Hinter der Headline

Rückschlag für Facebook

Der Online-Werbekoloss wächst immer langsamer. Gleichzeitig steigen die Kosten, wie der durchzogene Abschluss zum vierten Quartal zeigt. Die Aktien geraten erneut unter Druck, nachdem sie eben erst den Kurstaucher nach dem grossen Datenskandal überwunden hatten.

Christoph Gisiger

In einer Welt mit unsicheren Konjunkturaussichten sind Investoren bereit, für Wachstum eine hohe Prämie zu zahlen. Umso harscher kann die Reaktion ausfallen, wenn sich das Tempo verlangsamt.

Aktuell zeigt sich das am Beispiel von Facebook. Wie der Internetriese aus dem Silicon Valley am Mittwoch nach Börsenschluss meldete, hat er den Umsatz im vierten Quartal dank wachsender Werbeeinnahmen der Tochter Instagram um knapp 25% auf 21,1 Mrd. $ gesteigert.

Das übertrifft die Prognosen zwar leicht, ist aber die schwächste Expansionsrate seit Facebook über den Geschäftsgang berichtet. Das Wachstum bewegt sich damit bereits seit vier Quartalen in Folge unter 30%, wogegen es sich zuvor durchschnittlich auf mehr als 40% belief:

Facebook: Umsatzentwicklung

Veränderung zur Vorjahresperiode, in %

Facebook erwartet auch für das laufende Quartal eine weitere Verlangsamung. Das, weil das Wachstumspotenzial im Kernmarkt Nordamerika zusehends ausgeschöpft ist, wo der Konzern mit Abstand am meisten Geld verdient. Weltweit erschweren zudem Auflagen zum Datenschutz die gezielte Werbung über Online-Medien.

Kosten nehmen zu

«Obschon wir diese Belastungsfaktoren bislang nur moderat gespürt haben, stehen die Auswirkungen auf unser Geschäft erst noch bevor», sagte Finanzchef David Wehner während der Ergebnispräsentation.

Das bedeutet zudem steigende Ausgaben für Personal, für den diskreten Umgang mit Daten und für Investitionen in neue Geschäftsfelder wie Video-Anwendungen. Insgesamt haben sich die Kosten in der vergangenen Berichtsperiode 34% auf 12,2 Mrd. $ erhöht. Analysten hatten lediglich mit einer Zunahme um 14% gerechnet.

Entsprechend verringert sich Facebooks Ertragskraft. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich die Ebit-Marge im vierten Quartal von 46 auf 42% verdünnt. Für das Gesamtjahr 2019 ist sie sogar auf 34% gesunken, nachdem sie sich in den drei Jahren zuvor um 45 bis 50% bewegt hatte.

Unter dem Strich resultiert ein Quartalsgewinn von 7,3 Mrd. $ oder 2.56 $ pro Aktie, 8% mehr als in der Vergleichsperiode. Der Cashbestand beläuft sich auf knapp 55 Mrd. $. Davon sind 5 Mrd. $ für eine Busse an die US-Aufsichtsbehörde FTC reserviert, die der Konzern bereits im ersten Semester abgebucht hatte.

Aktien werden abgestraft

Im Nachgang zur Ergebnispublikation haben die Aktien von Facebook am Mittwoch nachbörslich rund 7% korrigiert. Investoren müssen damit einen erneuten Rückschlag wegstecken.

Anfang Januar hatten die Titel erstmals seit dem Skandal von Anfang 2018 um die Analysefirma Cambridge Analytica eine neue Bestmarke erreicht. In den vergangenen zwölf Monaten sind sie über 50% avanciert:

Facebook: Kursverlauf

Facebook
Google (angeglichen)
S&P 500 (angeglichen)

Es würde nicht überraschen, wenn der Druck auf die Valoren nach dem verpatzten Quartalsbericht vorerst anhält. Einen gewissen Rückhalt dürfte immerhin das seit 2017 laufende Aktienrückkaufprogramm geben, dass nun um 10 Mrd. $ ausgeweitet wird.

Der Abschluss von Facebook ist die erste grosse Enttäuschung zur laufenden Berichtssaison im amerikanischen Tech-Sektor.

Microsoft hat das Ergebnis ebenfalls am Mittwochabend präsentiert und mit soliden Zahlen überzeugt. Apple überraschte am Vortag mit robusten iPhone-Verkäufen. Amazon legt den Leistungsausweis heute Abend vor, Google folgt nächste Woche.