Mister Market

Endlich regt sich Widerstand gegen den Alpiq-Deal

Der aktivistische Investor Knight Vinke opponiert gegen den Plan, den Stromversorger von der Börse zu nehmen. Die den Minderheitsaktionären gebotenen 70 Fr. je Alpiq-Aktie hält er für deutlich zu wenig. Zudem erhebt er Zweifel an der Fairness Opinion von PwC.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Ich habe mich an dieser Stelle schon mehrmals über den jämmerlich schlechten Deal geäussert, mit dem die Minderheitsaktionäre von Alpiq abgefertigt werden sollen.

Sie erinnern sich: Ein Konsortium um die CSA Energie-Infrastruktur Schweiz, eine von Credit Suisse Energy Infrastructure Partners verwaltete Anlagegesellschaft, offeriert in einem Anfang Juli publizierten öffentlichen Übernahmeangebot 70 Fr. je Alpiq-Aktie.

Eine «Fairness Opinion» von PwC bezeichnet diesen Preis als «fair und angemessen». Mal davon abgesehen, dass PwC – und auch der Verfasser der Studie, PwC-Partner Marc Schmidli – in der Vergangenheit mehrmals in beratender Funktion für Alpiq tätig war und daher kaum als unabhängig bezeichnet werden kann: Die Fairness Opinion hat gravierende qualitative Mängel.

Im Dokument fehlen etwa jegliche Angaben zur angenommenen Entwicklung des Strompreises, was es für Aussenstehende unmöglich macht, die Einschätzungen der Verfasser zu plausibilisieren.

Zudem ist, wie ich am 11. Juli geschrieben hatte, meiner Meinung nach der Kapitalkostensatz (Weighted Average Cost of Capital, WACC), mit dem die künftigen Cashflows diskontiert werden, mit 5,7% deutlich zu hoch angesetzt. Realistischer wären 4,7%, wodurch sich der faire Wert je Alpiq-Aktie auf gegen 100 Fr. erhöhen würde.

Das sei stossend, schrieb ich damals, doch leider hätten Kleinaktionäre nur beschränkte Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren.

Nun regt sich doch Widerstand. Wie Valentin Ade in der «Finanz und Wirtschaft» schreibt, hat der aktivistische Investor Knight Vinke einen Brief an den Alpiq-Verwaltungsrat geschrieben. Darin fordert der Chef von Knight Vinke, Eric Knight, das Gremium auf, den Plan sofort aufzugeben, die kleinen Anteilseigner aus dem Aktionariat zu drängen und Alpiq von der Börse zu nehmen.

Auch Knight hat demnach erhebliche Zweifel an der Qualität der Fairness Opinion von PwC. Er stellt die Unabhängigkeit der Prüfgesellschaft infrage und bemängelt ebenfalls, der WACC sei zu hoch angesetzt. Er sieht einen fairen Wert von 105 bis 123 Fr. je Alpiq-Aktie und fordert die Erstellung einer neuen, unabhängigen Fairness Opinion.

Gut so. Die Art und Weise, wie die Käufergruppe um den Credit-Suisse-Fonds Alpiq zu einem Ausverkaufspreis übernehmen will, ist mehr als dreist.

Wer noch Alpiq-Aktien hält und sie nicht angedient hat, kann getrost noch warten und schauen, wie stark die Opposition ist, die sich gegen den Deal formiert. Die Angebotsfrist läuft bist zum 9. September, eine Verlängerung der Frist ist vorbehalten.

Es bleibt spannend.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli