Mister Market

Bei Ascom ist keine schnelle Lösung in Sicht

Die neue Führungsstruktur ist ein Zeichen dafür, dass keine Aussicht auf einen Deal besteht. Der Kommunikationsspezialist für den Spitalbereich muss die Marktentwicklung weiter im Alleingang vorantreiben. 

Ruedi Keller

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Ascom klärt die Führungsstruktur: Jeannine Pilloud, die nach dem Abgang des langjährigen, aber erfolglosen CEO Holger Cordes als Verwaltungsratspräsidentin zusätzlich die operative Führung übernahm, beendet ihr Doppelmandat. Pilloud wurde per heute zur permanenten CEO von Ascom ernannt. Aus dem Verwaltungsrat scheidet sie mit sofortiger Wirkung aus.

Auf den Präsidentenposten rückt Valentin Chapero nach. Chapero ist Mitgründer des Ascom-Grossaktionärs Veraison. Aus seinen dortigen operativen Aufgaben zieht er sich zurück und will sich auch an der Generalversammlung 2020 zur Wiederwahl in den Ascom-VR stellen.

Die Klärung der Führungsstruktur dürfte etwas Ruhe in die auf Informations- und Kommunikationstechnologie im Healthcare-Bereich ausgerichtete Ascom bringen. Sie zeigt aber vor allem auch: Schnelle Lösungen sind nicht zu erwarten.

Ascom

in Fr.
Ascom
SPI ohne Dividenden (angeglichen)

Übrig bleibt der Alleingang 

Grund für die interimistische Doppellösung von Pilloud – als VRP und gleichzeitige CEO – war die nach dem Abgang von Cordes eingeleitete strategische Überprüfung, bei der alle Optionen ausgelotet wurden, darunter auch ein Verkauf. Gemäss meinen Informationen stützte sich Ascom in diesem Prozess auf die Expertise der Investmentbank Rothschild & Co.

Ein strategischer Befreiungsschlag in Form einer Partnerschaft oder Fusion ist offensichtlich jedoch nicht geglückt. Die heute angekündigte Neuorganisation der Führungsstruktur deutet im Gegenteil darauf hin, dass Ascom nicht mehr damit rechnet, in absehbarer Zeit einen erfolgversprechenden Deal schmieden zu können – dies, obwohl in der noch jungen Branche im Rennen um Marktanteile vielerorts Zusammenschlüsse stattfinden.

Um sich mit Lösungen für die anspruchsvolle und sicherheitsrelevante Kommunikation in Spitälern durchzusetzen, ist ein möglichst umfassender und direkter Zugang zu Spitalbetreibern vorteilhaft. Als alleinstehendes Unternehmen hast Ascom trotz überzeugender Technologie hier bislang deutliche Schwächen offenbart.

Vertrieb bleibt die grosse Knacknuss

Ohne starke Partner an der Seite wird Ascom die Marktentwicklung nun wie bislang selber vorantreiben müssen. Was einerseits zeitintensiver ist und andererseits die Gefahr birgt, von Wettbewerbern verdrängt zu werden, insbesondere bei Grossprojekten.

Gerade solche Vorzeigeprojekte braucht das Unternehmen jedoch, um die Verlässlichkeit ihrer Technologie beweisen zu können und um darauf aufbauend Folgeaufträge zu generieren. Zudem sichert jede installierte Basis künftig wiederkehrenden Umsatz. Ohne diesen bleibt Ascom jedes Jahr von neuem im unberechenbaren Projektgeschäft gefangen – ein Teufelskreis, der mit grossen Anstrengungen verbunden ist, die weitere Ergebnisenttäuschungen aber trotzdem nicht werden verhindern können.

Als Hoffnung bleibt einzig, dass das neue Führungsgespann die in Ascom schlummernden Werte zielstrebiger wird heben können, als dies Vorgänger Cordes gelang. Vor allem jedoch, dass es ihnen gelingt, die Erwartungen vernünftig zu steuern. Die in der Vergangenheit oft überschwänglich geweckten Hoffnungen – und die dann regelmässig eingetroffenen herben Enttäuschungen – haben das Vertrauen in Ascom zerstört.

Jetzt muss erst neues Vertrauen aufgebaut werden – und die Umsatzentwicklung in die richtige Richtung gelenkt werden.

Das mittelfristige Ziel einer Margenverdoppelung auf 20% hält auch das neue Management weiterhin für erreichbar. Ohne Aussicht auf eine strategische Transaktion dürfte es jedoch Jahre brauchen, bis sich dieses Potenzial wieder im Aktienkurs niederschlagen wird.

Der Anreiz, auf dem Weg dahin doch noch in einen Deal einzuschlagen, bleibt somit bestehen. Die Mandatierung von Rothschild als strategischem Berater jedenfalls läuft auch nach Klärung der Führungsstruktur weiter. 

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Ruedi Keller