Hinter der Headline

Warum der Meyer-Burger-Präsident den grössten Aktionär nicht im VR haben will

Meyer Burger hat einen Plan, wie die Firma ihren Wissensvorsprung in der Herstellung von Produktionsanlagen für Solarmodule wirksamer schützen kann. Der Plan scheint der Investmentgesellschaft Sentis so gut zu gefallen, dass sie die Nachteile ausblendet.

Daniel Zulauf

«Ich glaube nicht, dass unsere Aktionäre Mark Kerekes in den Verwaltungsrat wählen werden», sagt Remo Lütolf, der seit Mai das Aufsichtsgremium des leidgeplagten Solarzulieferers Meyer Burger führt. Ausschlaggebend sei, wie viele der rund 18000 Aktionäre sich an der ausserordentliche Generalversammlung (GV) vom 30. Oktober mobilisieren liessen, meint der frühere ABB-Schweiz-Chef und jetzige Multiverwaltungsrat.

Kerekes ist Co-Geschäftsführer der Investmentgesellschaft Sentis Capital, die mit 8,2% am Kapital von Meyer Burger beteiligt ist. Die Einberufung der GV wurde von Sentis und von verbündeten Aktionären mit einem Kapitalanteil von insgesamt 11,5% verlangt. Heute Freitag hat Sentis ihre Forderung bekräftigt. Sentis sagt, Meyer Burger befände sich in einer entscheidenden Phase, weshalb es dringlich sei, einen Verwaltungsrat einzuberufen, der die Interessen der Eigentümer wahre.

Gemeint ist die neue Partnerschaft mit REC, einer von chinesischen Investoren kontrollierten und in Singapur produzierenden Herstellerin von Solarmodulen, die auf Anlagen von Meyer Burger produziert werden. Die Thuner wollen ihre technologisch führenden Maschinen nicht mehr länger bedingungslos an chinesische Hersteller verkaufen, die sie innert kurzer Zeit kopieren.

Meyer Burger plant nun eine Partnerschaft, unter der REC eine «angemessene Exklusivität» auf die Meyer-Burger-Technologie erhalten soll. Im Gegenzug soll Meyer Burger eine Beteiligung am Gewinn der von REC produzierten Solarmodule erhalten. Die geplante Kooperation sieht insofern vielversprechend aus, als die neuen Technologien von Meyer Burger einen erheblichen Vorsprung auf die Konkurrenz besitzen und den Endnutzern deutlich höhere Wirkungsgrade in der Energiegewinnung bei tieferen Kosten versprechen.

Lütolf bestätigt im Gespräch mit The Market, dass sich bei Meyer Burger derzeit Entscheidendes abspiele. Genau deshalb gebe es im Verwaltungsrat keinen Platz für Kerekes. Dieser habe als Investor beträchtliche Interessenskonflikte und die Gefahr sei gross, dass diese im Zusammenhang mit den nun laufenden Verhandlungen zu Tage träten. «Eine Mitwirkung von Sentis in unserem Verwaltungsrat ist ein Reputationsrisiko», sagt Lütolf. Er spricht damit auch auf den russischen Oligarchen Petr Kondrashev an, dem Sentis gehört.

Doch die Zurückweisung Kerekes’ hat noch tiefere Gründe. Lütolf sagt, Kunden seien tief besorgt über die potenziellen Entwicklungen, die sich bei Meyer Burger durch eine aktive Mitwirkung von Sentis ergeben könnten. Offenbar befürchtet REC, dass Sentis die Kooperation gefährden könnte. Ein potenzieller Zwiespalt ergibt sich aus der Frage, wie exklusiv diese Partnerschaft ausgestaltet werden soll. Sentis scheint diese ziemlich eng auszulegen, was für Meyer Burger eine höhere Gewinnbeteiligung bedeuten könnte. Die Thuner wollen sich bei der Vertragsgestaltung aber nicht in die Karten blicken lassen.

Der Grad der Exklusivität sei abhängig davon, wie gross das Produktionsvolumen von REC sei und auch in welchem Zeitraum dieses verwirklicht werden könne, sagt Lütolf. REC hat die Fabrik in Singapur soeben mit einer Investition von 150 Mio. $ auf 1,8 Gigawatt pro Jahr ausgebaut. Sentis scheint damit zu rechnen, dass der Weiterausbau auf 5 Gigawatt und mehr in wenigen Jahren realisiert werden kann.

Daraus leitet Sentis eine Gewinnbeteiligung für Meyer Burger von bis zu 300 Mio. Fr. ab (2024). Die Gewinnbeteiligung würde nach den Projektionen von Sentis den Rückgang des Anlagenverkaufs an Drittkunden kompensieren, der sich durch einen eng definierten Exklusivvertrag zwangsläufig ergeben würde.

Auf solche Rechenspiele will sich Lütolf aber nicht einlassen. Er sagt, die Ausgangslage für Meyer Burger sei vielversprechend und es sei vieles möglich. Doch offenbar will Meyer Burger nicht alle Eier in den gleichen Korb legen. REC kann den Ausbau der Produktion nicht alleine bewältigen. Um die Fabrik auf eine Jahresproduktion von 5 Gigawatt zu erweitern wären weitere Investitionen im Umfang von bis zu 1 Mrd. $ nötig.

Dafür suche REC mit Unterstützung von Meyer Burger weitere Partner. Das könnten Staatsfonds, Stromunternehmen oder auch vermögende Privatinvestoren sein, die den Wiederaufbau einer Produktion von Solarmodulen ausserhalb Chinas finanzieren möchten. Es gehe um den netzwerkartigen Wiederaufbau einer Solarindustrie in der westlichen Welt, sagt Lütolf. Hier wittert Meyer Burger ein längerfristiges Potenzial, das sich offenbar nicht leicht mit den kürzerfristigen Investitionszielen von Sentis in Einklang bringen lässt.