Mister Market

Das Quartalsergebnis der UBS schraubt die Erwartungen in die Höhe

Nachdem die Grossbank im ersten Halbjahr deutlich mehr Gewinn eingefahren hat als erwartet, müssen die Erwartungen an den Jahresgewinn nach oben revidiert werden.

Ruedi Keller

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Die UBS hat mit dem vorgelegten Zweitquartalsergebnis die Konsensschätzungen um mehr als 30% übertroffen. The Market hatte bereits im Ausblick von letzter Woche darauf hingewiesen, in welchen Bereichen die aktuelle Leistungsfähigkeit der Grossbank unterschätzt wird: In der Beratung für Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie im Geschäft mit Aktienemissionen.

Schub an der falschen Stelle – aber ein neuer Rekordstand bei den verwalteten Vermögen

Die beiden Bereiche haben deutlich über der Konsenserwartung geliefert, ebenso das Schweizer Geschäft und das Asset Management.

Wie befürchtet hat UBS mit ihrer Paradedisziplin Global Wealth Management jedoch erneut enttäuscht: Rückläufiger Ertrag, sinkende Margen, schwacher Vorsteuergewinn.

Dass wegen steuerbedingter Abflüsse in den USA im Berichtsquartal netto kein Neugeld übrig blieb, hatte erwartet werden müssen. Für den weiteren Geschäftsgang positiv stimmt hingegen, dass die verwalteten Vermögen im Global Wealth Management dank guter Marktperformance dennoch einen neuen Rekordstand von fast 2,5 Bio. $ erreicht haben – der einzige Wert, mit dem die Superdivision die Erwartungen übertroffen hat.

Zusätzliche Gewinnbeschleunigung

Unerwartet starker Rückenwind kam im Quartal zudem aus dem Corporate Center. Statt eines vom Analystenkonsens prognostizierten Verlustes von 239 Mio. $ hat die Administrativeinheit das operative Geschäft der UBS lediglich mit 56 Mio. $ belastet.

Für die kommenden Quartale dürfte diese Gewinnbremse allerdings wieder über 200 Mio. $ steigen.

Qualitativ überzeugen die Quartalszahlen damit nicht. Das Beste daran ist einfach, dass UBS zur Jahresmitte mehr Gewinn eingefahren hat als von den Analysten erwartet.

Per Ende Juni sind statt der erwarteten 57 Rappen je Aktie bereits 67 Rappen verdient. Für das Gesamtjahr steht der seit einem Jahr laufend nach unten revidierte Analystenkonsens für den bereinigten Gewinn je Aktie gemäss Bloomberg bei 1.20 Fr. Der von UBS gesammelte Konsens für den ausgewiesenen Gewinn je Aktie sogar bei lediglich 1.06 Fr.

Die Gewinnrevisionen bei UBS

Der Einjahresverlauf der Konsensschätzung für den Gewinn je Aktie 2019

Trendumkehr absehbar

Auch wenn Grossbanken im ersten Semester normalerweise deutlich mehr verdienen als im zweiten, könnte dies angesichts des ausnehmend schlechten Erstquartals diesmal weniger ausgeprägt der Fall sein. The Market erwartet deshalb, dass die Analysten entgegen dem bisherigen Trend ihre Gewinnprognosen für das Gesamtjahr anheben werden –schlicht, weil zur Jahresmitte bereits mehr Gewinn verbucht wurde als erwartet.

Zusätzlich zum Rekordstand bei den verwalteten Vermögen stimmt auch eine Aussage des notorisch schwarzmalenden CEO Sergio Ermotti zuversichtlich: «Eine verbesserte Anlegerstimmung und höhere Marktvolatilität könnten dazu beitragen, die typische Verlangsamung im dritten Quartal auszugleichen», schreibt die UBS im Ausblick.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Ruedi Keller