Hinter der Headline

Was die Positionierungsdaten grosser Spekulanten verraten

Wie die Zahlen der US-Handelsaufsicht Commodity Futures Trading Commission zeigen, erwarten Hedge Funds einen stärkeren Dollar, einen höheren Goldpreis und kaum Schwankungen an den Börsen.

Sandro Rosa

Für Privatanleger kann es sich auszahlen, die Aktivität von professionellen Investoren (dem sogenannten «Smart Money») zu verfolgen und ähnlich zu investieren – gelten diese doch als besonders versiert.

Manchmal kann es sich indes auch lohnen, gegen den Strom zu schwimmen. Positionieren sich die Marktteilnehmer nämlich allzu einseitig, setzt in den folgenden Monaten oftmals eine Gegenbewegung ein. 

Die entsprechenden Zahlen zur Positionierung liefert die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Dieser müssen die grossen Akteure an den US-Terminmärkten ihre Transaktionen für Aktien, Staatsanleihen, Rohstoffe und Währungen melden. Die Behörde publiziert die aggregierten Resultate im seit 2000 wöchentlich erscheinenden Commitment of Traders Report jeweils am Freitagabend.

Interessant ist, wie sich die nicht-kommerziellen oder spekulativen Investoren verhalten. Das sind institutionelle Anleger wie Hedge Funds, die sich nicht absichern, sondern mit ihren Terminkontrakten aktive Wetten eingehen.

Wo lassen sich demnach gemäss den neusten CFTC-Daten die extremsten Wetten finden?

Beliebtes Gold

Unter den Profis herrscht Einigkeit: Der Goldpreis wird weiter zulegen. So haben Hedge Funds und andere Grossinvestoren ihre Wetten auf einen anhaltend Preisanstieg des Edelmetalls in den vergangenen Wochen noch einmal aus­geweitet.

Insgesamt haben sie die Netto-Long-Positionen – das ist die Differenz zwischen Long- und Shortpositionen, wobei erstere auf steigende, letztere auf fallende Kurse spekulieren – in vierzehn der vergangenen neunzehn Wochen aufgestockt. Ende Mai lagen sie bei 86'688 Kontrakten, per letzter Woche waren es 275'563. Damit sind die Profis so zuversichtlich wie kaum je in den vergangenen zwanzig Jahren:

The Market hat bereits Ende August vor dem erhöhten Korrekturrisiko gewarnt: Das Anlegerinteresse hat in (zu) kurzer Zeit sehr schnell zugenommen. Seither hat der Goldpreis keine grossen Spr¨ünge mehr gemacht und tendierte sogar leicht schwächer.

Wie die CFTC-Positionierungsdaten zeigen, könnte die Korrekturphase noch etwas dauern, obschon die langfristigen Aussichten für Gold angesichts der politischen Unsicherheit, der globalen Konjunkturschwäche und dem Ende der geldpolitischen Straffung weiterhin intakt sind.

Alle Welt mag den Greenback

Auch beim Dollar rechnen die Profis mit anhaltender Stärke. In den vergangenen Wochen haben sie ihre Wetten auf den Greenback abermals erhöht. 

Wegen der im internationalen Vergleich straffen US-Geldpolitik rechnen viele Investoren mit einer festeren US-Valuta: Mit einer Netto-Long-Position von fast 40'000 Kontrakten sind die professionelle Anleger so optimistisch für den Dollar wie letztmals im Mai 2017 - und ganz kurz im letzten November:

Vor dem Hintergrund der jüngsten Lockerungsmassnahmen der US-Notenbank, die ihre Bilanz seit Mitte September um eindrückliche 200 Mrd. $ ausgeweitet hat, könnte dieser Optimismus schon bald einem ernsthaften Test unterzogen werden. 

Verschmähter Kiwi-Dollar

Nicht nur bei Gold und beim Dollar lassen sich an den amerikanischen Terminmärkten einseitige Erwartungen beobachten. Das Gleiche gilt für den neuseeländischen Dollar. Allerdings dominieren in diesem Fall die Bären. 

Negative Wetten auf die Währung haben sich in der vergangenen Woche zwar leicht verringert. Sie verharren aber nahe dem tiefsten je verzeichneten Stand: So wurde zum Monatsbeginn mit 42'474 Netto-Short-Positionen ein (Negativ-) Rekord verzeichnet.

Aktuell überwiegen die Short- die Longpositionen um 38 217 Kontrakte:

Die Bären haben seit nunmehr dreissig Wochen die Oberhand. Am 12. März überwogen letztmals die Longpositionen mit knapp 4'600 Kontrakten. Angesichts dieser ungemein einseitigen Positionierung würde eine technische Gegenbewegung beim neuseeländischen Dollar nicht überraschen. 

Keine Angst vor Kursausschlägen

Auch bezüglich der erwarteten Volatilität herrscht unter Hedge Funds Einigkeit: Einen Anstieg erachten sie als wenig wahrscheinlich. Anders lassen sich die Netto-Short-Positionen im Umfang von 138'680 Kontrakten auf den Volatilitätsindex Vix kaum erklären. 

Der Vix, der die von den Marktteilnehmern erwarteten Schwankungen des US-Leitindex S&P 500 jeweils für den kommenden Monat abbildet, notiert aktuell nur gerade bei rund 13,5. Das ist am unteren Ende der Bandbreite der vergangenen 52 Wochen und deutlich weniger als das langjährige Mittel von 20: 

Die enormen Wetten gegen den Vix erscheinen gewagt – zumal es an politischen Risiken nicht mangelt. Das Börsenbonmot «Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind» scheint momentan jedoch auf wenig Gehör zu stossen.