Mister Market

Muss Aryzta die Prognose kappen?

Gerüchte besagen, dass es dem kriselnden Backwarenkonzern in der ersten Hälfte des aktuellen Geschäftsjahres schlechter gelaufen ist als gedacht.

Andreas Kälin

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Am 31. Januar endet die erste Hälfte des Geschäftsjahres von Aryzta – für das Management jeweils eine passende Zeit, um zu prüfen, ob sich seine Prognosen mit dem Geschäftsverlauf decken.

Gerüchteweise ist nun zu hören, dass der Backwarenhersteller in den ersten sechs Monaten der laufenden Geschäftsperiode schlechter abgeschnitten hat als intern erhofft. Das Management versuche, eine sogenannte Gewinnwarnung zu vermeiden.

Es hat für dieses Geschäftsjahr, das im kommenden Juli schliesst, verallgemeinernd ein Wachstum des bereinigten Betriebsgewinnes auf Stufe Ebitda in Aussicht gestellt. Diese eher vage Prognose wurde Ende November anlässlich des Erstquartalberichts bestätigt.

Immer wieder im Januar

In der Vergangenheit hatte Aryzta wiederholt gegen Ende Januar gewarnt, dass der Geschäftsverlauf bis dato unter den Erwartungen blieb – und die Prognosen reduziert.

So wie am 24. Januar 2017, als das vormalige Management um CEO Owen Killian erklärte, der bereinigte Gewinn je Aktie dürfte im Geschäftsjahr rund 20% fallen. Davor war ein in etwa stabiler Wert prognostiziert worden. Diese Gewinnwarnung war für das Management eine zuviel: CEO Killian musste kurz darauf gehen, zusammen mit dem Finanzchef und dem Nordamerikachef.

Der neue CEO Kevin Toland sah sich kurze Zeit nach seinem Amtsantritt im September 2017 ebenfalls zu einer Gewinnwarnung genötigt: Am 25. Januar 2018 warnte Aryzta, dass es die Prognose reduzieren müsse und nun für die Gesamtperiode von einem Rückgang des vergleichbaren und bereinigten Ebitda um rund 15% ausgehe. Davor war ein mehr oder weniger gehaltener Wert vorausgesagt worden.

Jener Warnung folgte bereits im Mai 2018 die nächste.

Absage löst Erstaunen aus

Spekulationen, dass zurzeit wieder etwas in der Luft liegen könnte, sind im Gefolge der Baader Helvea Swiss Equities Conference von Mitte Januar aufgekommen. Aryzta hatte die Teilnahme an diesem wichtigen Investorenanlass angekündigt – sagte aber zwei Tage vor Beginn ab. Das sorgte für Erstaunen, zumal die Begründung dafür, eine Terminkollision, nicht überzeugend ausfiel.

Der grösste Problemherd des seit Jahren in der Krise steckenden Backwarenkonzerns ist in Nordamerika zu orten.  In dieser Region hat Aryzta im ersten Quartal des Geschäftsjahres organisch 6,1% an Umsatz verloren. Auch für das zweite Quartal wurde ein Rückgang prognostiziert. Danach, so hat es das Management versprochen, sollte der Umsatz in Nordamerika wieder wachsen.

Führungswechsel irritiert

Mitte Januar hat Aryzta für die Problemregion wieder einen Managementwechsel angekündigt. Der 37-jährige Tyson Yu übernimmt auf Anfang Februar nun die Funktion als CEO von Nordamerika – was seitens von Unternehmenskennern auf Unverständnis stösst. Denn Yu hat als Chief Operations Officer (COO) bisher schon operative Verantwortung für die Region Nordamerika gehabt, ohne die Probleme lösen zu können.

Der nächste offizielle Berichtstermin von Aryzta ist der 10. März, an dem das Management das Resultat für die erste Hälfte des Geschäftsjahres bekanntgeben wird. Dann wird es auch mehr Klarheit über die Entwicklung im nordamerikanischen Raum geben.

Bewahrheiten sich die Gerüchte und muss Aryzta die Jahresprognose nach unten revidieren – sei es in diesen Tagen oder im März anlässlich der Halbjahrespräsentation – , würde das Vertrauen in das Management weiter beschädigt werden: Es wäre schon die vierte Gewinnwarnung respektive Prognosereduktion in der zweieinhalbjährigen Ägide von CEO Toland.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Andreas Kälin