Mister Market

Fragwürdige Anreize beim Börsengang von SoftwareOne

Das Management des IT-Wiederverkäufers wird mit einem Bonus in dreistelliger Millionenhöhe für den erreichten Emissionspreis belohnt. Das wirft Fragen auf.

Ruedi Keller

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Seit Freitag ist der jüngste Zugang der Schweizer Börse im Handel: Der IT-Wiederverkäufer SoftwareOne. Den Ausgabepreis von 18 Fr. je Titel hat der Börsenneuling bislang gehalten, mit aktuell 18.30 Fr. allerdings nur knapp.

Im Vorfeld des Börsengangs stand eine Marktkapitalisierung von bis zu 4 Mrd. Fr. im Raum, nun bewegt sich der Börsenwert von SoftwareOne um 2,8 Mrd. Fr. Falls Sie sich nun fragen, ob sich dadurch noch eine Einstiegsmöglichkeit bietet, möchte ich Sie auf einen Punkt aufmerksam machen, der bislang kaum Beachtung gefunden hat.

Er ist jedoch bemerkenswert.

Zu den grössten Gewinnern des Börsengangs gehört das Topmanagement von SoftwareOne, inklusive des Executive Board um CEO Dieter Schlosser, Finanzchef Hans Grüter, COO Alex Alexandrov und Verkaufschef Neil Lomax.

126 Mio. Fr. IPO-Bonus

Wie aus dem Anhang zum IPO-Prospekt hervorgeht, kommen sie dank der Publikumsöffnung in den Genuss eines Bonus im Wert von 126 Mio. Fr., davon 42 Mio. Fr. in bar, den Rest in Form von 4,7 Mio. Aktien, die über drei Jahre gestaffelt freigegeben werden.

Wieso das bemerkenswert ist? Erstens ist das Ausmass dieses IPO-Bonus meines Wissens für Schweizer Verhältnisse einzigartig. Zweitens war der Sonderbonus direkt an den Emissionspreis gekoppelt, das heisst, die Topmanager hatten ein Interesse daran, die Aktien zu einem möglichst hohen Preis an die Börse zu bringen.

Aufgesetzt worden war das Bonussystem bereits 2017. Die erreichte Höhe im dreistelligen Millionenbereich macht offensichtlich, dass die verkaufenden Altaktionäre – die Gründer um Daniel von Stockar, der Finanzinvestor KKR sowie die österreichische Raiffeisen International – mehr als zufrieden sind mit dem nun an der Börse gelösten Preis. Sie finanzieren den Sonderbonus für das Management aus ihren eigenen Taschen.

Mich macht das Anreizsystem für das Management hingegen stutzig. Es ist offensichtlich ausgeufert und hat den Rahmen der damaligen Erwartungen wohl gesprengt. Der Sonderbonus hat eine Dimension erreicht, die statt Anreize im Einklang mit den Aktionärsinteressen zu schaffen, die Gefahr birgt, die Eigeninteressen des Managements in den Vordergrund zu rücken. Dies besonders mit Blick auf eine weitere Eigenheit beim IPO von SoftwareOne.

Akquisitorischer Schnelllauf

Dieses Jahr hat SoftwareOne bereits drei Unternehmen akquiriert, darunter eine Beteiligung an InterGrupo in Kolumbien. Zudem wurde dieses Jahr die Übernahme der deutschen Comparex vollzogen, mit der sich die Mitarbeiterzahl von SoftwareOne auf rund 5300 mehr als verdoppelt hat. Die Integration der Akquisitionen steht jedoch noch aus, ebenso die Realisierung der alleine aus dem Kauf von Comparex auf 60 Mio. Fr. veranschlagten Synergien.

Die Akquisitionen von SoftwareOne

Ankündigung Übernahmeobjekt
2019 InterGrupo (Minderheit)
2019 Samsentry
2019 RightCloud
2018 Comparex
2017 UC Point
2016 House of Lync
2015 Software Licensing

Schon der Umstand, dass SoftwareOne mitten in einem akquisitorischen Schnelllauf eine Publikumsöffnung durchzieht, löst bei mir Skepsis aus: Warum nicht erst die harte Integrationsarbeit sorgfältig erledigen, die Synergien heben und später einen soliden Business Case zu einem höheren Emissionspreis an die Börse bringen?

In Kombination mit dem aggressiven Sonderbonus für das Management gesellt sich ein mulmiges Gefühl dazu: Haben sich die Verantwortlichen angesichts der enormen und direkt vom Emissionspreis abhängigen Summen im Zaum halten können, realistische Prognosen zum künftigen Geschäftsverlauf abzugeben?

Mit einer Marktkapitalisierung von 2,8 Mrd. Fr. hat SoftwareOne mit der am Freitag erfolgten Emission den obersten Bewertungsbereich erreicht, den The Market vor Publikumsöffnung als fair erachtet hat. Dies allerdings noch bevor Details zur Anreizstruktur des Managements bekannt waren.

Sollten Sie heute noch mit dem Gedanken spielen, sich bei SoftwareOne einzukaufen: Lassen Sie es bleiben.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market

Ruedi Keller