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Die vier Grundregeln für erfolgreiches Investieren

Die ausgeprägten Stimmungsschwankungen an den Börsen eröffnen attraktive Gelegenheiten zum Einstieg. Doch wie wählt man Engagements in Aktien am besten aus? Wer diese vier Schlüsselfaktoren berücksichtigt, hat langfristig gute Chancen auf hohe Gewinne.

Kevin Duffy
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Investieren hat viel mit einem Spiel gemeinsam: Es gibt Regeln und ein Ziel – nämlich, seine hart verdienten Ersparnisse gewinnbringend einzusetzen und dabei gut schlafen zu können.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind zwei Faktoren entscheidend: Eine umsichtige Auswahl von Investments und eine ausgewogene Konstruktion des Portfolios. Auf welche Kriterien soll man bei der Auswahl von Aktien also am besten achten?

Eine gute Orientierung dafür bieten diese vier Grundregeln:

  1. Sicherheitspolster
  2. Eigentümer führen das Geschäft
  3. Die Masse meiden
  4. Trends

Doch was heisst das konkret? Um das zu beantworten, stelle ich die vier Grundregeln nun im Detail vor.

1. Sicherheitspolster

Als erstes muss man sich die Frage stellen: Was passiert, wenn ich mich irre? Beispiele dafür sind ein unglückliches Timing mit einem Investment oder eine generelle Fehleinschätzung der Aussichten eines Unternehmens.

Als Absicherung ist deshalb wichtig, dass eine Firma über einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil oder einen «Burggraben» verfügt. Mit anderen Worten: die Unternehmen besitzen eine Fähigkeit oder Eigenschaft, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten.

Dazu zählt beispielsweise ein Produkt wie Unternehmenssoftware, das Kunden nicht leicht auswechseln können. Ähnliche Qualitäten sind ein erstklassiger Markenname, Grössenvorteile wie beim US-Discounter Costco Wholesale oder Netzwerkeffekte wie bei Facebook.

Eine kerngesunde Bilanz kann ebenfalls ein Sicherheitspolster gewährleisten. Das ist besonders dann von Vorteil, wenn ein Risiko von wechselnden Modetrends, technologischer Veraltung oder schwankungsanfälligen Rohstoffpreisen besteht.

Letztlich ist auch die Bewertung relevant. Den Preis, den man für ein Investment bezahlt, spielt für die Rendite eine massgebliche Rolle. Noch mehr kommt es jedoch darauf an, ein Unternehmen von hoher Qualität zu wählen.

2. Eigentümer führen das Geschäft

Vorteilhaft ist ebenso, zusammen mit den Eigentümern in ein Unternehmen zu investieren. Die Idee hinter dieser Regel basiert darauf, dass Anreize wichtig sind. Gewährleistet sind richte Anreize beispielsweise dann, wenn eine Firma von ihren Gründern geführt wird.

Diese haben damit «Skin in the game»: Ihr eigenes Geld und ihre Reputation stehen auf dem Spiel. Für ein Investment bedeutet das, dass die Interessen der Unternehmensleitung in die gleiche Richtung gehen wie die der Publikumsaktionäre.

Eigentümer konzentrieren sich darauf, über die Zeit stetig Mehrwert zu schaffen. Nicht interessiert sind sie hingegen an kurzfristigen Retuschen, die letztlich mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Eigentümer engagieren sich zudem oft auf lange Sicht, und streben danach, ein Vermögen für die nächste Generation aufzubauen.

Eine weitere Gruppe mit «Skin in the Game» sind Investoren mit einer hohen Beteiligung an einer Gesellschaft. Sie engagieren sich nicht nur oft in ähnlichen Aktien und halten diese über lange Zeit, sondern setzen in der Regel auch einen erheblichen Teil ihres Vermögens ein.

Im Gegensatz dazu nimmt die Modeerscheinung unter Portfoliomanagern zu, sich primär um die sogenannten «Stakeholder» zu kümmern. Diese halten aber keine Aktien, weshalb für sie nicht der gleiche Einsatz auf dem Spiel steht. Tendenzen solcher Art sind deshalb ein typisches Warnsignal.

3. Die Masse meiden

Wie in vielen Belangen des Lebens zahlt es sich auch beim Investieren aus, die Masse zu meiden. Es ist wie bei einer Party: Am Anfang hat es für alle ausreichend Platz, man kann sich frei bewegen und alle haben Spass.

Doch dann beginnt das Gedränge, und die Lage gerät ausser Kontrolle. Naturgemäss zieht das auch Leute von zweifelhaftem Charakter an. Ehe man sich versieht, ist die Musik betäubend laut, Möbel werden beschädigt, und einige Gäste konsumieren Drogen. Höchste Zeit also, sich zu verabschieden – bevor die Polizei aufkreuzt.

Manchmal kann es sich auch auszahlen, bewusst gegen die Masse zu wetten. Bei langfristigen Trends wiederum ist es entscheidend, der grossen Herde zuvorzukommen. An einem Massenauflauf teilzunehmen, führt aber praktisch immer ins Verderben.

4. Trends

Damit kommen wir zur letzten der vier Grundregeln: Trends. Entschuldigen Sie hier bitte den abgegriffenen Ausdruck. Es stimmt aber wirklich: «Trends are your friends.»

Erkennt man Trends richtig, hat man beim Investieren Rückenwind. Wettet man aber gegen sie, schwimmt man fortwährend gegen den Strom und muss sich ständig abmühen, um vorwärts zu kommen.

Grundsätzlich gibt es gute wie auch schlechte Trends. Zu ersteren zählen etwa die Revolutionen im digitalen Bereich sowie auf dem Gebiet der Gentechnologie. Zu letzteren gehören demgegenüber übermässige Eingriffe von Regierungen und Bestrebungen zur sozialen Gleichschaltung.

Demografische Trends schliesslich lassen sich nicht aufhalten. Ein Beispiel dafür ist die Tatsache, dass die Bevölkerungsschicht der über 65-Jährigen in den nächsten dreissig Jahren am schnellsten wachsen wird. Das gilt so gut wie fast überall auf der Welt.

Geduld zahlt sich aus

Zum Schluss noch ein Wort zum Anlagehorizont. In der Finanzwelt, bedeutet «langfristig» heute für die meisten Investoren drei bis fünf Jahre. Das ist jedoch viel zu kurz.

Dieser Ansicht ist auch der Autor und Investmentveteran Chris Mayer. In seinem Buch «100-Baggers» porträtiert er 365 Aktien, deren Wert sich auf das Hundertfache oder mehr erhöht hat. Sein Fazit: Der optimale Zeitraum für Engagements beträgt rund zehn Jahre.

In diesem Kontext erinnere ich mich gut, als mich ein Freund in den Jahren 2006/07 um einen Investment-Tipp fragte. Da ich mir damals Sorgen um eine Blase an den Kreditmärkten machte, empfahl ich ihm Aktien wie Costco und Genentech zu kaufen, die man ins Depot legen und dann vergessen kann.

Der Grund dafür ist, dass solche Valoren unvermeidliche Rezessionen und Bärenmärkte überstehen können und einem nicht den Schlaf rauben. Selbst wenn mein Freund Costco auf dem Hoch von 2007 gekauft hätte, wäre sein Investment inklusive Dividendenerträge bis heute auf das Sechsfache gestiegen.

Für Genentech ist die Performance etwas schwieriger zu berechnen, weil der Biotechkonzern im März 2009 für 46,8 Mrd. $ vollständig von Roche übernommen worden ist. Trotzdem: Für Aktionäre von Roche ist der Gesamtertrag ihres Investments seit dem Zusammenschluss auf mehr als das Vierfache gestiegen.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Erstausgabe des «Coffee Can Portfolio», einem neuen Investmentbulletin, das der Verfasser vor Kurzem lanciert hat. 

Kevin Duffy

Kevin Duffy ist Mitgründer von Bearing Asset Management. Die US-Investmentboutique konzentriert sich auf Makrotrends und führt zwei Hedge Funds, die auf Contrarian-Strategien spezialisiert sind. Duffy ist vor allem als Leerverkäufer bekannt. Beispielsweise sorgte er während der Finanzkrise mit Wetten gegen Aktien wie New Century Financial, Bear Stearns und Lehman Brothers für Aufmerksamkeit in der Branche. Bekannt ist er ebenso für seinen pointierten Blog Notable and Quotable. Bevor er mit seinem Geschäftspartner Bill Laggner 2002 Bearing lancierte, war er Mitgründer und Researchleiter der Investmentfirma Lighthouse Capital. Duffy lebt in der Umgebung von Philadelphia. Unter dem Titel «The Coffee Can Portfolio» hat er vor Kurzem zudem ein neues Investmentbulletin lanciert.
Kevin Duffy ist Mitgründer von Bearing Asset Management. Die US-Investmentboutique konzentriert sich auf Makrotrends und führt zwei Hedge Funds, die auf Contrarian-Strategien spezialisiert sind. Duffy ist vor allem als Leerverkäufer bekannt. Beispielsweise sorgte er während der Finanzkrise mit Wetten gegen Aktien wie New Century Financial, Bear Stearns und Lehman Brothers für Aufmerksamkeit in der Branche. Bekannt ist er ebenso für seinen pointierten Blog Notable and Quotable. Bevor er mit seinem Geschäftspartner Bill Laggner 2002 Bearing lancierte, war er Mitgründer und Researchleiter der Investmentfirma Lighthouse Capital. Duffy lebt in der Umgebung von Philadelphia. Unter dem Titel «The Coffee Can Portfolio» hat er vor Kurzem zudem ein neues Investmentbulletin lanciert.
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