Mister Market

Cembra kauft Wachstum

Beim Kreditinstitut sammelt sich periodisch Überschusskapital an. Statt eine Sonderdividende auszuschütten, steckt das Management 277 Mio. Fr. in einen Zukauf.

Ruedi Keller

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Letzte Woche haben wir auf The Market Cembra ins Visier genommen: Am Montag mit CEO Robert Oudmayer im Interview. Am Freitag die Analyse, in der wir der Frage nachgegangen sind, wie lange die hohen Dividenden noch fliessen werden.

Heute hat Cembra die grösste Akquisition ihrer Geschichte bekannt gegeben. Das Kreditinstitut übernimmt für 277 Mio. Fr. Cashgate des Konkurrenten Aduno.

Welche Implikationen hat dies auf die Analyse von letzter Woche?

In der Analyse hatte ich auf die organischen Wachstumstreiber fokussiert und aufgezeigt, wie sich beim Kreditinstitut periodisch Überschusskapital akkumuliert – Fazit: Das zu erwartende Wachstum spricht für weiter steigende Dividenden. Sollte der Lauf nachlassen und akquisitorisches Wachstum ausbleiben, wird Überschusskapital frei, das ebenfalls für Ausschüttungen zur Verfügung steht.

Gewinnpotenzial übersteigt die Verwässerung

Jetzt ist der akquisitorische Schritt da. Die Anlageperspektive stimmt weiterhin, auch wenn sich mit der Übernahme die Gewichte etwas verschieben.

Mit der Akquisition steigert Cembra das Gewinnpotenzial, ab 2021 sollen Synergien jährlich einen Zusatzüberschuss von 25 bis 30 Mio. Fr. liefern, 15% mehr Gewinn, als bislang in Aussicht stand. Die angestrebte Steigerung ist rund drei Mal höher als der verwässernde Effekt der Übernahme auf Stufe Gewinn je Aktie. Zur Finanzierung will Cembra einen Teil der 6% im Eigenbesitz gehaltenen Aktien ins Publikum ausgeben.

Für das laufende Jahr dämpft die Verwässerung jedoch den in Aussicht stehenden Gewinn je Aktie leicht: Statt der zuvor prognostizierten Gewinnspanne von 5.40 bis 5.70 Fr. je Aktie sollen es nun zwischen 5.30 und 5.50 werden. Dennoch soll die Dividende mindestens auf dem Vorjahreswert von 3.75 Fr. gehalten werden.

Weiterhin steigende Dividenden in Aussicht

Bei der bestätigten Ausschüttungsquote von 60 bis 70% verspricht die Übernahme von Cashgate ab 2020 wieder steigende Dividenden. Angesichts des konservativen Geschäftsmodells, und da die Ausschüttungen vom Gewinnwachstum gespeist werden, sollte dieses höhere Niveau über Jahre gehalten werden können.

Die Hoffnung, in den nächsten Jahren zusätzlich zu ordentlichen Dividenden noch Sonderausschüttungen zu erhalten, ist zwar vorerst vorbei. Doch Cembra nutzt die Gelegenheit der Übernahme zu einer kleinen Zielanpassung. Künftig will das Management mit einer Tier-1-Quote von mindestens 17% operieren. Ab einer Quote von 19% soll überschüssiges Kapital an die Aktionäre fliessen. Zuvor lagen diese Werte je einen Prozentpunkt tiefer.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Ruedi Keller