Hinter der Headline

Schmolz+Bickenbach droht eine Kreditklemme

Der Spezialstahl-Hersteller reduziert seine Ebitda-Prognose deutlich. Damit werden S&P und Moody's voraussichtlich ihr Bonitätsrating senken müssen. Auch die Bedingungen der kreditgebenden Banken sind in Gefahr.

Mark Dittli

Schmolz+Bickenbach (S+B) sendet eine Schockwelle durch den Finanzmarkt: Der Schweizer Hersteller von Spezialstahl senkt seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr deutlich.

Statt einen Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisation (Ebitda) von zuvor 130 bis 170 Mio. € stellt der Konzern für 2019 nun noch einen Ebitda von 70 bis 100 Mio. € in Aussicht. Das entspricht einer Reduktion von fast 50%.

Bereits am 16. Juli hatte S+B eine Gewinnwarnung ausgesprochen und die Ebitda-Prognose für das laufende Jahr von zuvor 190 bis 230 Mio. € auf 130 bis 170 Mio. € gesenkt.

Innerhalb von weniger als acht Wochen hat der Stahlhersteller damit seine Ebitda-Prognose von über 200 Mio. auf unter 100 Mio. € reduziert.

«Perfekter Sturm»

Ulrich Steiner, Head Investor Relations von S+B, erklärt die Anpassung der Prognose gegenüber The Market mit einer deutlichen Verschlechterung des Geschäftsumfeldes in den Monaten Juli und August. «Die Abschwächung der Automobilindustrie hat zu einem brutalen Einbruch der Geschäftsdynamik geführt», sagt Steiner. Auch in der Maschinen- und Anlagebaubranche sei S+B mit einem deutlich stärkeren Abschwung konfrontiert als bisher erwartet.

«Wir sind in zyklischen Branchen tätig, die Unsicherheit in der Industrie ist enorm hoch», sagt Steiner. «Wir sehen so etwas wie den perfekten Sturm.»

Der Aktienkurs des Konzerns, an der der russische Investor Victor Vekselberg mit gut 26% beteiligt ist, reagiert am Mittwochmorgen mit Einbussen um 5%.

Viel deutlicher ist hingegen die Reaktion des Bondmarktes: Der Kurs der von Schmolz+Bickenbach in Luxemburg ausgegebenen Anleihe (350 Mio. €, Coupon 5,625%, Verfall 15. Juli 2022) ist eingebrochen. Die Rendite auf Verfall der vorrangig besicherten Anleihe ist auf mehr als 20% hochgeschnellt:

Bondmarkt befürchtet Zahlungsausfall

Rendite auf Verfall der ausstehenden Anleihe von Schmolz + Bickenbach, in % (Verfall 15.7.2022)

Gegenwärtig wird S+B von den Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's noch mit einem B (S&P) beziehungsweise einem B3-Rating (Moody's) eingestuft. Mit der neuen Ebitda-Prognose ist nun jedoch eine signifikante Senkung des Ratings zu erwarten.

Die Analysten von S&P schrieben am 10. Juli in ihrem Ratingbericht, dass sie für 2019 einen adjustierten Ebitda von 160 bis 180 Mio. € erwarten, mit einer Steigerung auf 180 bis 210 Mio. € im Folgejahr. Mit diesen Eckwerten resultiere ein Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda von mehr als 6 für das Jahr 2019 und mehr als 5 im Jahr 2020. Auf dieser Basis setzten sie das B-Rating.

Dazu schrieben die S&P-Analysten die Warnung, dass das Bonitätsrating gesenkt werden müsse, falls sich die Absatzmärkte des Stahlherstellers nicht erholten und sich die Liquiditätssituation nicht verbessere.

Nettoschulden/Ebitda deutlich über 8

Die Annahmen der Analysten der Ratingagenturen sind nun Makulatur. Per Ende Juni beliefen sich die Nettoschulden von Schmolz+Bickenbach gemäss Angaben von Ulrich Steiner auf 709 Mio. €. Unter der Annahme, dass der Konzern im laufenden Geschäftsjahr bloss noch einen Ebitda von 85 Mio. € erreichen wird, erhöht sich das Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda auf deutlich über 8.

Die Ratingagenturen adjustieren die Nettoverschuldung zudem noch mit weiteren Verbindlichkeiten – zum Beispiel für operative Leasing-Verträge und Pensionskassen –, so dass in ihrer Berechnung das Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda auf deutlich über 9 steigen dürfte.

Eine Senkung des Bonitätsratings könnte demnach schon kurz bevorstehen. «Mit den neuen, von Schmolz+Bickenbach geäusserten Ebitda-Prognosen müsste das Rating auf CC gesenkt werden», sagt ein erfahrener Kreditanalyst gegenüber The Market.

Es ist davon auszugehen, dass auch die Kreditbedingungen gegenüber den Banken (Covenants) in Gefahr oder bereits gebrochen sind. Head of Investor Relations Ulrich Steiner bestätigt: «Wir sind im Dialog mit den kreditgebenden Banken und den Ratingagenturen.»