Mister Market

Aufwind für LafargeHolcim

Mehrere Banken erhöhen ihr Kursziel für den Zementhersteller. Das Potenzial der Aktien ist noch nicht ausgereizt. In der kurzen Frist könnte ein Optionskonstrukt des Grossaktionärs Thomas Schmidheiny aber den Kurs belasten.

Mark Dittli
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Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

LafargeHolcim zählt in meinen Augen momentan zu den spannendsten Blue Chips in der Schweiz. Die Tragweite des Umbaus, den CEO Jan Jenisch und Finanzchefin Géraldine Picaud mit dem Zementhersteller umsetzen, wurde an der Börse lange Zeit unterschätzt.

Doch nun kommt Bewegung in die Titel. Seit dem 8. Oktober hat der Aktienkurs von LafargeHolcim im Zuge der generellen Belebung der zyklischen Sektoren an der Börse gut 15% gewonnen. Mehrere Banken – JPMorgan, Citi, Vontobel – haben in den vergangenen Tagen ihr Kursziel auf 62 bis 63 Fr. erhöht.

LafargeHolcim nähern sich dem Jahreshoch

LafargeHolcim Na., in Fr., von Dezember 2018 bis Dezember 2019

Heute Montag schwenkte eine weitere Bank um: Barclays stuft LafargeHolcim auf «Übergewichten» hoch und setzt ein Kursziel von 61 Fr. Der Analyst würdigt die deutlichen Fortschritte, die das Management in der Erhöhung der Bilanzqualität erreicht hat.

Portfoliobereinigung nicht abgeschlossen

Zur Erinnerung der «Investment Case» von LafargeHolcim kurz zusammengefasst:

  • Jenisch verringert die Kapitalintensität des Konzerns, indem er den Geschäftsmix graduell weg von Zement und hin zu Zuschlagstoffen, Transportbeton und Lösungen verlagert. Damit soll die Rendite auf dem investierten Kapital (Return on Invested Capital, ROIC) auf über 8% steigen.
  • Der CEO hat im oberen Management eine Hierarchiestufe eliminiert und den 35 Ländergesellschaften mehr Entscheidungskompetenz übertragen. Die Regionalbüros in Singapur, Miami, Paris und Zürich hat er geschlossen und die Administrativkosten um 400 Mio. Fr. gesenkt.
  • Durch den Verkauf der Aktivitäten in Südostasien zu einem sehr guten Preis werden die Nettoschulden des Konzerns auf deutlich unter 10 Mrd. Fr. gesenkt, was weniger als dem 1,6-fachen Ebitda entspricht.

Ich gehe davon aus, dass die Bereinigung des Portfolios noch nicht abgeschlossen ist. Jenisch macht keinen Hehl daraus, dass die Zementaktivitäten im Nahen Osten und in Afrika zur Disposition stehen.

Nach meiner Einschätzung zählen in dieser Region einzig die Aktivitäten in Algerien und Marokko (von dort könnten die Märkte in Südeuropa bedient werden) sowie Nigeria (wo LafargeHolcim die nötige kritische Grösse hat) auch weiterhin zum Kerngeschäft. Alle anderen Länder in Afrika und Nahost stehen zum Verkauf – wobei freilich nicht die Bewertungen erreicht werden können, die Jenisch mit den Devestitionen in Indonesien, Malaysia und den Philippinen erzielt hat.

Interesse an der BASF-Sparte hat sich abgekühlt

Während Monaten kursierte das Gerücht, LafargeHolcim sei an einer Übernahme der zum Verkauf stehenden Bauchemiesparte von BASF interessiert. Das hat den Aktienkurs zeitweise belastet, weil befürchtet wurde, Jenisch könnte zu viel für das Geschäft bezahlen.

Diese Befürchtung hat sich nun verflüchtigt. Wie ich aus dem Umfeld von LafargeHolcim höre, hat sich das Interesse an der BASF-Sparte stark abgekühlt. Dies einerseits aus Bewertungsgründen, vor allem aber, weil sich die Abspaltung (Carve-out) der Bauchemie-Aktivitäten aus dem BASF-Konzern als äusserst kompliziert gestaltet. Das hat zur Folge, dass BASF momentan gute Leute und Geschäftsopportunitäten an Konkurrenten wie Sika verliert. Dieses Problem wird sich Jenisch nicht aufhalsen wollen.

Alles in allem gilt die Einschätzung also weiterhin: LafargeHolcim bietet Investoren eine attraktive Perspektive. Die Furcht vor einer zu teuren Akquisition der BASF-Tochter war unbegründet. Die Aktien sind nicht teuer, und die Dividendenrendite ist mit 3,8% attraktiv.

Optionen von Schmidheiny werden ausgelöst

Allerdings könnte der Aktienkurs in den kommenden Wochen Mühe bekunden, die Schwelle von 53 Fr. zu passieren. Der Grund liegt in einem Optionskonstrukt, das der Grossaktionär Thomas Schmidheiny aufgesetzt hat, um seinen Anteil an LafargeHolcim zu verringern: Am 16. Dezember, am 18., am 20. sowie am 27. Dezember verfallen jeweils europäische Call-Optionen (das heisst, sie können nur an diesen Daten ausgeübt werden), die es dem Käufer erlauben, jeweils 308'904 Aktien von Schmidheiny zu einem Preis von 53 Fr. zu erwerben.

Die Gegenpartei dieser Optionstransaktion von Schmidheiny ist Goldman Sachs. Da nicht bekannt ist, wie die Investmentbank diese Position abgesichert hat und an wen Goldman die erworbenen LafargeHolcim-Titel weiterreicht, kann nicht eruiert werden, ob diese Aktien in langfristig orientierte Hände kommen oder rasch wieder auf den Markt fliegen. 

Kurzfristig könnte sich aber ein Angebotsüberhang bilden, der den Aktienkurs unter Druck setzt.

Die nächste Tranche von zehn mal 308'904 Aktien der Schmidheiny-Optionen läuft dann übrigens zwischen Ende Mai und Ende Juni zu einem Ausübungspreis von 56 Fr. aus, gefolgt von einer weiteren Tranche im selben Umfang im Dezember 2020 zu einem Ausübungspreis von 60 Fr. je Aktie.

Mein Rat: Kaufen. Und erst recht in Schwächephasen.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli