Mr Market

Dätwyler liefert weiteren Qualitätsbeweis

Der Hersteller von Dichtungslösungen profitiert weiterhin von der Pandemie und überrascht mit guten Halbjahreszahlen. Beides ist die Folge der hohen Qualität des Unternehmens.

Michael Griesdorf
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Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Dätwyler ist auf Wachstumskurs. Der Hersteller von Dichtungslösungen hat im ersten Halbjahr den Umsatz aus dem fortgeführten Geschäft im Vergleich zur Vorjahresperiode um 20,8% auf 590 Mio. Fr. gesteigert.

Zwar lag der Erlös wegen der Einschränkungen der Pandemie im letzten Jahr tiefer als gewöhnlich. Ein gewisser Basiseffekt ist in den Wachstumsraten also enthalten. Allerdings stieg der Umsatz auch im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 noch um rund 8%.

Beim operativen Gewinn auf Stufe Ebit resultierte im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Plus von 53,3% auf 98,9 Mio. Fr. Gegenüber 2019 betrug die Zunahme 7,4%. Daraus ergibt sich eine Betriebsgewinnmarge von 16,8%, was in etwa auf dem Niveau von vor der Krise im 2019 liegt.

Erwartungen übertroffen

Mit den Zahlen hat die Gesellschaft die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Auch zeigt sich einmal mehr, dass Dätwyler mit ihren Produkten während der Krise zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Im Bereich Healthcare Solutions, in dem die Gesellschaft Stopfen für Medikamentenfläschchen produziert (Umsatzanteil im ersten Halbjahr 2021 rund 40%), konnte sie diverse führende Impfstoffhersteller in der Bereitstellung von Covid-19-Vakzinen unterstützen. So belieferte sie unter anderem BioNtech und das Serum Institute of India.

Auch in der Sparte Industrial Solutions (Umsatzanteil 42%) ist Dätwyler in einigen Bereichen weiterhin auf der Erfolgsspur. So beschleunigte sich im Subsegment Food & Beverage das Umsatzwachstum dank einem neuen Vertrag mit Nestlé für Dichtungsringe bei Nespressokapseln. Seit der Pandemie erfreuen sich diese einer noch grösseren Nachfrage als bis anhin schon. Ausserdem expandiert Nestlé im Kaffeebereich unermüdlich. Hinzu kommt, dass Dätwyler bei Food & Beverage weitere Kunden gewinnen konnte.

All das lindert das nach wie vor schwierige Umfeld bei den Kunden aus der Automobilindustrie, die wegen der allgemeinen Verknappung von IT-Komponenten weiterhin nicht im gleichen Umfang Produkte bei Dätwyler bestellen wie vor der Krise. Im Vergleich zu 2019 liegt dort der Erlös rund 10% tiefer.

In der dritten Sparte Reichelt (Anteil 18%) schliesslich profitiert Dätwyler als Online-Distributor von elektronischen Geräten weiterhin von der allgemein erhöhten Nachfrage und dem durch die Pandemie generell beschleunigten Trend zum Online-Einkauf.

Das gute Abschneiden im ersten Halbjahr hat Dätwyler denn auch dazu bewogen, das Jahresziel deutlich zu erhöhen. So rechnet die Gesellschaft neu mit einem Umsatz von über 1,15 Mrd. Fr. und einer Ebit-Marge von 16%. Bisher ging sie von einem Erlös von mehr als 1,1 Mrd. und einer Profitabilität von 15% aus.

Jüngste Zahlen verdeutlichen Qualität des Unternehmens

Dass es Qualitätsunternehmen immer wieder schaffen, positiv zu überraschen, ist einer der Gr¨ünde, warum sie auf die lange Sicht am Aktienmarkt besser abschneiden. Auch gehen solche Gesellschaften in der Regel gestärkt aus Krisen hervor, während schwache Unternehmen noch schwächer werden.

Die jüngsten Zahlen sind zweifellos ein weiterer Beweis dafür, dass Dätwyler zum Kreis dieser Qualitätsunternehmen gehört. Die Gesellschaft ist erstens marktführend im Bereich von Dichtungslösungen und dort zum Grossteil in Segmenten tätig, die von der Pandemie profitieren.

Zweitens verfügt Dätwyler über eine astreine Bilanz, die es ihr erlaubt, auch in schwierigen Zeiten zu investieren, um weiterhin mit dem Markt wachsen zu können. Abzüglich Bargeld ist sie praktisch schuldenfrei. Dabei profitiert Dätwyler vor allem im Bereich Healthcare Solutions dank immer zahlreicheren flüssigen Medikamenten von strukturellem Wachstum jenseits von Covid-19.

Drittens wird die Gesellschaft vom Management gut und umsichtig geführt. Verwaltungsratspräsident Paul Hälg, der nach zwölf Jahren als CEO seit Anfang 2017 im Amt ist, hat einen langjährigen Leistungsausweis sowohl bei Dätwyler als auch beim Bauchemiekonzern Sika, wo er seit 2012 ebenfalls VR-Präsident ist. CEO Dirk Lambrecht macht seine Arbeit seit seinem Amtsantritt Anfang 2017 ebenfalls sehr professionell.

Der einzige Wermutstropfen von Dätwyler ist die gegenwärtige Bewertung der Titel. Der Aktienkurs hat sich gegenüber dem Niveau vor Ausbruch der Pandemie verdoppelt. Das Verhältnis von Unternehmenswert zu geschätztem operativem Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) für die nächsten zwölf Monate beträgt gegenwärtig vergleichsweise hohe 20.

Kursrückschläge sollten jedoch auf jeden Fall für den Einstieg genutzt werden. Kaufen und liegenlassen, lautet meine grundsätzliche Empfehlung.

Freundlich grüsst im Namen von Mr Market

Michael Griesdorf

Dätwyler I. in Fr.