Hinter der Headline

Unilever: Umsatzwarnung belastet auch den Nestlé-Kurs

Vor zwei Wochen warnte The Market vor den erheblichen Bewertungsrisiken in den Aktien europäischer Konsumgütermultis. Heute ist die Gefahr für jedermann sichtbar geworden.

Daniel Zulauf

Der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever hat mit einer Umsatzwarnung eine starke Kurskorrektur bei diversen grossen Konsumgüteraktien in Europa ausgelöst. Die Unilever-Titel verloren im Morgenhandel mehr als 6%, die Nestlé-Valoren verloren rund 1,5% und die Papiere des französischen Spezialisten für Molkereiprodukte, Danone, notierten bis zur Mittagszeit 1,7% im Minus.

«Aufgrund der Herausforderungen in gewissen Märkten erwarten wir, dass wir unser Ziel für das organische Wachstum im laufenden Jahr leicht verfehlen», lässt sich Unilever-Chef Alan Jope in einer vor Handelseröffnung verbreiteten Mitteilung zitieren.

Bislang war Unilever davon ausgegangen, dass die Verkäufe 2019 in der unteren Hälfte des mehrjährigen Wachstumsziels von 3 bis 5% zunehmen werden. Auch für die erste Jahreshälfte 2020 geht Jope von einem organischen Wachstum von weniger als 3% aus. Der Konzern budgetiert für 2020 aber weiterhin ein Wachstum im unteren Bereich des langfristigen Zielbandes und geht somit von einer Beschleunigung der Verkäufe in der zweiten Hälfte 2020 aus.

Konkret verweist Unilever auf die aktuelle Wachstumsverlangsamung in Südasien. In Indien, einem der grössten Märkte des Konzerns, war die Verlangsamung bereits im dritten Quartal ein Thema. Ein schwieriges Marktumfeld macht dem Unternehmen nach eigenen Angaben auch in Westafrika zu schaffen. Zudem bleibe das Geschäft auch in den Industriestaaten schwierig.

Die Umsatzwarnung wirft ein Schlaglicht auf die strukturelle Wachstumsflaute der globalen Lebensmittel- und Konsumgüterkonzerne, der sich auch Nestlé nur bedingt entziehen kann. Den davon ausgehenden latenten Druck auf die Börsenbewertung haben die Konzerne in der jüngeren Vergangenheit mit Hilfe grosszügiger Dividendenzahlungen und umfangreichen Aktienrückkaufprogrammen kompensiert. Zudem nehmen die Konzerne durch Desinvestitionen und Akquisitionen tiefgreifende Veränderungen ihrer Geschäftsportfolios vor. Zur Finanzierung des externen Wachstums werden grosse Kostensenkungsprogramme umgesetzt.

Die heutige Nachricht von Unilever macht deutlich, dass der laufende Grossumbau der Lebensmittelmultis erhebliche Risiken für die Investoren birgt. Umso mehr, als deren Aktien auf historisch hohen Bewertungsniveaus gehandelt werden.

«Nestlé & Co. stecken in einer Wachstumsfalle», warnte The Market bereits Anfang Dezember. Diese ist nun schon zum zweiten Mal innerhalb von nur drei Monaten zugeschnappt. Im Oktober war der Kurs der Danone-Aktien um mehr als 8% eingebrochen, nachdem die Verkaufszahlen des Unternehmens die Erwartungen des Marktes nicht zu erfüllen vermochten.