolio von Basilea. Es wird in den USA von Astellas und in Europa von Pfizer vertrieben. Gegenwärtig generiert das Pilzmedikament Gesamtverkäufe von rund 170 Mio. $, mit kräftigen Wachstumsraten. Astellas allein hat für das laufende Geschäftsjahr Cresemba-Verkäufe von etwas mehr als 140 Mio. $ in Aussicht gestellt.

Von den Verkäufen von Astellas und Pfizer erhält Basilea Royalty-Lizenzzahlungen in der Grössenordnung von Schätzungsweise 15 bis 17% sowie Meilensteinzahlungen bei Erreichen bestimmter Verkaufsvolumen.

Geplant ist auch die Einführung von Cresemba in Japan und China. In Japan führt der Vertriebspartner Asahi Kasei gegenwärtig eine klinische Phase-III-Studie durch, die gemäss Veitch 2021 abgeschlossen sein soll. «Damit ist mit einer Markteinführung in Japan im Jahr 2022 zu rechnen», sagt der Basilea-CEO. 

In China habe Basilea für den Vertrieb von Cresemba eine Partnerschaft mit Pfizer abgeschlossen, bestätigt Veitch. Eine Zeitprognose für die Markteinführung gibt er allerdings noch nicht ab.

Cresemba geniesst noch bis 2027 Patentschutz. Analysten rechnen im Schnitt mit maximalen jährlichen Marktverkäufen von 500 bis 900 Mio. $ für das Produkt. «Wir fühlen uns mit diesen Erwartungen sehr komfortabel», bestätigt Finanzchef Adesh Kaul im Gespräch.

Zevtera auf Kurs

Das zweite wichtige Produkt im Portfolio, das Antibiotikum Zevtera, ist bislang erst in Europa und einigen anderen Märkten zugelassen, nicht jedoch in den USA. Eine klinische Phase-III-Studie mit dem Präparat zur Behandlung von bakteriellen Hautinfektionen hatte Anfang August bereits positive Resultate geliefert.

Um die Markteinführung in den USA zu erlangen, muss Basilea aber noch eine zweite Phase-III-Studie zur Behandlung von Blutinfektionen durchführen. «Die Studie ist zeitlich auf Kurs, wir erwarten die Resultate in der zweiten Hälfte 2021», sagt CEO David Veitch. Mit einer Markteinführung von Zevtera in den USA ist demnach 2022 zu rechnen.

«Ab dem Datum der Bewilligung von Zevtera werden wir in den USA zehn Jahre lang Exklusivität auf dem Markt haben», sagt Veitch.

Analysten rechnen für Zevtera im Schnitt mit Marktverkäufen von 250 bis 400 Mio. Fr. Auch damit könne er gut leben, bestätigt Finanzchef Kaul.

Schwarze Zahlen im Jahr 2021

Noch bleibt Basilea tief in den roten Zahlen. Für das laufende Jahr stellt das Management einen Umsatz von 128 bis 133 Mio. Fr. und einen Betriebsverlust von 22 bis 27 Mio. Fr. in Aussicht. Der Cash Drain soll sich auf 60 bis 65 Mio. Fr. belaufen, was bedeutet, dass Basilea per Ende 2019 noch etwa 160 Mio. Fr. liquide Mittel halten wird.

Angesprochen auf die Frage, wann Basilea schwarze Zahlen schreiben wird, sagen CEO David Veitch und Finanzchef Adesh Kaul, dass sie die operativen Kosten stabil halten wollen, während in den nächsten Jahren der Umsatz aus den verkauften Medikamenten deutlich steigt.

«Auf diesem Pfad werden wir mathematisch betrachtet im Jahr 2021 die Gewinnschwelle erreichen», sagt Kaul. Daran würde sich nur etwas ändern, wenn die Ausgaben für Forschung und Entwicklung oder neue klinische Studien stark erhöht würden, fügt er an.

Veitch bekräftigt, Basilea werde sehr selektiv mit Investitionen vorgehen und grossen Wert auf die Kostenkontrolle legen. «Mit der Erwartung eines Erreichens der Gewinnschwelle im Jahr 2021 fühlen wir uns komfortabel», sagt der CEO.

Aktien kaufenswert

The Market hat Basilea Pharmaceutica basierend auf einer eingehenden Analyse Anfang Juli zum Kauf empfohlen.

Die nun vorgelegten Zahlen sowie die Aussagen des Managements bestätigen: der Investment Case ist intakt. Mit dem gegenwärtigen Chancen-Risiko-Profil sind die Aktien für risikofähige Investoren ein Kauf.