Mr Market

Credit Suisse bereitet Investoren auf Verluste in den Greensill-Fonds vor

Der Kollaps von Greensill Capital hat bei der Grossbank weitere personelle Konsequenzen. Zudem gesteht sie erstmals Bewertungs-, Reputations- und rechtliche Risiken ein.

Mark Dittli
Drucken

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Für die Credit Suisse wird der Kollaps von Greensill Capital immer ungemütlicher. Heute gab die Grossbank als Folge des Skandals, in den mehrere ihrer Fonds mit einem Anlagevermögen von rund 10 Mrd. $ involviert sind, weitere personelle Konsequenzen bekannt: Der vormalige UBS-Manager Ulrich Körner übernimmt die Einheit Credit Suisse Asset Management, die aus der Division International Wealth Management herausgelöst und neu als separate Division geführt wird. Körner wird direkt CEO Thomas Gottstein unterstellt sein. Der bisherige Leiter des Asset Management, Eric Varvel, wendet sich «anderen Aufgaben» zu.

Im ebenfalls heute publizierten Geschäftsbericht bereitet die Bank ihre Investoren zudem bereits auf mögliche Verluste im Zusammenhang mit den von Greensill gefütterten Supply Chain Finance Funds vor.

Unter dem Titel «Other Information» auf Seite 69 des Geschäftsberichts schreibt die Bank, dass in den vier betroffenen Fonds weiterhin erhebliche Bewertungsrisiken bestünden. Von den 10 Mrd. $ seien bis anhin 3,1 Mrd. $ an die Investoren ausbezahlt worden, aber knapp 7 Mrd. $ bleiben blockiert.

Die Credit Suisse gesteht dabei zum ersten Mal offiziell ein, dass in den Fonds nicht nur verbriefte existierende Zahlungsausstände («existing receivables») liegen, sondern auch Kredite enthalten sind, die auf künftig erwarteten Rechnungen («future receivables») basieren.

Die Bank arbeite mit dem Insolvenzverwalter von Greensill, Grant Thornton, zusammen, um den Wert der verbleibenden Assets in den Fonds zu ergründen. Allerdings bestünde für einen «signifikanten Teil» dieser Anlagen eine beträchtliche Ungewissheit bezüglich ihrer Werthaltigkeit. Die Bank sei auch bereits informiert worden, dass nicht alle Ausstände bezahlt würden («the portfolio manager has been informed that certain of the notes underlying the funds will not be repaid when they fall due»).

Ferner schreibt die Bank in ihrem Geschäftsbericht, dass bestimmte Investoren im Zusammenhang mit den Supply Chain Finance Funds bereits Klagen gegen die Credit Suisse angedroht hätten. Mehrere Regulierungsbehörden, darunter die Schweizerische Finanzmarktaufsicht Finma, hätten in der Sache Untersuchungen eingeleitet.

Aus all diesen Gründen sei anzunehmen, dass die Credit Suisse Verluste im Zusammenhang mit den Greensill-Fonds erleiden werde («we would note that it is reasonably possible that Credit Suisse will incur a loss in respect of these matters»), deren Höhe zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch nicht beziffert werden könne. Insgesamt könnten die Kosten aber «materiell» sein.

Zudem sei ein Reputationsverlust möglich, und Kunden könnten Kapital abziehen («we might also suffer reputational harm associated with these matters that might cause client departures or loss of assets under management»).

Als Reaktion auf den Skandal hat die Bank bei einigen der involvierten Manager die Bonizahlungen für 2020 sistiert und sich das Recht vorbehalten, vergangene Boni zurückzuf0rdern («clawback»).

Freundlich grüsst im Namen von Mr Market

Mark Dittli