Stimmt Nein: Christoph Vilanek, CEO des Sunrise-Grossaktionärs Freenet. (Bild: ZVG)

Stimmt Nein: Christoph Vilanek, CEO des Sunrise-Grossaktionärs Freenet. (Bild: ZVG)

Exklusiv

Sunrise-Grossaktionär: «Der Preis für UPC ist viel zu hoch»

Freenet-CEO Christoph Vilanek sagt, warum er trotz deutlich reduzierter Kapitalerhöhung gegen die Übernahme von UPC stimmen wird: «Ich rate dies auch allen anderen Aktionären.»

Ruedi Keller

Sunrise versucht die 6,3 Mrd. Fr. schwere Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC Schweiz zu retten. Statt wie ursprünglich geplant 4,1 Mrd. will Sunrise zur Finanzierung der Transaktion nun nur noch eine Aktienkapitalerhöhung vom 2,8 Mrd. Fr. durchführen. Der Rest soll über Fremdkapital finanziert werden.

Eine ausserordentliche Generalversammlung soll am 23. Oktober über die Kapitalerhöhung abstimmen. Freenet, mit 24,5% grösster Aktionär von Sunrise, ist weiterhin dagegen, wie CEO Christoph Vilanek bestätigt:

Herr Vilanek, Sunrise hat heute die Struktur für die Übernahme von UPC Schweiz angepasst: Die Verschuldung soll 1,3 Mrd. Fr. höher ausfallen als ursprünglich geplant, die Kapitalerhöhung im Gegenzug auf neu 2,8 Mrd. Fr. gesenkt werden. Wird Freenet unter diesen neuen Bedingungen dem Deal zustimmen?
Nein, wir werden dagegen stimmen. Dies rate ich auch allen anderen Aktionären.

Warum?
Der Preis von 6,3 Mrd. Fr., den Sunrise für UPC bezahlen will, ist viel zu hoch.

Sie hatten schon Anfang Jahr im Sunrise-Verwaltungsrat gegen den Deal gestimmt. Dies jedoch wegen der Struktur und nicht wegen des Preises. Den Preis hatten auch Sie damals als fair eingeschätzt.
Vor zwölf Monaten war ich der Ansicht, dass die Übernahme von UPC strategisch sinnvoll ist. Doch die damaligen Fakten haben sich überholt, insbesondere in zwei Punkten: die Mobilfunktechnologie 5G hat sich in der Zwischenzeit als viel potenter erwiesen als damals gedacht. Insbesondere die Abdeckung innerhalb von Gebäuden ist technisch so gut geworden, dass 5G das Potenzial hat, Kabelanschlüsse weitgehend überflüssig zu machen.

Der zweite Punkt?
Der monatliche Umsatz, den UPC im Schnitt pro Kunde erzielt, ist stark unter Druck: Wenn nur schon ein Drittel der rund 1,8 Mio. UPC-Kunden künftig statt rund 120 Fr. nur noch 90 Fr. pro Monat zahlt, sprechen wir von jährlichen Mindereinnahmen gegenüber den damaligen Annahmen von mehr als 200 Mio. Fr.

UPC berichtete zum Halbjahr doch von einem besser als erwarteten Turnaround?
Ein Grossteil des ausgewiesenen Cashflows stammt vom Verkauf von Hardware. Das sind einmalige Einnahmen. Der wiederkehrende Cashflow ist unter grösserem Druck als erwartet. UPC höhlt ihr Geschäft gegenwärtig aus und Sunrise läuft nun Gefahr, sich ein marodes Unternehmen einzuverleiben. Das Perfide dabei: Die Kapitalerhöhung von Sunrise soll über die Bühne gehen, kurz bevor UPC die Zahlen zum dritten Quartal vorlegen wird. Die Aktionäre bleiben so bezüglich der jüngsten Entwicklung im Dunkeln.

Welches Ergebnis erwarten Sie an der ausserordentlichen Generalversammlung von Sunrise, die am 23. Oktober über die Kapitalerhöhung und damit über den Deal abstimmen wird?
Es wird eng werden. Für den Fall, dass der Deal entgegen unserer Überzeugung angenommen werden sollte, hat Freenet vorgesorgt: Wir haben einige Kreditlinien aufgestockt, um mit Teilen unseres 24%-Pakets in Sunrise mitziehen und unsere Position als grösster Aktionär verteidigen zu können.