Hinter der Headline

Erhöhtes Korrekturrisiko bei Gold

Die Nachfrage nach dem Edelmetall kennt kein Halten. Trotz langfristig erfreulicher Aussichten hat die Gefahr kurzfristiger Rückschläge zugenommen.

Sandro Rosa
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Der Goldpreis kennt kein Halten. Innerhalb nur weniger Monate ist die Notierung für eine Unze von unter 1300 auf gegenwärtig rund 1550 $ in die Höhe geschossen (vgl. Grafik).

Mit einem Kurszuwachs von 20% seit Jahresbeginn hat das Edelmetall besser abgeschnitten als der US-Leitindex S&P 500, der um 15% avancierte. Auch die Performance über drei Monate ist im Vergleich zur Historie eindrücklich (vgl. Grafik).

Wie so oft, wenn die Notierungen steigen, nimmt das Interesse von Medien – und Anlegern – zu. Wurde Gold lange verschmäht, haben Investoren jüngst fleissig aufgestockt. Das verdeutlicht ein Blick auf die gesamten Holdings von Exchange Traded Funds, die in Gold investieren. Mittlerweile sind ihre Bestände auf über 78 Mio. Unzen angewachsen. Im Mai waren es noch knapp mehr als 70 Mio. Unzen (vgl. Grafik).

Doch nicht nur Privatanleger, auch viele Profis sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen, wie die Daten der US-Börsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission (CFTC) belegen. Ihr müssen die grossen Teilnehmer an den Terminmärkten in den USA wöchentlich ihre Käufe und Verkäufe von Aktien, Staatsanleihen, Rohstoffen und Währungen melden.

Die daraus resultierenden Positionierungen werden nach verschiedenen Kategorien aufgegliedert. Interessant ist, wie sich die nicht-kommerziellen oder spekulativen Investoren verhalten. Das sind institutionelle Anleger wie Hedge Funds, die sich nicht absichern, sondern mit ihren Terminkontrakten aktive Wetten eingehen. Und der Umfang der Wetten nähert sich rasant dem Höchst vom Juli 2016 (vgl. Grafik).

Kurzfristig scheint Gold also etwas gar populär geworden zu sein, was die Rückschlagsgefahr erhöht.

Auf lange Frist bleibt The Market jedoch zuversichtlich für die weitere Preisentwicklung, ist das Umfeld doch unvermindert goldfreundlich. So ist das Edelmetall, das ja keine Rendite abwirft, angesichts des immer grösseren Volumens an Anleihen mit Negativzinsen fast zu einer Hochzinsanlage geworden.

Die politischen Unsicherheiten, vom US-chinesischen Handelskrieg über politische Spannungen in Iran, Hongkong und Kaschmir, aber auch die sich abschwächende globale Konjunktur sorgen weiterhin für Unterstützung. Mit anderen Worten: Preisrückschläge sind Kaufgelegenheiten.

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