Hinter der Headline

China setzt Yuan als Waffe ein

Peking hat bisher zurückhaltend auf die stetigen Angriffe von US-Präsident Donald Trump reagiert. Das ist seit heute vorbei. Die Märkte reagieren nervös.

Gregor Mast

Der Handelskonflikt tritt in eine neue Phase. Bisher hat China auf die Tiraden von US-Präsident Donald Trump auffallend zurückhaltend reagiert. Nun scheint damit Schluss zu sein: Heute Montag griff Peking nicht mehr ein, um eine Abwertung des Yuan zu verhindern. Ein Dollar kostet erstmals seit 2008 mehr als 7 Yuan. Zudem werden die Getreideimporte aus den USA eingestellt.

Quelle: Bloomberg, themarket.ch

Quelle: Bloomberg, themarket.ch

Die Eskalation erfolgt, nachdem Trump letzte Woche Zölle von 10% auf die bis anhin noch nicht betroffenen Importe aus China ankündigte – und dies nur kurz, nachdem die Verhandlungen zwischen den beiden Nationen wieder aufgenommen wurden.

Die Märkte reagieren mit Abgaben. Die Börsen in Asien und Europa verlieren durchs Band. Gleichzeitig werden sichere Häfen wie Staatsanleihen, Yen oder Franken und Gold gesucht. Zehnjährige «Eidgenossen» rentieren –0,91%.

Massnahme womöglich kontraproduktiv

Eine Abwertung des Yuan wurde als Mittel im Handelskonflikt zwar immer wieder thematisiert, bisher aber als wenig realistisch eingestuft, weil Chinas Leistungsbilanz demnächst in ein Defizit fällt und das Land deshalb bald auf Kapitalimporte angewiesen sein wird. Die Schwächung der Währung schneidet entsprechend ins eigene Fleisch.

Zudem hat die letzte Abwertung 2015 zu einem grösseren Kapitalabfluss aus China geführt, was die Währung weiter schwächte und die Angst vor einem weltweiten deflationären Schock schürte. Die Gefahr ist diesmal nicht ganz so akut, weil das Land inzwischen strengere Kapitalkontrollen eingeführt hat.

Unsicherheit nimmt weiter zu

Dennoch werden die chinesischen Massnahmen die derzeit herrschende Unsicherheit verstärken. Die Konjunktur wird sich deshalb weiter abkühlen, und die Korrektur an den Börsen dürfte sich fortsetzen.

Das wird wiederum die Notenbanken auf den Plan rufen. Fed-Chef Jerome Powell hat die Zinssenkung letzte Woche mit den Unsicherheiten wegen des Handelskonflikts begründet. Im September tagt die Europäische Zentralbank, die bereits weitere Lockerungsmassnahmen angekündigt hat.

Auch die Schweizerische Nationalbank reagiert. Sie hat vor zwei Wochen mit zaghaften Interventionen begonnen, um den Franken zu schwächen. Nun kostet der Euro weniger als 1.09 Fr. – weitere Stützungskäufe sind deshalb so gut wie sicher. 

Die geldpolitische Normalisierung ist damit vorerst Geschichte.