Hinter der Headline

Zyklische Aktien melden sich zurück

Die lange verschmähten konjunktursensitiven Sektoren wie Industrie oder Grundstoffe zeigen seit einigen Tagen eine eindrückliche Gegenbewegung. Handelt es sich um mehr als ein Strohfeuer?

Sandro Rosa

So rasch kann es gehen.

Am 26. August haben die Zykliker zu einer kräftigen Gegenbewegung angesetzt. Innerhalb von nur gerade acht Handelstagen haben sie die defensiven Bollwerke um 4% hinter sich gelassen. Damit liegen die konjunktursensitiven Werte seit Jahresbeginn gegenüber ihren Pendants wieder leicht in Front (vgl. Grafik).

Ein Blick auf die einzelnen Sektoren illustriert, wie gross der Performancegraben zwischen Zyklikern und defensiven Aktien in den vergangenen Tagen war.

Alle grün markierten Sektoren haben seit dem 26. August besser abgeschnitten als der Weltaktienindex, alle rötlich gefärbten sind zurückgeblieben. An der Spitze liegt der Energie-Sektor, der seither mehr als 7% zugelegt hat. Allerdings musste er in den Monaten zuvor auch am meisten Federn lassen. Die Branchen Finanz und Grundstoffe gehören ebenfalls zu den Sektoren, die zur Aufholjagd angesetzt haben (vgl. Grafik).

Von den defensiven Sektoren ist einzig Telecom grün markiert. Unter den zurückgebliebenen Branchen finden sich hingegen ausnahmslos defensive Segmente: Gesundheit, Versorger, Basiskonsum und Immobilien. 

Hat sie nun also endlich begonnen, die Sektorrotation von den defensiven in die zyklischen Segmente? Oder handelt es sich bloss um ein weiteres Strohfeuer?

Entscheidend dürfte sein, ob sich die Weltwirtschaft weiter abschwächt, oder ob sie nun die Talsohle durchschritten hat. Denn die defensiven Werte haben in den vergangenen Monaten von den stark fallenden Zinsen profitiert, die viele Anleger auf der Jagd nach (Dividenden-) Rendite in konjunkturresistente Aktien hat umschichten lassen.

Davon haben Unternehmen wie Roche, Novartis und Nestlé profitiert. Gleichzeitig flüchteten die Investoren aus zyklischen Titeln, da dort im Falle einer Rezession heftigere Gewinneinbussen drohen. Swatch Group oder ABB können ein Lied davon singen.

Kommt es indes zu einer Erholung des Wachstums, werden die Zinsen wieder steigen, was den zyklischen Titeln Rückenwind bescheren – und die als Anleihenersatz gehandelten defensiven Valoren belasten – dürfte.

«Ob dies wirklich eine Trendumkehr ist, bleibt noch abzuwarten», äussert sich die Helvetische Bank vorsichtig. «Aber es ist klar, dass sich die Bewertungsdifferenz zwischen den defensiven Werten und den zyklischen Sektoren in den letzten zwölf Monaten stark zuungunsten der defensiven Aktien erweitert hat».

Damit könnte die zyklische Rally durchaus noch weitergehen. Insbesondere wenn die Europäische Zentralbank morgen die Erwartungen der Marktteilnehmer bezüglich weiterer Stimuli erfüllt: Dann dürfte die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung weitere Nahrung erhalten – und die Zykliker zusätzlichen Rückenwind erhalten.