Hinter der Headline

Powerplay im Luxusgütermarkt: Kering schielt auf Moncler

Der Konzentrationsprozess im globalen Luxusgütergeschäft setzt sich fort. Es sind die grossen französischen Konzerne, die Kraft ihres hohen Börsenwertes die Konkurrenz aufmischen.

Daniel Zulauf

Nur zehn Tage nach der Besiegelung der 15 Mrd. $ teuren Übernahme des amerikanischen Schmuckherstellers Tiffany’s durch den französischen Luxusgüterriesen LVMH zeichnet sich bereits der nächste Deal in der Branche ab.

Treibende Kraft ist mit der Gucci-Eigentümerin Kering wieder ein französischer Luxusgüterkonzern. Einem noch unbestätigten Bericht der Agentur Bloomberg zufolge soll Kering auf Tuchfühlung mit dem italienischen Bekleidungsunternehmen Moncler gegangen sein, um Möglichkeiten eines Zusammenschlusses zu besprechen.

Moncler gilt als Perle. Die Daunenjacken des 1952 von zwei Franzosen gegründeten Unternehmens sind seit der Übernahme durch den italienischen Unternehmer Remo Ruffini im Jahr 2003 zu einem globalen Trendprodukt geworden. 2013 brachte Ruffini das Unternehmen an die Mailänder Börse.

Der Aktienkurs ist seither um mehr als 170% gestiegen. Der Umsatz schnellte seit dem IPO von 581 Mio. auf 1,4 Mrd. Euro (2018) hoch und der Gewinn erfuhr eine Verdreieinhalbfachung auf über 330 Mio. Euro. Die Ebit-Marge von 29,2% ist selbst im renditestarken Luxusbusiness ein Spitzenwert.

Zwar laufen die Geschäfte mit Gucci für Kering ausgezeichnet, sodass eigentlich kein Bedarf für eine tempoverschärfende Akquisition besteht. Doch das Markenportefeuille von Kering hat im Urteil mancher Investoren einen etwas allzu starken Gucci-Einschlag. Das Multiprodukte-Label generiert rund zwei Drittel des Kering-Umsatzes, was mit Blick auf die Schnelllebigkeit der Modewelt auch als ein gewisses Risiko gesehen werden kann.

Mit einem Zukauf von Moncler erhielten die anderen Kering-Bekleidungsmarken (Saint Laurent, Bottega Veneta) immerhin knapp halb so viel Gewicht wie Gucci. Doch eine breitere Diversifizierung des Sortiments ist nur dein Teil der Fusionslogik. Ebenso wichtig oder noch wichtiger sind die Synergien in Vertrieb und Marketing.

Moncler betreibt weltweit gegen 200 eigene Monomarken-Shops. Das kostspielige Vertriebssystem lässt sich durch eine Sortimentsausweitung deutlich wirtschaftlicher betreiben. Hinzu kommen die hohen und steigenden Investitionen in den Online-Vertrieb, die sich über Skaleneffekte ebenfalls deutlich reduzieren lassen.

Billig ist Moncler allerdings nicht zu haben. Das Unternehmen wird an der Börse mit rund 11 Mrd. Euro bewertet. Unter Hinzurechnung einer Prämie von schätzungsweise 40% müsste Kering über 15 Mrd. Euro bezahlen. Doch Kering wiegt an der Börse selber stolze 69 Mrd. Euro und die Franzosen wissen, dass sie mit gut gewählten Zukäufen bei ihren Aktionären punkten können.

Das Übernahmekarussell in der Luxusgüterbranche kommt offenbar immer mehr in Fahrt. Der Fokus der Investoren richtet sich dabei zunehmend auf kleinere Anbieter, die noch nicht unter dem Dach der Giganten gelandet sind. Die Aktien von Salvatore Ferragamo (Börsenwert 3 Mrd. Euro) legten heute in Mailand um mehr als 7% zu, die Titel des italienischen Schuherstellers Tod’s (Börsenwert 1,4 Mrd. Euro) notieren derzeit mehr als 5% über dem Vortageskurs.

Derweil erhöht der Konzentrationsprozess den Handlungsdruck der Schweizer Luxusgüterhersteller. Richemont ist mit einem Börsenwert von 42 Mrd. Fr. zwar noch immer der bedeutendste Vertreter der Mittelgewichtsklasse. Doch der Abstand zu LVMH und Kering hat sich in den vergangenen Jahren stetig ausgeweitet.

Swatch Group ist mit einer Marktkapitalisierung von nur noch knapp 14 Mrd. Fr. kaum mehr grösser als Moncler. Die Schweizer werden sich etwas einfallen lassen müssen, um ihre Bedeutung im globalen Luxusgütergeschäft nicht zu verlieren.