Mister Market

Amerikanischer Value-Manager beweist gute Hand mit Swatch Group

Harris Associates, einer der profiliertesten Value-Manager der USA, hat im zweiten Quartal eine bis anhin nicht bekannte Position im Schweizer Uhrenkonzern aufgebaut.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Aktionäre von Swatch Group konnten diese Woche aufatmen. Der Uhrenkonzern publizierte am Mittwoch seine Zahlen zum ersten Semester – und schnitt etwas besser ab als befürchtet. Der Umsatz sank zwar um 4,4%, unter anderem wegen der Demonstrationen in Hongkong und weil Swatch Group vehement gegen Graumarkthändler vorging.

Der Betriebsgewinn (Ebit) sank ebenfalls, blieb jedoch deutlich über den Erwartungen der Analysten. CEO Nick Hayek stellte für die zweite Jahreshälfte wieder Wachstum in Aussicht und gelobte, die Ebit-Marge langfristig von aktuell 13,4% auf 19 bis 21% zu steigern.

Was mir persönlich besonders gefiel: Chief Controlling Officer Peter Steiger wurde in die Konzernleitung befördert – ein Zeichen, dass es Hayek endlich ernst meint mit der Kostenkontrolle.

Die Börse reagierte erfreut: Die Inhaberaktien von Swatch Group, seit Anfang Jahr bis vor kurzem das Schlusslicht im Swiss Market Index, haben sich innerhalb einer Woche um mehr als 12% verteuert.

Swatch Group: Die Wende?

Swatch Group Inh., in Fr., von Juli 2018 bis Juli 2019

Besondere Freude daran dürfte ein amerikanischer Value-Manager haben, der in der Schweiz bestens bekannt ist: David Herro von Harris Associates in Chicago. Wie dem aktuellen Quartalskommentar des von Herro geführten Oakmark International Fund zu entnehmen ist, hat der Fondsmanager im zweiten Quartal eine neue Position in Swatch Group aufgebaut. 

Der Anteil entspricht gemäss den Unterlagen von Oakmark 0,5% des gesamten Fondsvolumens von 33 Mrd. $. Das sind umgerechnet also rund 165 Mio. Fr. Im zweiten Quartal schwankte der Kurs der Swatch-Inhaberaktien zwischen 248 und 322 Fr. Je nach Einstandspreis hätte Herro demnach 510'000 bis 660'000 Swatch-Aktien erworben.

Damit kommt der Oakmark International Fund auf einen Anteil zwischen 1,6 und 2,1% an Swatch Group, was ihn nach aktuellem Wissensstand zu einem der fünf grössten Aktionäre des Konzerns macht. Da die erste meldepflichtige Schwelle erst bei 3% liegt, war das Engagement bis anhin nicht bekannt.

Andere namhafte Schweizer Aktienpositionen in den beiden von David Herro geführten Oakmark-Fonds sind die Valoren des Swatch-Konkurrenten Richemont sowie Credit Suisse, LafargeHolcim, Kühne+Nagel, Nestlé, Julius Bär, EFG International, Sulzer, Bucher Industries und Dormakaba.

Ende Juni hatte der Oakmark International Fund gemeldet, dass er bei LafargeHolcim und Kühne+Nagel unter die Schwelle von 3% gefallen ist. So wie es aussieht, ist Herro allerdings nicht ganz aus dem Zementkonzern und der Logistikgruppe ausgestiegen, sondern hat die Anteile offenbar nur leicht getrimmt. In den ausgewiesenen Positionen per Ende Juni werden sowohl LafargeHolcim als auch Kühne+Nagel noch aufgeführt. 

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli