Meinung

Gold – das grüne Investmentmetall?

Über die Goldförderung wird meist in einem negativen Kontext berichtet, was umweltbewusste oder sozial engagierte Anleger von einer Investition abhalten kann. Dabei ist Gold in einer Gesamtbetrachtung das nachhaltigste Metall der Welt.

Ronald-Peter Stöferle
Drucken

Das Investieren mit besonderen Blick auf Umwelt, Gesellschaft und gute Unternehmensführung (Environmental, Social and Governance, kurz: ESG), ist mittlerweile in aller Munde, so auch in der Goldbranche. Doch es greift zu kurz, Nachhaltigkeit nur auf einschlägige ESG-Ratings zu reduzieren.

Diese sind zweifelsohne eine gute Methode zur Bewertung von Minenunternehmen. Die Edelmetalle selbst werden allerdings nicht bewertet. Vor allem Gold leidet unter dieser beschränkten Sicht auf Nachhaltigkeit. Über die Goldförderung wird meist in einem negativen Kontext berichtet, etwa über unmenschliche Arbeitsbedingungen in einigen Goldminen in Afrika oder wegen der Umweltbedrohung durch Cyanid-Kontamination.

Derartige Nachrichten halten sicher den einen oder anderen umweltbewussten oder sozial engagierten Anleger von einer Investition in das gelbe Metall ab. Wir sind jedoch der Meinung, dass diese Sichtweise zu kurz greift. Wer sich von Gold abwendet, wendet sich mit Blick auf die CO2-Bilanz, die Abfallmenge und die Menge an eingesetzten Ressourcen nämlich vom nachhaltigsten Metall der Welt ab.

Ist Gold der nachhaltigste Rohstoff der Welt?

In einer Gesamtbetrachtung, und nur diese sollte für eine ökologische Bewertung relevant sein, ist Gold wegen seiner elementaren Eigenschaften, des Förderprozesses und seiner Wertbeständigkeit in der Tat das nachhaltigste Metall der Welt.

Gold wird seit mehr als 7000 Jahren gefördert. In diesem Zeitraum wurden über 205'000 Tonnen produziert, was der Grösse von rund 3,5 olympischen Schwimmbecken entspricht. Davon wurden über 50% seit den Fünfzigerjahren abgebaut. Praktisch das gesamte jemals geförderte Gold ist nach wie vor verfügbar und kann wiederaufbereitet werden. Wenn Sie Goldschmuck besitzen, besteht eine gewisse Chance, dass ein Teil davon bereits seit vielen Jahrhunderten, vielleicht sogar seit Jahrtausenden in Verwendung ist. Womöglich war ein Teil des Eherings, den Sie am Finger tragen, vor hunderten von Jahren Teil einer Königskrone oder vor tausenden von Jahren eine Gabe an einen Pharaonen?

Als Edelmetall zeichnet sich Gold dadurch aus, dass es chemisch nicht mit Luft oder ihren Komponenten wie Sauerstoff, Kohlendioxid und anderen Gasen reagiert. Das schützt Gold davor, seinen Glanz zu verlieren. Gold bleibt daher in seiner reinsten Form ewig erhalten. Das macht es zum perfekten Investmentvehikel, das von Generation zu Generation weitergereicht werden kann. Die sozialen und ökologischen Kosten der Goldförderung können folglich auf eine fast unendliche lange Zeitspanne aufgeteilt werden, was sie gegen null konvergieren lässt. Die Beständigkeit von Gold hat auch zufolge, dass Gold nie als Müll entsorgt werden muss. Niemand wird Gold freiwillig wegwerfen, sondern es gewinnbringend rezyklieren wollen.

Gold – die nachhaltigste Währung der Welt?

Die Nachhaltigkeit von Gold als Währung ist beeindruckend. Die Dichte und Verformbarkeit von Gold macht es zur perfekten Währung. Es kann zum Transport einer grossen Wertmenge auf engstem Raum dienen oder in hauchdünne Blätter von nur wenigen Mikrometern Stärke zerteilt werden.

Es stand schon vor Jahrtausenden hoch im Kurs und ist auch heute noch die erste Wahl der Zentralbanken. Im Unterschied zu einer Papierwährung muss man Goldreserven nicht aufstocken, um die Kaufkraft zu erhalten, denn Gold ist vor Inflation weitgehend gefeit. Anhand des folgenden Charts erkennt man, dass die jährliche «Inflationsrate», also das Wachstum des weltweiten Goldbestandes im Vergleich zur bereits geförderten Menge relativ stabil ist. Sie schwankt zwischen 1,2% und maximal 2,4%.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der überwiegende Grossteil des verwendeten Goldes zu einem früheren Zeitpunkt gefördert wurde. Vergleicht man dieses Geldmengenwachstum mit der Ausweitung der Notenbankgeldmenge, so erkennt man einen zentralen Vorteil von Gold: seine relative Knappheit!

Quelle: Incrementum

Des weiteren sind die CO2-Emissionen, die bei der Förderung und Verarbeitung entstehen, ein wichtiger Faktor beim Vergleich der Nachhaltigkeit verschiedener Metalle. Ein näherer Blick auf die CO2-Emissionen von Gold pro Werteinheit im Vergleich zu Kupfer, Aluminium, Stahl, Kohle, Zink und Blei hilft uns zu verstehen, wie gross der Vorteil von Gold von der Förderung bis zur Veredelung gegenüber diesen Metallen ist. Zudem fallen bei Goldrecyclingprozessen 90% weniger CO2-Emissionen an als bei der Goldförderung und etwa 25% des jährlichen Goldbedarfs werden allein durch Recycling gedeckt.

Quelle: Incrementum

Fiat-Währungen haben andererseits grosse Auswirkungen auf die Umwelt. Weltweit sind ungefähr 1,5 Billionen Münzen mit einem Gesamtgewicht von geschätzten 5,25 Millionen Tonnen im Umlauf, die im Wesentlichen aus Nickel, Kupfer und Stahl bestehen. Dazu kommen mehr als 200 Milliarden Banknoten, die regelmässig neu gedruckt werden müssen und deren Anzahl bekanntlich beständig steigt.

Die Umweltschäden, die solche enormen Mengen an Metall, Baumwolle, Wasser, Tinte und Polymeren laufend verursachen, sind enorm, speziell im Vergleich zu den 205'000 Tonnen Gold, die bisher gefördert wurden.

Daher stellt sich die mehr als berechtigte Frage, ob unser derzeitiges Fiat-Geldsystem als nachhaltig einzustufen ist – und das in zweifacher Weise: zum einen nachhaltig im Sinne der ökologischen Verträglichkeit, zum anderen nachhaltig im ökonomischen Sinn. Denn die vernachlässigbaren Grenzkosten der Papiergeldproduktion ermuntern zu einer exzessiven Ausweitung der Geldmenge, die sowohl ökologische als auch ökonomische Verwerfungen nach sich zieht.

Portfolio-Allokation: die Auswirkungen eines Goldinvestments auf den CO2-Fussabdruck

Gold hat also einen erheblichen Vorteil gegenüber anderen Metallen und Rohstoffen. Bei der Berechnung der CO2-Emissionen eines Produkts wird der grösste Teil häufig «Scope 3»[1] zugeschrieben. Die Scope-3-Emissionen von Goldminenunternehmen sind jedoch nahezu vernachlässigbar, da ein Goldbarren nur sehr selten weiterverarbeitet wird. Darüber hinaus sind die Scope-1- und Scope-2-CO2-Emissionen pro produzierter Unze Gold bei grossen Betrieben extrem niedrig. Eine Erhöhung des Goldanteils im Portfolio eines Anlegers reduziert daher den CO2-Fussabdruck und die Emissionsintensität des Gesamtportfolios beträchtlich.

Quelle: Incrementum

Bei einem Portfolio, das zu 70% aus Aktien und zu 30% aus Anleihen besteht, konnte die Emissionsintensität durch eine 10%-Gold-Allokation um 7% reduziert werden. Ein Goldanteil von 20% reduziert die Emissionen um 17%, wie der World Gold Council in seinem lesenswerten Report «Gold and climate change – Decarbonising investment portfolios» berechnet hat.

Abhängig davon wie künftig die Emissionen berechnet werden, könnte physisches Gold eines Tages sogar das einzig nahezu vollkommen emissionsneutrale Asset sein. Bereits gefördertes Gold verursacht keine Emissionen, da diese ausschliesslich beim Abbau und der Raffination des Goldes entstehen. Auch der Besitz von physischem Gold verursacht keine Emissionen. Lediglich bei der Weiterverarbeitung von Gold zu Schmuck und der industriellen Nutzung von Gold wird ein klein wenig zusätzliches CO2 emittiert. Im Zeitverlauf wird physisches Gold die Emissionsintensität eines Portfolios folglich immer weiter reduzieren.

Eine nüchterne, seriöse Analyse zeigt: Gold ist nachhaltig!

Bei näherem Hinsehen zeigt sich also, dass Gold entgegen einer Vielzahl an medialen Berichten und Vorurteilen schon heute als sehr nachhaltiges Investment im Sinne der ESG-Richtlinien einzustufen ist. Das liegt schlichtweg daran, dass Gold nur gebraucht, nicht aber verbraucht werden kann. Und die gesamte Branche unternimmt grosse Anstrengungen, die verbliebenen Makel zu beseitigen.

Abseits der Bedeutung von Gold für Anleger und die Industrie sollte aufgrund der unbestreitbaren Vorteile von Gold die Frage, ob das aktuelle Geldsystem durch eine stärkere Einbindung von Gold nachhaltiger gestaltet werden kann, vermehrt in den Mittelpunkt rücken; dies nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Nachhaltigkeitserwägungen.

[1] Scope 1 sind jene klimaschädlichen Emissionen, die im eigenen Unternehmen freigesetzt werden, Scope 2 jene, die durch die Energielieferanten des Unternehmens verursacht werden, und schließlich Scope 3 jene, die in der vor- und nachgelagerten Lieferkette anfallen.

Ronald-Peter Stöferle

Ronald-Peter «Ronnie» Stöferle ist Partner von Incrementum und zuständig für Research und Portfoliomanagement. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und Finance in den USA und an der Wirtschaftsuniversität Wien. Nach seinem Abschluss arbeitete er bei der Erste Group im Research, wo er 2007 erstmals den «In Gold We Trust»-Report publizierte. Seit 2013 ist er Lektor am Scholarium in Wien sowie Vortragender an der Wiener Börse Akademie. 2014 hat er das Buch «Österreichische Schule für Anleger» und 2019 das Buch «Die Nullzinsfalle» veröffentlicht. Er ist verheiratet und stolzer Vater dreier Töchter.
Ronald-Peter «Ronnie» Stöferle ist Partner von Incrementum und zuständig für Research und Portfoliomanagement. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und Finance in den USA und an der Wirtschaftsuniversität Wien. Nach seinem Abschluss arbeitete er bei der Erste Group im Research, wo er 2007 erstmals den «In Gold We Trust»-Report publizierte. Seit 2013 ist er Lektor am Scholarium in Wien sowie Vortragender an der Wiener Börse Akademie. 2014 hat er das Buch «Österreichische Schule für Anleger» und 2019 das Buch «Die Nullzinsfalle» veröffentlicht. Er ist verheiratet und stolzer Vater dreier Töchter.