Meinung

Die Gewinner sind: die Meister der Volatilität

In Zeiten des Marktchaos lohnt es sich, auf Volatilität zu wetten oder sie mit Derivaten zu mildern. Strategien, die nicht richtungsgebunden sind, sind die Lösung. Eine Reihe von Schweizer Managern gehören damit zu den Top-Performern.

Myret Zaki
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Eine Eigenschaft der Finanzmärkte ist, dass immer einige Spieler gewinnen – und zwar im grossen Stil –, egal wie verworren die Konstellation ist. Während der Turbulenzen der Coronapandemie haben einige Fonds hervorragende Renditen erzielt. Sie stechen aus der Masse der Fonds hervor, die grosse Verluste erlitten haben.

Welche Vermögensverwalter haben im Abschwung geliefert? Eine Übergewichtung in zyklischen Aktien war falsch. Auf Small- und Midcaps zu setzen war ebenfalls nicht hilfreich. Stockpicking war alles andere als überzeugend.

Die richtigen Strategien sind bei den alternativen Anlagen zu finden. Auf die Anlageklasse Hedge Funds zu setzen, war jedoch nicht automatisch die ideale Strategie. Ihre Gesamtperformance im März betrug laut dem Barclay-Hedge-Funds-Index –8,74%. Im Vergleich zum S&P Total Return Index, der um 16,2% zurückging, ist das immer noch gut. Aber wir wollen uns die positiven Zahlen ansehen, um diejenigen Ansätze zu identifizieren, die wirklich überzeugt haben.

Marktschwankungen begünstigen die am wenigsten richtungsgebundenen Strategien

In einer kürzlich erschienenen Kolumne haben wir erwähnt, wie Leerverkäufer sich behauptet haben. Aber der Trend war kurz, denn Leerverkäufe alleine reichen nicht aus. Die Strategie ist zu einseitig. Die derzeitigen Marktschwankungen begünstigen die am wenigsten richtungsgebundenen Anlagestrategien. Das Wetten auf kräftige Bewegungen, sowohl nach oben oder nach unten, ist derzeit der Schlüssel zum Erfolg.

Zweifellos: Es sind die Meister der Volatilität, die das Spiel im ersten Quartal gewonnen haben. Strategien, die auf hohe Volatilität setzen, waren ein Jahrzehnt lang aussen vor geblieben. Jetzt, wo die Volatilität in grossem Stil zurück ist, sind die Derivatespezialisten zurück im Spiel.

Die Makrotrader, die systematischen und quantitativen Fonds, Futures-Manager und Overlay-Strategen, sie wissen, wie man Futures und Optionen gegen den Trend einsetzt. Sie erzielen jetzt eine Überrendite (Alpha) und einen unkorrelierten Ertrag. Da der Volatilitätszyklus in den nächsten Monaten anhalten könnte, dürften die Volatilitätsexperten weiterhin oben aus schwingen.

Die Schweizer Spezialisten

Unter den Schweizer Spezialisten behandelt Dominicé & Co, eine Boutique mit Sitz in Genf, die Volatilität als eine eigenständige Anlageklasse. Bevor der März begann, war ihre Volatilitätsstrategie auf ein «long Vega» ausgerichtet. Mit anderen Worten, sie setzten auf einen Anstieg der Volatilität durch den Kauf von Optionen (sowohl Calls als auch Puts).

«Vega» steht für die Veränderung des Optionspreises bei einer 1%-Bewegung der impliziten Volatilität, sei es nach oben oder nach unten. Eine «Long Vega»-Strategie bedeutet, dass man darauf setzt, dass der Optionspreis zusammen mit der Schwankung des ihm zugrunde liegenden Vermögenswertes steigt. Nimmt die Volatilität zu, wirft die die Strategie einen Gewinn ab. So erreichte Dominicé & Co im März eine Performance von 21,6% und der Fonds steht seit Jahresbeginn 19,7% im Plus.

Die «Vega»-Player

Ein weiterer «Vega»-Akteur, der in Chicago ansässige Trident Futures Fund, erzielte im März eine Nettoperformance von 10,3%. Der Fonds, der im bisherigen Jahresverlauf um 9,5% zulegte, ist ein Future Manager mit mehreren Modellen, der sich auf den Kauf und Verkauf von Futures, einschliesslich Short-Positionen auf Aktien, spezialisiert. Dabei verwendet er seine eigenen Messungen der Marktvolatilität und Risikobereitschaft (das Vega- und das Risikoregime-Modell), um dem Portfolio Stabilität zu verleihen, so die die Beschreibung der Opalesque-Research-Site, die die besten Performer im ersten Quartal zusammengestellt hat.

Eine der besten Wertentwicklungen erzielte jedoch ein anderes Schweizer Unternehmen: die in Zug ansässige Firma QCAM Currency Asset Management unter der Leitung von Thomas Suter (einem ehemaligen UBS-Investmentbanker), die mit ihren SI 30Vol Fonds im März eine spektakuläre Rendite von 55% und seit Jahresbeginn von 74% erzielte. Ihr Systematic Intelligence Program ist darauf ausgerichtet, Renditen unabhängig von der Entwicklung des Gesamtmarktes zu erzielen.

Overlay-Strategien im Rampenlicht

Overlay-Strategien stehen eindeutig im Rampenlicht, da deren Absicherungsmassnahmen Schutz vor Kursverlusten bieten. Die Overlay-Strategie der in Frankfurt ansässigen Catana Capital liegt seit Jahresbeginn 22,6% im Plus. Dabei handelt es sich um ein massgeschneidertes Overlay, bei dem DAX-Futures zur Stabilisierung der Renditen eingesetzt werden.

«Passive Diversifizierung ist in bestimmten Marktsituationen nicht ausreichend. Das Hinzufügen von Hedging-Strategien hat unseren Portfolios eine beträchtliche Widerstandsfähigkeit verliehen», sagt Lionel Melka, Portfoliomanager bei Homa Capital, einer in Paris gegründeten und in Genf tätigen Gesellschaft, die sich auf Overlay-Strategien spezialisiert hat.

«Der Kauf von Volatilität ist eine wichtige Strategie. Sie weist eine sehr geringe Korrelation zu Safe-Haven-Anlagen auf, wodurch eine starke Diversifizierung von US-Treasuries erreicht wird», erklärt Jean-Jacques Ohana, CIO von Homa Capital. Volatilität kann auf der Grundlage eines aktiven Markttimings gekauft werden, indem man den Signalen auf der Future-Vix-Kurve folgt. «Die besten Renditen bei dieser Strategie sind mit den schlechtesten Monaten für Aktien verbunden», sagt Ohana.

Beeindruckende Leistungen der Makrotrader

Beeindruckende Leistungen zeigten auch Makrotrader, von denen einige mit Wetten auf die Volatilität im Rohölpreis riesige Gewinne erzielten.

Volatilität ist die treibende Kraft für globale Makrostrategien. Diese Long- und Short-Wetten, die manchmal mit Derivaten um mehr als 300% gehebelt sind und auf globalen Indikatoren basieren, brauchen Volatilität, um aufzugehen. Sie benötigen Bewegungen bei Aktien, Währungen und Zinssätzen.

Die Anlegerwelt wurde kürzlich wieder darauf aufmerksam gemacht, als ein berühmter Makro-Hedge-Fund, der vom Milliardär Chris Rokos geführt wird, im März ein Plus von 14% verbuchte, wodurch seine Performance seit Jahresbeginn auf 20% stieg.

Fonds legen ihre Strategie selten im Detail dar, aber ein beträchtlicher Teil der Rendite kann auf Optionsgeschäfte zurückgeführt werden, die Rokos bereits in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 einging und mit denen er auf eine Rezession in den USA und auf Nullzinsen setzte. Ein Szenario, das wegen dem (unberechenbaren) Coronavirus Realität wurde.

Auch der Makro-Hedgefonds Brevan Howard war mit einem Plus von 21% im ersten Quartal in den Schlagzeilen. Sein FG Macro Master Fund, ein Vehikel der Makrostrategie, setzte erfolgreich auf weiter fallende Notenbankzinsen.

Nicht-Korrelation mit Aktien ist tatsächlich vorhanden

Der März 2020 wird als ein ganz besonderer Monat in die Finanzgeschichte eingehen, in dem ein wirtschaftlicher Schock, ein Zusammenbruch der Märkte und beispiellose politische Reaktionen zusammenkamen.

Nur Händler oder Algorithmen, die in der Lage sind, die täglichen Ausschläge zu beherrschen und die Marktrichtungen und Korrelationen zu neutralisieren, konnten sich von den anderen Investoren abheben.

Betrachtet man all diese Fonds, so ist Nicht-Korrelation mit dem Aktienmarkt tatsächlich vorhanden. Es ist ein Glück, dass die Vola-Spezialisten zurück sind, um dies zu belegen.

Myret Zaki

Myret Zaki begann 1997 als Junior-Analystin in einer Genfer Privatbank, wo sie die Grundlagen der Aktienanalyse erlernte. 2001 wechselte sie zur Tageszeitung «Le Temps», wo sie neun Jahre lang den Finanzbereich leitete. Als die Finanzkrise 2008 ausbrach, schrieb sie das investigative Buch «UBS am Rande des Abgrunds», für das sie den Schweizer Journalistenpreis erhielt. 2010 wechselte sie zu «Bilan»; von 2014 bis 2019 war Zaki Chefredakteurin der Zeitschrift. Zwischen 2010 und 2016 schrieb sie drei weitere Bestseller über das Bankgeheimnis, das Ende des Dollar-Reserve-Status und den Aufstieg des Schattenbankensystems. Zaki hat einen Bachelor in Politikwissenschaft von der American University in Kairo und einen MBA von der Business School of Lausanne. Heute ist sie freie Kolumnistin und Beraterin für Influencer-Strategien.
Myret Zaki begann 1997 als Junior-Analystin in einer Genfer Privatbank, wo sie die Grundlagen der Aktienanalyse erlernte. 2001 wechselte sie zur Tageszeitung «Le Temps», wo sie neun Jahre lang den Finanzbereich leitete. Als die Finanzkrise 2008 ausbrach, schrieb sie das investigative Buch «UBS am Rande des Abgrunds», für das sie den Schweizer Journalistenpreis erhielt. 2010 wechselte sie zu «Bilan»; von 2014 bis 2019 war Zaki Chefredakteurin der Zeitschrift. Zwischen 2010 und 2016 schrieb sie drei weitere Bestseller über das Bankgeheimnis, das Ende des Dollar-Reserve-Status und den Aufstieg des Schattenbankensystems. Zaki hat einen Bachelor in Politikwissenschaft von der American University in Kairo und einen MBA von der Business School of Lausanne. Heute ist sie freie Kolumnistin und Beraterin für Influencer-Strategien.
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Myret Zaki