Mister Market

DKSH: Die unbeliebteste Aktie der Schweiz

Die Valoren des Marktexpansions-Dienstleisters haben im laufenden Jahr 25% verloren. DKSH hat mehrmals enttäuscht – doch genau das birgt Chancen. Drei Faktoren sprechen jetzt für eine Erholung.

Mark Dittli
Drucken
Teilen

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

DKSH ist eine Enttäuschung. Der Aktienkurs des vor allem in Asien tätigen Marktexpansions-Dienstleisters ist im laufenden Jahr knapp 25% gefallen, während der schweizerische Aktienmarkt gemessen am Swiss Performance Index (ohne Dividenden) bis dato rund 25% gewonnen hat.

Seit gut zwei Jahren verfehlt DKSH wiederholt die Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen leidet unter schrumpfenden bis bestenfalls stagnierenden Margen. Der wichtigste Markt des Konzerns, Thailand, kommt nicht in die Gänge, und seit Sommer drücken auch die Proteste in Hongkong auf das Geschäft. Nach einem Managementwechsel muss DKSH nun zudem seine Konsumgüterdivision, die zweitgrösste Einheit des Konzerns, restrukturieren.

Entsprechend negativ ist der Markt gegenüber DKSH eingestellt. Von sieben Analysten empfiehlt nur einer, Jon Cox vom Brokerhaus Kepler Cheuvreux, die Aktien zum Kauf.

Im Lauf des Herbstes begann überdies der kalifornische Grossaktionär Capital Group mit seinem Ausstieg aus DKSH; am 16. Oktober unterschritt er die meldepflichtige Schwelle von 3%.

Ende Oktober fiel der DKSH-Aktienkurs sodann auf 46 Fr. – und damit unter den Ausgabepreis der Publikumsöffnung im März 2012.

DKSH: jahrelange Enttäuschung

DKSH Na., in Fr., von November 2014 bis November 2019

Doch wenn alles erdenklich Negative im Kurs eingepreist ist, braucht es unter Umständen wenig für einen Aufschwung.

Malaysia entwickelt sich gut

Diese Konstellation könnte nun gegeben sein. Ich sehe drei Faktoren, die die Stimmung der Investoren gegenüber DKSH in den nächsten Monaten etwas aufhellen könnten:

  1. Der Geschäftsgang in Asien findet allmählich Boden.
  2. Am 1. Januar 2020 tritt Marco Gadola, der bisherige CEO des Dentalimplantate-Herstellers Straumann, in den Verwaltungsrat ein. Im Frühjahr wird Gadola das VR-Präsidium von DKSH übernehmen.
  3. Capital Group hat seine Beteiligung demnächst ganz verkauft, was den Druck auf den Aktienkurs von DKSH lindern sollte.

Was den Geschäftsgang betrifft, so höre ich aus dem Umfeld von DKSH, dass sich Thailand – mit mehr als 30% Umsatzanteil der wichtigste Einzelmarkt – weiterhin schleppend entwickelt. Die in Bangkok kotierten Konkurrenten und Branchennachbarn von DKSH – beispielsweise Big C –haben eher schwache Drittquartalszahlen publiziert.

Deutlich besser, so höre ich, entwickelt sich Malaysia. Die lokale DKSH-Tochter, deren Aktien an der Börse von Kuala Lumpur kotiert sind, hat im dritten Quartal leicht positiv überrascht. Sehr stark sei das Wachstum in Indonesien, wobei das Inselreich für DKSH allerdings noch ein kleiner Markt ist.

Hongkong ist momentan natürlich schwierig; die lokale Wirtschaft steckt angesichts der anhaltenden Ausschreitungen in einer Rezession. Doch Hongkong macht nur 12% des Umsatzes von DKSH und deutlich weniger als 10% des Betriebsgewinns aus. Zudem ist das Geschäft dort nicht zum Erliegen gekommen, da DKSH in Hongkong vor allem in der Distribution von Nahrungsmitteln und Gesundheitsgütern – also in relativ konjunkturresistenten Bereichen – tätig ist.

Alles in allem dürfte DKSH in Asien den Tiefpunkt durchschritten haben.

Gadola wird nicht passiv sein

Vom zweiten Faktor, dem Eintritt Marco Gadolas in den Verwaltungsrat, erwarte ich mir einiges. Er hat als CEO bei Straumann hervorragende Arbeit geleistet. Wer Gadola kennt, weiss, dass er kein passiver VR-Präsident sein wird. Das wird auch DKSH-CEO Stefan Butz – dessen Leistung bislang nicht gerade überzeugt – bald zu spüren bekommen.

Gadola, so höre ich, wird keine Einarbeitungszeit benötigen. Er wird ab Januar sofort loslegen. Ein Bereich, auf den er rasch den Finger legen sollte, ist das Cashflow-Management. Bei einem Jahresumsatz von mehr als 11 Mrd. Fr. und engen Ebit-Margen um 2% kann man mit einer intelligenten Bewirtschaftung des Umlaufvermögens (Working Capital) viel erreichen. In der Cash-Generierung hat DKSH noch einige Luft nach oben.

Der dritte Faktor schliesslich betrifft den Verkaufsdruck, der vom Ausstieg von Capital Group in den vergangenen Wochen auf dem Aktienkurs lastete.

Der kalifornische Vermögensverwaltungsriese hielt am 16. Oktober noch einen Anteil von knapp unter 3% an DKSH. Unter der Annahme, dass er seither weiter verkauft hat und ganz ausgestiegen ist, hätte er in den vergangenen rund dreissig Handelstagen nochmals knapp 1,9 Mio. DKSH-Aktien auf den Markt werfen müssen.

Eine überschlagsmässige Berechnung zeigt, dass in den letzten dreissig Handelstagen an der SIX Swiss Exchange im Durchschnitt etwa 130'000 DKSH-Aktien pro Tag gehandelt wurden, kumuliert also etwa 3,9 Mio. Stück. Das ist möglicherweise etwas zu wenig Volumen, um den ganzen Verkaufsdruck von Capital Group zu absorbieren – aber viel fehlt nicht mehr. Dann ist diese Belastung weg.

Robuste Bilanz, attraktive Dividende

Eine Bodenbildung im Geschäft in Asien, die Perspektive auf den Einstieg von Marco Gadola, und das Ende des Verkaufdrucks von Capital Group: Das sind die Zutaten, die den Aktienkurs von DKSH in näherer Zukunft beflügeln könnten. Eine Entspannung in Hongkong – so unwahrscheinlich sie im Moment auch erscheint – wäre ein vierter Faktor.

Ein Vorbehalt: Das Geschäftsmodell von DKSH, Distributions- und Markteintrittshilfen für ausländische Unternehmen in asiatischen Staaten, ist nur bedingt attraktiv. Die Margen sind hauchdünn, das Konkurrenzumfeld hart. Mit dem zunehmenden Entwicklungsstand der asiatischen Volkswirtschaften ist es fraglich, wie stark ausländische Konzerne künftig noch auf die Dienste einer DKSH angewiesen sind.

Aber von den langfristigen Bedenken abgesehen: Die Konstellation für eine kurzfristige Erholung ist günstig. Da kann gut und gerne ein Kursanstieg von 15 bis 20% drinliegen.

Wem eine ansprechende Dividende wichtig ist, wird mit DKSH ebenfalls bedient; die Rendite beträgt derzeit – unter der Annahme einer Ausschüttung von 1.90 Fr. im kommenden Frühjahr – rund 3,5%. Die Bilanz der Gruppe ist in Ordnung; DKSH sitzt nach Abzug der Schulden auf einer Nettocash-Position.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli

Mister Market

Insider greifen bei Temenos zu

Enttäuschende Umsatzzahlen zum dritten Quartal haben den Aktienkurs des Genfer Bankensoftware-Herstellers einbrechen lassen. Diesen Rückschlag haben Temenos-Manager für Käufe genutzt. Der Logistikdienstleister Kühne + Nagel fällt derweil mit Insider-Verkäufen auf.
Mark Dittli