Mister Market

Der Widerstand der Alpiq-Minderheitsaktionäre wächst

Der Aktivist Knight Vinke ist schon da – und will seine Position ausbauen. Jetzt hat sich ein weiterer Fonds mit 3% in Alpiq eingenistet. Es riecht nach Klagen.

Ruedi Keller

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Sie kennen meine Einschätzung: Beim laufenden Übernahmeangebot für Alpiq werden die Minderheitsaktionäre zu einem jämmerlichen Preis ausgekauft.

Diese Meinung teilen offensichtlich auch die wenigen noch verbleibenden Publikumsaktionäre. Heute hat das Konsortium um die CSA Energie-Infrastruktur Schweiz, eine von Credit Suisse Energy Infrastructure Partners verwaltete Anlagegesellschaft, das Zwischenergebnis ihres öffentlichen Übernahmeangebots zu 70 Fr. je Aktie publiziert: Gerade mal 222'359 Aktien sind angedient worden. Das entspricht 0,8% des Aktienkapitals.

Das Konsortium um CSA war mit einem Stimmenanteil von 88,42% in die Übernahme gegangen. Nun hält es 89,22%.

Etappenziel verfehlt

Dies ist knapp unter der Schwelle von 90%, ab der eine Barabfindung im Rahmen einer Fusion («Squeeze-out by Merger») möglich wird. Dass das Konsortium diese Schwelle noch nehmen wird, daran besteht kaum Zweifel – auch wenn sich der Alpiq-Kurs beständig über 70 Fr. hält, was verhindert, dass das Konsortium Aktien im Markt zukauft.

In einer Barabfindungsfusion würden die verbleibenden Aktionäre in der Regel zum selben Preis abgespeist, der während des Übernahmegebots gilt, in diesem Fall 70 Fr. je Aktie. Sich dagegen vor Gericht zu wehren ist zwar möglich, aber aufwendig und teuer.

Neuer Spezialist in Stellung

Dennoch müssen die Bieter dieses Szenario nun fürchten: Mit Knight Vinke hat bereits im August ein kampferprobter Aktionär öffentlich Widerstand gegen den angedrohten «Squeeze-out» angemeldet. Nach eigenen Angaben hält der Aktivist 1,3% aller Alpiq-Aktien.

Heute hat sich ein weiterer US-Aktionär mit einer noch grösseren Beteiligung in Stellung gebracht: Merion Capital hält gemäss einer Pflichtmitteilung der Schweizer Börse mit 850’00 Alpiq-Aktien eine Stimmkraft von 3,049%.

Der vom Anwalt Andrew Barroway gegründete Hedge Fund ist darauf spezialisiert, im Rahmen von Übernahmeangeboten zu klagen und nach Abschluss einer Transaktion gerichtlich einen höheren Preis zu erstreiten. 

Die drei Fonds, über die Merion Alpiq-Aktien gekauft hat, verwalten rund 850 Mio. $. 

Wie mir meine Freunde im Kapitalmarkt anvertrauen, steht Knight Vinke bereits seit längerem mit Merion in Kontakt, ebenso mit Schweizer Investoren. Zudem plane Vinke, seine Position weiter auszubauen.

Ziel der widerständischen Aktionäre ist, statt sich aus Alpiq vertreiben zu lassen, am absehbaren Aufschwung zu partizipieren.

Fairer Wert bei rund 100 Fr. bis 120 Fr. je Alpiq-Aktie

Die Minderheitsaktionäre glauben, dass der faire Wert der Alpiq-Aktie deutlich über dem gebotenen Preis liegt – je nach Szenario zwischen rund 100 und 120 Fr.

Entsprechend prangert Knight Vinke die «Fairness Opinion» an, die PwC im Auftrag von Alpiq zum Übernahmepreis von 70 Fr. erstellt hat. Sie taxiert diesen als «fair und angemessen».

In einem Gegengutachten, das Vinke in Auftrag gab und das sich gezwungenermassen auf öffentlich zugängliche Informationen stützt, werden PwC fachliche Fehler vorgehalten, insbesondere bei der Berechnung der Kapitalkosten, anhand derer der gegenwärtige Wert der Alpiq-Aktie ermittelt wird. Statt 5,7% wie von PwC eingesetzt, sieht das Gegengutachten den Diskontsatz eher bei 4%. Mathematische Konsequenz ist ein 50% bis 75% höherer Gegenwartswert.

Die involvierten Parteien werden ins Visier genommen

Hauptangriffspunkt dürfte jedoch ein anderer werden, und zwar einer, auf den ich Sie auch schon hingewiesen habe: Die Nähe von PwC zu Alpiq, die den Gutachter als wenig unabhängig erscheinen lässt.

Nicht nur hat der Studienverfasser, PwC-Partner Marc Schmidli, Alpiq mehrfach bei Deals beraten. Knight Vinke weist auch darauf hin, dass PwC zudem der Auditor der Muttergesellschaft von Bieter CSA ist.

Die Drohkulisse, die von den Minderheitsaktionären aufgezogen wird, zielt damit in zwei Richtungen: Erstens wird eine gerichtliche Anfechtung des geplanten «Squeeze-out by Merger» vorbereitet.

Zweitens stehen Klagen gegen die involvierten Parteien im Raum.

Da braut sich was zusammen.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Ruedi Keller