Meinung

Der Private-Equity-Boom stellt Aktien und Kryptowährungen in den Schatten

Das Wachstum des Venture-Capital- und Private-Equity-Marktes beschleunigt sich. Er profitiert von der Absicherung durch die Zentralbanken und bietet gleichzeitig einen exklusiven Zugang zu einem viel höheren Wachstumspotenzial.

Myret Zaki
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Welche Anlageklasse sammelt noch mehr Geld ein als die Aktien- und Kryptomärkte? Zweifellos gewinnt Private Equity das Rennen. Laut dem Bericht des Beratungsunternehmens Bain & Company mit dem Titel «The Private Equity Market in 2020: Escape from the Abyss» hat die Branche in den letzten fünf Jahren mehrere Billionen Dollar an Kapital eingesammelt.

Die Beschleunigung bei den erworbenen Mitteln über fünf Jahre ist beeindruckend. Im Jahr 2020 erreichte das globale Private-Equity-Fundraising 989 Mrd. $, was nahe am Rekord von 2019 (1,09 Bio. $) liegt, so die Bain-Studie. Ab 2020 verwaltete die Branche 4,4 Bio. $. Doch der Zuwachs in den nächsten fünf Jahren könnte noch spektakulärer ausfallen. Gemäss dem Informationsdienst Preqin könnte sich das in Private Equity und Wagniskapital (Venture Capital, VC) verwaltete Vermögen mehr als verdoppeln und 2025 die Marke von 9 Bio. $ überschreiten:

Viel Kapital fliesst in künstliche Intelligenz

Technologie wird weiterhin den Grossteil der Investitionen in dieser Anlageklasse antreiben. In den letzten fünf Jahren konzentrierten sich die grössten Zuflüsse auf Risikokapital im Bereich der künstlichen Intelligenz. Der Wert der Venture-Capital-Deals in diesem Bereich stieg laut GlobalData zwischen 2016 und 2020 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 40%. «Einige der bemerkenswerten VC-Deals, die im Laufe des Jahres 2020 angekündigt wurden, umfassten 1,9 Mrd. $, die sich SpaceX sicherte, und die 1,7 Mrd. $ von Manbang Group», heisst es im Bericht.

Offensichtlich ist die goldene Ära bei der Beschaffung von Private-Equity-Geldern noch lange nicht vorbei, und Covid-19 wird sie nicht beenden.

Ermöglicht wurde dieser Trend durch die Interventionen der Zentralbanken, die 2020 «eine Stresssituation von Portfoliounternehmen, wie wir sie während der Finanzkrise 2008 gesehen haben, verhindert haben», so der Bain-Bericht. Die Käufe von Vermögenswerten durch die Zentralbanken sorgten für eine Absicherung an den Kreditmärkten, was nicht anderes ist als der bekannte «Fed Put».

Source: Bain & Company

Special Purpose Acquisition Companies (SPAC) oder Blankoscheck-Listing-Vehikel, die weitere 83 Mrd. $ zum Gesamtaufkommen im letzten Jahr beisteuerten, waren ein weiterer wichtiger Treiber für Private-Equity-Portfolios, die oft über IPO-Unsicherheiten stolpern. SPAC machten den Markt für Private-Equity-Investoren liquider, da sie Private-Equity-Firmen neue Ausstiegsmöglichkeiten eröffneten, die sie mit klassischen IPO womöglich nicht gehabt hätten.

Grosse Fonds werden zunehmend wählerisch

Die aussergewöhnliche Performance von Private Equity macht es zu einem der bevorzugten Märkte für institutionelle Anleger, die «Alpha» suchen, oder diversifizierte Ertragsquellen, die die niedrigen Renditen hochwertiger Anleihen kompensieren. Und die Aussichten sind glänzend: Da die Aktienbewertungen immer üppiger werden, erwägen viele institutionelle Anleger in diesem Jahr eine Erhöhung ihrer Allokation in Private Equity.

Gemäss Opalesque, einer Website für alternative Anlagen, werden die Investoren aber zunehmend wählerisch, in welche Fonds sie investieren. Grosse, etablierte Fonds wurden 2020 bevorzugt. Die grösseren Fonds, die lanciert wurden, waren schnell «ausverkauft». Vehikel, die 5 Mrd. $ oder mehr an Vermögenswerten anstrebten, wurden laut Opalesque innerhalb von sechs Monaten geschlossen und lagen 18% über ihrem ursprünglichen Ziel.

«CVC zum Beispiel sammelte für seinen Capital Partners Fund VIII in fünf Monaten 24 Mrd. $ ein und übertraf sein ursprüngliches Ziel um 22%». Ein Fonds wie Symphony Technology mit Sitz in den USA schloss seinen 2-Mrd.-$-Fonds sogar in weniger als sechs Monaten und lag 33% über dem Ziel. Ein anderer Fonds mit Fokus auf Frankreich, Montefiore Investment, sammelte in drei Monaten 850 Mio. € ein.

Mit dem grossen Geld kommen Privatsphäre und Exklusivität. Seit vielen Jahren bevorzugen vermögende Privatpersonen (High Net Worth Individuals, HNWI) private Fondsstrukturen gegenüber herkömmlichen Private-Equity-Fonds. Diese privaten Strukturen, die die Form einer Gesellschaft oder einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung haben, werden laut International Adviser vor allem von vermögenden Familien und Family Offices genutzt.

«Club Deals» ermöglichen Kostenteilung

Diese Vehikel eignen sich besonders gut für Co-Investments, sogenannte «Club Deals», bei denen sich mehrere Familien gemeinsam an einem Unternehmen beteiligen. Auf diese Weise können sich diese Investoren die Kosten der Struktur teilen. Entweder kannten sich diese Investoren bereits und beschlossen, den privaten Fonds gemeinsam zu gründen, oder es ist der Fondsmanager der Struktur, der sie miteinander verbindet.

HNWIs erhalten auf diese Weise Zugang zu sehr exklusiven Anlagemöglichkeiten, die für den normalen Investor nicht oder nur schwer zugänglich sind. Typischerweise auf den Kanalinseln, Singapur und den Cayman Islands ansässig, bieten private Fonds auch grössere Steuervorteile als Standardstrukturen.

Private Equity wird bei Grossanlegern immer beliebter, weil es das Beste aus zwei Welten vereint: Während man von der Absicherung durch die Zentralbank und Nullzinsen profitiert, kann es ein viel höheres Wachstumspotenzial und einen privilegierten und exklusiven Zugang zu einigen versteckten Perlen bieten, zusammen mit Steuervorteilen und einer geringeren Regulierung und Kontrolle als in der langweiligen börsennotierten Welt.

Myret Zaki

Myret Zaki begann 1997 als Analystin in einer Genfer Privatbank, wo sie die Grundlagen der Unternehmensanalyse erlernte. 2001 wechselte sie zur Tageszeitung «Le Temps», wo sie neun Jahre lang den Finanzbereich leitete. Als die Finanzkrise 2008 ausbrach, schrieb sie das investigative Buch «UBS am Rande des Abgrunds», für das sie den Schweizer Journalistenpreis erhielt. 2010 wechselte sie zu «Bilan»; von 2014 bis 2019 war Zaki Chefredakteurin der Zeitschrift. Zwischen 2010 und 2016 schrieb sie drei weitere Bestseller über das Bankgeheimnis, das Ende des Dollar-Reserve-Status und den Aufstieg des Schattenbankensystems. Zaki hat einen Bachelor in Politikwissenschaft von der American University in Kairo und einen MBA von der Business School of Lausanne. Heute ist sie Leiterin der Fakultät für Kommunikation an der Hochschule für Journalismus und Medien in Lausanne.
Myret Zaki begann 1997 als Analystin in einer Genfer Privatbank, wo sie die Grundlagen der Unternehmensanalyse erlernte. 2001 wechselte sie zur Tageszeitung «Le Temps», wo sie neun Jahre lang den Finanzbereich leitete. Als die Finanzkrise 2008 ausbrach, schrieb sie das investigative Buch «UBS am Rande des Abgrunds», für das sie den Schweizer Journalistenpreis erhielt. 2010 wechselte sie zu «Bilan»; von 2014 bis 2019 war Zaki Chefredakteurin der Zeitschrift. Zwischen 2010 und 2016 schrieb sie drei weitere Bestseller über das Bankgeheimnis, das Ende des Dollar-Reserve-Status und den Aufstieg des Schattenbankensystems. Zaki hat einen Bachelor in Politikwissenschaft von der American University in Kairo und einen MBA von der Business School of Lausanne. Heute ist sie Leiterin der Fakultät für Kommunikation an der Hochschule für Journalismus und Medien in Lausanne.