Hinter der Headline

SoftBanks Schwachstellen

Das Beteiligungsvehikel des japanischen Tech-Investors Masa Son erleidet wegen des WeWork-Debakels einen milliardenhohen Rekordverlust. Wie es mit der SoftBank-Saga weitergeht, hängt massgeblich von einem Gerichtsverfahren in den USA ab.

Christoph Gisiger

«Don’t get high on your own supply - berausch’ dich nicht an deinem eigenen Stoff». Das ist nicht nur eine Grundregel für Drogenhändler, sondern gilt ebenso für Venture-Capital-Investoren.

In der Wagniskapital-Branche ist mit dem Ausspruch gemeint, dass die gleiche Investmentgesellschaft nie mehrmals in Folge den Lead bei Finanzierungsrunden einer Startup-Firma übernehmen soll.

Der Grund: In den Aktien von Startup-Unternehmen gibt es keinen flüssigen Handel. Bei Finanzierungsrunden entscheidet deshalb der Leadinvestor über die Bewertung. Bleibt immer derselbe Investor im Lead, verlässt er sich damit bloss auf seine eigene Einschätzung, anstatt Distanz zu wahren und sich die Wertentwicklung seiner Firmenbeteiligung von anderen Investoren bestätigen zu lassen.

Dass es ohne diese Art von Kontrollmechanismus zu bösen Überraschungen kommen kann, zeigt der tiefrote Abschluss von Softbank.

«Tiefes Bedauern»

Das japanische Beteiligungsvehikel hatte sich seit 2016 über mehrere Finanzierungsrunden in Folge als Leadinvestor im Bürovermieter WeWork engagiert und dessen Bewertung auf fantastische 48 Mrd. $ hochgedrückt.

Umso schmerzlicher ist jetzt die Realität: Nachdem die geplante Publikumsöffnung in einem Fiasko geendet hat und der Wert von WeWork implodiert ist, meldet SoftBank für das vergangene Quartal rund 700 Mrd. Yen (6,4 Mrd. Fr.) Verlust - der grösste in der fast vierzigjährigen Geschichte der Gruppe:

SoftBank: Quartalsergebnisse

in Mrd. Yen

«Mein Urteilsvermögen als Investor war wirklich schlecht. Ich bedaure das in vieler Hinsicht», gestand SoftBank-Chef Masayoshi «Masa» Son bei der Präsentation der Quartalszahlen.

SoftBank und der von SoftBank bewirtschaftete Vision Fund mussten per Ende September 4,7 respektive 3,5 Mrd. $ auf der Position in WeWork abschreiben. Insgesamt haben SoftBank und der Vision Fund annähernd 20 Mrd. $ in WeWork mittels Aktienbeteiligungen und Krediten investiert, wobei diese jetzt nur noch zu knapp 8 Mrd. $ wert sind.

Hinzu kommen weitere Abschreiber auf Engagements in Uber, Slack und rund zwanzig anderen Unternehmen. In Anbetracht dieses Desasters schwört Masa, dass er nie wieder eines der zahlreichen Unicorns in seinem Portfolio retten müsse.

Die Aktien von SoftBank haben auf die Nachrichten relativ gefasst reagiert. Dass es zu happigen Wertberichtigungen kommen würde, war im Vorfeld der Resultatpublikation klar. Seit Ende Juli haben die in Tokio gehandelten Papiere allerdings rund 25% eingebüsst.

SoftBank: Kursperformance

in Yen

Masas nächster Deal

Wie es mit der SoftBank-Saga weitergeht, hängt jetzt primär von zwei Faktoren ab. Das wichtigste Kapitalpolster des Konzerns ist die knapp 26%-Beteiligung an Alibaba. Gemäss dem Datendienst S&P Capital IQ beläuft sie sich wertmässig auf gut 120 Mrd. $.

Wie gross das Risiko in Alibaba ist, lässt sich schwierig abschätzen. Offensichtlich ist aber, dass der chinesische Online-Riese an der Börse überaus stolz bewertet ist. Eine ganze Reihe von Leerverkäufern - darunter die Shortseller-Legende Jim Chanos - halten Alibaba für ein Kartenhaus.

Der zweite wichtige Faktor ist SoftBanks 84%-Beteiligung am US-Telecomkonzern Sprint im Wert von gut 21 Mrd. $.

Konkurrent T-Mobile USA offeriert knapp 27 Mrd. $ für die Übernahme von Sprint. Die US-Aufsichtsbehörde FCC wie auch das Justizdepartement haben die Grossfusion inzwischen bewilligt. Hängig bleibt jedoch eine Gemeinschaftsklage diverser US-Bundesstaaten, die sich aus Wettbewerbsgründen gegen die Transaktion aussprechen. Anfang Dezember soll der Gerichtsprozess beginnen.

Die Einnahmen aus dem Verkauf von Sprint spielen für die stark mit Fremdmitteln arbeitende SoftBank-Gruppe eine Schlüsselrolle. Platzt der Deal, könnte das den Konzern entsprechend in Schwierigkeiten bringen – und damit all die Finanzhäuser, die Masa Geld geliehen haben.

Wer wäre also davon betroffen? Gemäss Recherchen von «Bloomberg News» hat Masa Son zum Beispiel 38% seiner Anteile an Softbank im Wert von rund 9 Mrd. $ als Pfand für Lombardkredite bei 19 verschiedenen Banken hinterlegt, darunter bei Credit Suisse und Julius Bär.