Mr Market

Bachem setzt Höhenflug fort

Der Auftragsfertiger für die Pharmaindustrie wächst rasant. Er ist ein Paradebeispiel für hohe, aber sehr teure Qualität. Die Aktie gehört auf die Beobachtungsliste.

Michael Griesdorf
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Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Bachem ist an Tempo derzeit kaum zu überbieten. Der Auftragsfertiger für die Pharmaindustrie hat im ersten Halbjahr den Umsatz in Lokalwährungen um 39,5% auf 239 Mio. Fr. gesteigert. Dabei spielte im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen, die aktuell zweistellige Wachstumsraten präsentieren, nicht einmal der Basiseffekt von stark sinkenden Verkäufen im ersten Halbjahr 2020 infolge der Pandemie eine Rolle. Bereits in den ersten sechs Monaten des letzten Jahres hatte Bachem den Erlös nämlich um 35,8% gesteigert.

Es erstaunt nicht, dass solch hohe Wachstumsraten nebst einem positiven Produktemix und weiteren Effizienzsteigerungen auch einen positiven Einfluss auf die Profitabilität haben. So nahm der operative Gewinn (Ebit) überproportional zum Umsatz um 66,6% auf 61,9 Mio. Fr. zu, wodurch eine rund 3,2 Prozentpunkte höhere Gewinnmarge von 25,9% resultierte.

Umsatzschwelle von 500 Mio. Fr. bereits 2021 erreichbar

Für das Gesamtjahr rechnet Bachem dank dem starken ersten Halbjahr nun mit einem Umsatz von 500 Mio. Fr. Bisher hatte die Gesellschaft dieses Niveau erst für 2022 in Aussicht gestellt. Gleichzeitig soll der Erlös in den nächsten fünf Jahren im Durchschnitt jährlich rund 15% steigen und der Ebit in der Zeitperiode über dieser Rate zulegen.

Rechnet man das Umsatzziel in nominale Werte um, würde Bachem so bis 2026 den Erlös auf knapp über 1 Mrd. Fr. erneut verdoppeln: 2016 lag der Jahresumsatz noch bei gut 230 Mio. Fr.

Einziger Wermutstropfen an der Sache: Das hohe Wachstum kommt nicht gratis. Bis 2026 will Bachem kumuliert mehr als 500 Mio. Fr. in zusätzliche Kapazitäten investieren. Jeder Franken Umsatz kostet demzufolge einen Franken an Kapitalausgaben. Da Bachem den operativen Gewinn jedoch überproportional zum Umsatz steigern will, dürfte die Rendite auf das investierte Kapital (Return on Invested Capital, ROIC) in den kommenden Jahren dennoch steigen. Nach Berechnungen von The Market betrug sie per Ende 2020 bereits vergleichsweise hohe 17%.

Für mich zählt Bachem punkto Qualität auf jeden Fall klar zur obersten Liga der kotierten Schweizer Unternehmen.

Hohe Qualität zu teurem Preis

Das Unternehmen ist Marktführer im Bereich der Auftragsfertigung von Peptiden und ist nun dabei, auch eine führende Position im Geschäft mit Oligonukleotiden aufzubauen. Beide Bereiche sind durch Markteintrittsbarrieren geschützt und profitieren wohl noch einige Zeit von strukturellen Wachstumstrends.

Grosse Pharmakonzerne lagern ihre Wirkstoffproduktion zunehmend aus. Zudem entwickeln immer mehr kleine Biotechunternehmen, die sich eigene Fabriken nicht leisten können, erfolgreich zulassungsreife Medikamente. Hinzu kommt der generell steigende Bedarf nach Peptiden und Oligonukleotiden, weil die zwei Wirkstoffgattungen vorteilhafte Attribute aufweisen.

Die Bilanz von Bachem ist überdies grundsolide: Die Eigenkapitalquote betrug per 30. Juni 63%. Die von den Analysten per Ende Jahr geschätzte Nettoverschuldung beträgt etwas weniger als der für 2021 geschätzte operative Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda).

Das gäbe Spielraum für Übernahmen im lukrativen Bereich der Oligonukleotiden, wo Bachem wachsen will, bisher aber keine akquirierbaren Objekte gefunden hat. Bis in zwei oder drei Jahren soll der Umsatz in diesem Bereich rund 100 Mio. Fr. betragen. Wie hoch er aktuell ist, will die Gesellschaft nicht offenlegen.

CEO Thomas Meier ist zwar erst seit Januar 2020 Geschäftsführer. Insgesamt arbeitet er jedoch bereits mehr als zwölf Jahre im Unternehmen, zuletzt als Chief Operating Officer. Bachem gilt von der eigenen Philosophie her zudem als Gesellschaft, die ihre Wachstums- und Margenziele vorsichtig kommuniziert. Das lässt in der Regel Raum für positive Überraschungen.

All diese Vorteile blieben in den vergangenen rund eineinhalb Jahren aber nicht unentdeckt. Die Titel von Bachem handeln heute zu einem Verhältnis von Unternehmenswert zu geschätztem Ebitda für die nächsten zwölf Monate von 54, was mir zu hoch ist. Allfällige Kursrückschläge sollten aber für einen Kauf genutzt werden.

Freundlich grüsst im Namen von Mr Market

Michael Griesdorf