Hinter der Headline

Wie pessimistisch ist der Markt?

An den Börsen mehren sich die Warnsignale, die Nervosität unter den Anlegern nimmt zu. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf den Risikokompass von The Market zu werfen.

Sandro Rosa

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Der Markt war sich absolut sicher: Das Fed senkt die Zinsen (was es auch tat), und die Börsen werden weiter von Rekord zu Rekord eilen – was sie nicht taten.

Denn ein präsidialer Tweet hat den Marktteilnehmern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mit der Ankündigung neuer Zölle auf chinesische Importe hat US-Präsident Donald Trump für Aufregung gesorgt – und den Aktienindizes Verluste beschert.

So hat der amerikanische Leitindex S&P 500 in einer Woche zwischenzeitlich rund 6% verloren, der Swiss Market Index 4%. Gleichzeitig sind die Zinsen noch einmal deutlich nach unten gerutscht. Die Rendite auf zehnjährigen Eidgenossen notiert bei nahezu –1%. 

Kaum nimmt die Nervosität zu, vernimmt man schon Stimmen, die empfehlen, Anleger sollen die Rückschläge ausnützen, um ihre Positionen aufzustocken. Denn wie ein Börsenbonmot besagt, soll man ja Aktien kaufen, «wenn die Kanonen donnern».

Doch ist die Marktstimmung tatsächlich so negativ, dass sich der Einstieg für Contrarian-Käufer lohnt? 

Als Entscheidungshilfe lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Stimmungsindikatoren wie etwa Umfragewerte unter Anlegern, Optionspreise, Positionierungsdaten von Hedge Funds, Kreditrisikoaufschläge sowie Kursveränderungen von riskanteren gegenüber defensiveren Marktsegmenten.

Signalisieren diese Daten eine grosse Verunsicherung unter den Marktteilnehmern, lohnt es sich oft, dagegen zu wetten. Die Überlegung: Ist die Stimmung im Keller, sind Anleger entsprechend positioniert, und es braucht wenig, um Kursavancen auszulösen.

The Market fasst die wichtigsten Sentiment-Indikatoren regelmässig in einem Gesamtmass zusammen – dem Risikokompass: 

Welches Signal sendet das Barometer aus? Aktuell notiert der Risikokompass auf unterdurchschnittlichen 40 – auf einer Skala von 0 bis 100 mit einem langfristigen Mittelwert von 50. Die Anlegerstimmung hat sich also innert kurzer Zeit merklich abgekühlt – auch wenn der Pessimismus noch nicht ganz so ausgeprägt ist wie zum Jahresanfang.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Erholung an den Börsen. Angesichts der sich verdichtenden Signale eines globalen Abschwungs – schwache Frühindikatoren, eine inverse Zinskurve, enttäuschende Unternehmensgewinne, der Preisschub beim Goldpreis – darf an ihrer Nachhaltigkeit indes gezweifelt werden.