Hinter der Headline

MCH Group: Wüest-Rudin bringt Aufteilung ins Spiel

Der Grossrat von Basel-Stadt skizziert einen Vorschlag, die Messebetreiberin von der öffentlichen Hand loszulösen und die Messehallen in eine Immobiliengesellschaft auszulagern.

Andreas Kälin

Schlecht laufende Messen und Wertberichtigungen auf Messegebäude in dreistelliger Millionenhöhe haben die Aktien der MCH Group seit dem Hoch im Mai 2017 um über 80% einbrechen lassen. Nun ist eine erstaunliche Kurserholung zu beobachten: In den letzten zwei Wochen haben die Titel stolze 35% zugelegt.

MCH Group

Aktienkurs in Fr.

Zwei zentrale Fragen 

In den Fall der kriselnden Messebetreiberin scheint Bewegung zu kommen. Zwei Fragen stehen im Vordergrund: Soll die öffentliche Hand an MCH Group beteiligt bleiben? Zurzeit halten die Kantone Basel-Stadt, Baselland, Zürich und die Stadt Zürich zusammen einen Aktienanteil von 49% am Unternehmen und stellen die Mehrheit der Verwaltungsräte.

Die zweite Frage ist, was mit den Messehallen passieren soll. In diesem Frühjahr hatte Hans-Kristian Hoejsgaard, damals CEO ad interim von MCH Group, gegenüber «Neue Zürcher Zeitung» gesagt, es sei gut vorstellbar, dass die Hallen künftig nicht mehr Teil der Gruppe seien.

Baselbieter bewegen sich

In der vergangenen Woche hat die «bz Basel» nun bekanntgemacht, dass die Baselbieter Regierung plant, den Aktienanteil des Kantons Baselland von 7,8% in absehbarer Zeit zu verkaufen und ihren Vertreter im Verwaltungsrat der MCH Group zurückzuziehen.

Die zentrale Rolle in dem Fall spielt aber der Kanton Basel-Stadt, der 33,5% an der Messebetreiberin hält. Für David Wüest-Rudin, der für die Grünliberale Partei im Grossen Rat von Basel-Stadt sitzt, ist klar, dass «ein Ausweg aus dem aktuellen Konstrukt» gefunden werden muss.

Wüest-Rudins Vorschlag

Er beschäftigt sich seit längerem mit dem Fall und bringt über The Market jetzt einen Vorschlag ins Spiel: Er könne sich gut vorstellen, «dass die MCH Group aufgeteilt wird». Das Unternehmen selbst soll sich auf das eigentliche Messegeschäft konzentrieren, das zunehmend internationaler wird und der Digitalisierung unterliegt.

Die Messehallen würden laut Wüest-Rudin in eine separate Immobiliengesellschaft ausgelagert. «Der Kanton Basel-Stadt könnte die Messehallen der MCH Group allein übernehmen oder zusammen mit privaten Investoren».

Zwei Bedingungen

Wüest-Rudin verknüpft eine Aufspaltung der MCH Group mit zwei Bedingungen, damit ein «fairer Deal» in einem Gesamtpaket zustande komme: Erstens müsse die Messebetreiberin eine Zusicherung für eine Mindestauslastung der Messehallen geben. Vorstellbar sei zum Beispiel «eine Mietgarantie über zehn Jahre für einen grossen Teil der Hallen.»

Zweitens fordert der Grossrat, dass er der Kanton, nachdem er seinen Anteil an MCH Group verkauft hat, an einer künftigen Wertsteigerung der Aktien partizipieren kann. Das vor dem Hintergrund, dass der Aktienkurs trotz der jüngsten Erholung immer noch auf tiefem Niveau ist.

Der Preis der Freiheit

«Wenn die privaten Aktionäre von MCH Group Freiheit von der öffentlichen Hand erlangen wollen, hat das einen Preis», meint Wüest-Rudin. Aus seiner Sicht käme das von ihm umrissene Gesamtpaket aber den Bedürfnissen aller Involvierten entgegen: Dem Unternehmen selbst wie der öffentlichen Hand, die damit auch weiterhin die volkswirtschaftlich sinnvolle Standortförderung betreiben könnte.

Bei privaten Aktionären gilt der Vorschlag einer Aufspaltung von MCH Group grundsätzlich als machbare Lösung, wie The Market in Erfahrung gebracht hat. Das gilt auch in Bezug auf eine Garantie für eine Mindestauslastung der Messehallen – allerdings nicht für 100% der Flächen, sondern nur einen Teil davon.

Grundsätzlich machbar

Private Investoren für die Immobilien zu finden, sollte aus dieser Sicht auch kein Problem sein. Es gibt genügend Institutionelle, die dafür Interesse und die nötigen Mittel aufbringen dürften. Auf der anderen Seite erhält die MCH Group mit einem Verkauf der Immobilien an die öffentliche Hand und allenfalls an Private Mittel, die sie dafür einsetzen kann, die Aktienanteile der verkaufswilligen Kantone zurückzukaufen.

Falls der Vorschlag zu einer Aufteilung von MCH Group auf breiter Front Zustimmung gewinnen sollte, gäbe es indes noch genügend Fallstricke: Neben der von Wüest-Rudin geforderten Partizipation der öffentlichen Hand an einer Wertsteigerung der MCH-Group-Aktien wird dazu die Immobilienbewertung gehören. Die 2013 bezogene neue Messehalle der Stararchitekten Herzog & de Meuron hatte 450 Mio. Fr. gekostet – inzwischen weist das Unternehmen den Wert aller Gebäude und Einrichtungen noch mit 220 Mio. Fr. aus.

Zürich nicht verkaufswillig

Daneben dürfte die Sichtweise der einzelnen Anteilseigner der öffentlichen Hand divergieren. Während der Kanton Baselland seine Bereitschaft zum Verkauf des MCH-Group-Anteils bekundet hat, bestätigt der Sprecher der Finanzdirektion des Kantons Zürich auf Anfrage, dass sich an der letzten Stellungnahme des Regierungsrats dazu nichts geändert habe. Dieser hielt im Februar 2018 fest: «Ein Verkauf des Aktienanteils des Kantons Zürich kommt nicht in Betracht.»

Der grösste Anteilseigner, der Kanton Basel-Stadt, hält seine Beteiligung von 33,5% an MCH Group in seinem Verwaltungsvermögen, also im Vermögen, das für die Erbringung der staatlichen Aufgaben als notwendig gilt. Das heisst laut Wüest-Rudin, dass der Grosse Rat über einen Beteiligungsverkauf abstimmen müsste – und dass gegen den Beschluss das Referendum ergriffen werden könnte.

Eine Turnaround-Situation

Der Fall MCH Group wird in jedem Fall noch für viele Diskussionen sorgen. Für private Anleger bietet sich hier eine Turnaround-Situation, die neben Risiken auch überdurchschnittliche Kurschancen enthält. Sollte sich das Geflecht zwischen MCH Group und öffentlicher Hand entwirren lassen, würde das den Kurs treiben – die jüngste Kurserholung scheint anzudeuten, dass es Anleger gibt, die heute schon darauf setzen.