Robert Oudmayer: «Zehn Jahre sind zwar eine lange Zeit, doch es macht nach wie vor grossen Spass, CEO von Cembra zu sein.» (Bild ZVG)

Robert Oudmayer: «Zehn Jahre sind zwar eine lange Zeit, doch es macht nach wie vor grossen Spass, CEO von Cembra zu sein.» (Bild ZVG)

Das Interview

«Die Mehrheit der Einnahmen wird künftig das Kartengeschäft liefern»

Robert Oudmayer, CEO von Cembra Money Bank, will das Kreditkartengeschäft zum Hauptertragspfeiler ausbauen und plant, ins Geschäft mit Unternehmenskrediten vorzustossen. 

Ruedi Keller

Die Mehrheit des Ertrags will Cembra Money Bank künftig im Kreditkartengeschäft erwirtschaften, sagt CEO Robert Oudmayer im Interview. Ausserdem gibt er bekannt, dass das Konsumkreditinstitut den Einstieg in den Markt für Unternehmenskredite plant.

Hoffnungen auf eine Sonderdividende für das laufende Jahr erteilt er eine Absage. Die hohe Ausschüttungsquote von Cembra soll jedoch beibehalten werden. Aktuell rentieren die Titel mehr als 4%.

Statt überschüssiges Geld an die Aktionäre auszuschütten, will der CEO lieber Ausschau nach Akquisitionen halten. Auch grosse Zukäufe schliesst er nicht aus. Sie müssen jedoch klare Bedingungen erfüllen. Nach fünf Jahren an der Schweizer Börse ist das Management zudem dabei, die Ziele von Cembra zu überprüfen.

Robert Oudmayer

CEO Cembra Money Bank
Robert Oudmayer ist seit zehn Jahren CEO von Cembra Money Bank. 2013 hat er das Konsumkreditinstitut aus den Händen von General Electric an die Schweizer Börse geführt. Bereits von 2003 bis 2005 hatte der heute 57-Jährige bei GE Money Bank gearbeitet, wie Cembra damals hiess. Zwischenzeitlich war er CEO von GE Money Portugal. Zuvor arbeitete der Niederländer bei PSA Peugeot, unter anderem als Risikomanager Europa. Oudmayer hält einen Bachelor of Science of Hospitality and Tourism Management der Hotel School The Hague.
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Herr Oudmayer, der typische Geschäftsverlauf von Cembra zeigt jeweils Wachstum im Kreditkartenbereich und Margendruck im Konsumkreditgeschäft. Hält der Trend im laufenden Geschäftsjahr an?
Mit der Einführung der Zinsobergrenze auf 10% über Libor mussten wir fast unser gesamtes Portfolio im Konsumkreditgeschäft neu bewerten. Diesen Prozess haben wir letztes Jahr abgeschlossen. Der Effekt hat sich in der Zinsmarge der zweiten Jahreshälfte niedergeschlagen. Im ersten Halbjahr 2019 wird der Druck nochmals sichtbar werden. Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir eine Stabilisierung.

Und das Kreditkartengeschäft?
Das läuft robust – Zahlen kann ich zu diesem Zeitpunkt keine nennen.

Das Kartengeschäft ist der grosse Wachstumstreiber: 2010 hat der Bereich 8% zu Cembras Ertrag beigesteuert. 2018 war es bereits mehr als ein Drittel. Wo steuert es hin?
Schauen wir auf 2008 zurück: Das Geschäft von Cembra war damals von Konsumkrediten geprägt. Zudem hatten wir eine Sparte für Autoleasing und gaben einige Kreditkarten aus. Das Kartengeschäft wuchs zweistellig, der Konsumkreditbereich nahm ab. Das Autogeschäft wuchs zwar, der prozentuale Anteil blieb jedoch weitgehend konstant. Extrapoliert in die Zukunft bedeutet dies, in drei bis vier Jahren wird Cembra ein Kreditkartenanbieter mit einem Konsumkredit- und einem Autogeschäft sein. Die Natur unseres Geschäftsmodells verändert sich.

Wird der Ertragsbeitrag des Kreditkartengeschäfts 50% übersteigen?
Die Mehrheit der Einnahmen wird vom Kartengeschäft kommen. Nicht nur der Zinsertrag, sondern auch die kommissionsbasierten Einnahmen dieses Bereichs steigen. Künftig werden für Cembra nicht nur das Bilanzgeschäft zählen, sondern auch die Gebühreneinnahmen. Wir starteten mit ein, zwei Geschäftszweigen. In Zukunft werden es vier bis fünf Angebotslinien sein – zunehmend digitalisiert.

Cembra zeichnet eine vorhersehbare Gewinnentwicklung aus. Ändert sich dies?
Wir sind sogar robuster geworden, da wir jetzt mit drei gleich starken Armen arbeiten: Konsumkredite, Leasing, Kreditkarten. Die Kunden sind im Schnitt drei Jahre bei uns. Die Dauer einer Kreditkartenbeziehung ist eher länger. Dazu kommt, dass das Kommissionsgeschäft weniger bilanzintensiv ist. Trotz des Margendrucks auf dem Konsumkreditgeschäft ist unsere Rentabilität auf dem Eigenkapital Richtung 18% gestiegen.

Gerade im Kreditkartengeschäft fährt Cembra ein Klumpenrisiko: Die Mehrheit des Ertrags basiert auf der Partnerschaft mit Migros.
Unsere Partnerschaft mit Migros macht mehr als 80% des Kreditkartengeschäfts aus. Deshalb suchen wir langfristige Verträge und integrieren Dienstleistungen, die über das reine Kartengeschäft hinausreichen. Zentral bei der Partnerschaft ist, dass Migros ihren Kunden ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten kann. Ende 2016 haben wir den Vertrag mit Migros vorzeitig bis 2022 verlängert.

Zu Ihren neueren Initiativen: Cembra hat Swissbilling akquiriert und will nun ins Kreditgeschäft mit Kleinunternehmen vorstossen.
Wir haben zwei Stossrichtungen, um unsere Ertragsströme zu diversifizieren. Erstens Swissbilling: Durch den Zukauf dieser Anbieterin von Rechnungsfinanzierungen ermöglichen wir Kunden beim Einkauf eine Zahlungsfrist von dreissig Tagen, wobei wir den Verkäufer am ersten Tag vergüten. Zweitens haben wir mit Swissbilling einen Vertrag mit Localsearch, einem Unternehmen von Yellow Pages, abgeschlossen, um deren Rechnungsprozesse komplett zu übernehmen.

Und der Vorstoss ins Firmenkreditgeschäft?
Wir arbeiten an einem Projekt, um in den Markt für Unternehmenskredite einzusteigen. Für Kleinunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern wollen wir unbesicherte Darlehen für Working Capital bieten. Wir glauben, das ist ein Segment, in dem wir Vorteile haben.

Welche?
Einen Unternehmenskredit zu erhalten ist kompliziert, gerade für Kleinunternehmer. Er muss zur Bank, drei Jahre Buchhaltung vorweisen, Fragen beantworten, Sicherheiten bieten und auf einen positiven Kreditbescheid warten. Dieser Prozess der Banken ist nicht auf Kleinunternehmer ausgerichtet. Wir werden unseren Service komplett online anbieten. Ein Antragsteller wird das Geld innerhalb von 48 Stunden über das Geld bekommen.

Cembra hat jahrelange Erfahrung mit Privatkrediten. Fehlt die für Unternehmenskredite nicht?
Rund ein Drittel unserer Leasing-Kunden sind Kleinunternehmen. Viele unserer Privatkreditnehmer setzen das Geld für ihr Unternehmen ein. Wir haben Erfahrung in diesem Bereich. Ich glaube, die Kreditvergabe an Kleinunternehmen ist viel näher am Privatkreditgeschäft als beim Geschäft für Unternehmenskredite.

Wann legen Sie los?
Wir werden noch dieses Jahr Klarheit schaffen.

Cembra hatte Ende 2018 eine Eigenkapitalquote von 19,2% und will einen Wert von 18% nicht unter- und 20% nicht überschreiten. Zu Ende 2018 standen Sie bei 19,2%. Bei normalem Geschäftsverlauf halten Sie Ende Jahr mehr als 100 Mio. Fr. Überschusskapital. Was planen Sie damit?
Wenn die Bilanz im Rahmen der gültigen Guidance expandiert, werden wir innerhalb der 20% Tier-1-Quote bleiben. Das heisst, wir würden kein Überschusskapital verteilen, sondern das Kapital für Wachstum einbehalten.

Die Dividendenpolitik sieht vor, 60 bis 70% des Jahresgewinns auszuschütten. In den letzten Jahren waren es jeweils gegen 70%. Wird das so weitergehen?
Der Markt würde es kaum schätzen, wenn wir die prozentuale Ausschüttung verringern würden. Wir werden daher im bisherigen Bereich bleiben.

Trotzdem baut Cembra Überschusskapital auf. Zusammen mit Aktien im Eigenbesitz und genehmigtem Kapital könnten Sie 500 Mio. Fr. für Akquisitionen einsetzen. Wagen Sie den grossen Wurf?
Wir haben eine gute Feuerkraft. Wir können und wir wollen zukaufen. Doch es gilt drei Fragen zu beantworten: Entspricht das Kaufobjekt unseren Anforderungen an eine Eigenkapitalrendite von 15%? Darunter kaufen wir nicht. Passt es in unsere Strategie? Was uns stark macht, ist der Fokus auf das, worin wir gut sind. Drittens: Ist es erschwinglich? Wir handeln zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17. Es ist unwahrscheinlich, dass wir zu höheren Bewertungen zukaufen.

Sie durchforsten den Markt seit Jahren nach Kaufobjekten. Sehen Sie noch welche?
Wir handeln opportunistisch. Wir kennen den Markt, die Schweiz, die Akteure. Sollte etwas erhältlich werden, bieten wir – wie vor zwei Jahren für die EFL Autoleasing AG.

Haben Sie den Mut, die gesamte Feuerkraft in eine einzelne Grossübernahme zu stecken?
Wir haben mit EFL ein Portfolio im Umfang von 270 Mio. Fr. im Bereich Leasing erworben, den wir sehr gut kennen. Könnte es grösser sein? Ja – wenn es den drei Kriterien standhält. Diese sind jedoch ziemlich streng.

Das Wachstumsziel von Cembra beschränkt sich auf das Mitschwimmen im Wirtschaftswachstum. Dieses Ziel haben Sie mehrfach übertroffen, ebenso alle anderen Vorgaben. Ist es nicht an der Zeit, die Ziele anzupassen – auch im Hinblick auf den neuen Geschäftsmix?
Wir haben die Mittelfristziele vor fünf Jahren beim Börsengang definiert und sie zu 100% erfüllt. Wir orientierten uns bislang stark an Bilanzmechanismen, doch heute haben wir auch beträchtliche Gebühreneinnahmen. Der Fokus sollte künftig stärker darauf liegen.

Werden neue Zieldefinitionen in der Geschäftsleitung besprochen?
Nicht nur in der Geschäftsleitung, sondern auch im Verwaltungsrat. Es ist gesund, alle paar Jahre die Ziele zu überprüfen. Man sollte aber auch die langfristige Performance berücksichtigen: Wir haben in den letzten fünf Jahren den Aktienkurs verdoppelt und die Vergleichsindizes geschlagen, den SPI und den Bankenindex. Eine jährliche Rendite von im Schnitt 20% ist der bessere Indikator als die Anpassung individueller Ziele. Unsere Stärke ist zu wissen, was wir können, realistische Ziele zu setzen und zu liefern, was wir versprechen.

Hat das Ziel einer Tier-1-Quote von 18% für immer Gültigkeit?
Beim Börsengang erhielten wir viele Fragen zu diesem Eigenkapitalziel. Damals waren viele Hedge Funds im Aktionariat. Heute sind unsere Investoren langfristig orientierte institutionelle Anleger, die eine nachhaltige Dividende wollen. Eine Senkung des Kapitalziels würde einmalig eine Sonderdividende auslösen. Das ist nicht in deren Sinn.

Sondern?
Das Interessante an unserem Modell ist die Kombination: eine äusserst solide Bilanz, mit der wir jährlich eine hohe Rendite auf dem Eigenkapital von klar über 15% erwirtschaften.

Sie sind seit zehn Jahren CEO von Cembra. Was sind Ihre persönlichen Pläne?
Meine persönliche Karriere hat zwei Teile: Die ersten viereinhalb Jahre arbeitete ich für General Electric, jetzt fünfeinhalb Jahre als CEO eines kotierten Unternehmens. Zehn Jahre sind zwar lang, doch es waren zwei völlig unterschiedliche Jobs. Ich werde nicht für immer bleiben – aber es macht nach wie vor grossen Spass, CEO von Cembra zu sein.