Mister Market

Französischer Abgang bei LafargeHolcim

Groupe Bruxelles Lambert, seit Jahren Grossaktionärin des Zementkonzerns, bereitet über die Emission einer Anleihe den schrittweisen Ausstieg vor.

Daniel Zulauf

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

LafargeHolcim ist im Umbruch. Unter Führung des im September 2017 zum CEO berufenen ehemaligen Sika-Managers Jan Jenisch vollzieht der Zementkonzern einen radikalen strategischen Kurswechsel.

Sichtbarer Ausdruck davon war der Verkauf aller Zementaktivitäten in Südostasien im Frühjahr. Die starke Position des Konzerns in dieser wachstumsstarken Region war einst ein Kernelement des Schulterschlusses zwischen der französischen Lafarge und der schweizerischen Holcim.

Mich erstaunt nicht, dass sich die Väter dieser Grossfusion – man muss sie im Rückblick als gescheitert betrachten – nun Schritt für Schritt verabschieden.

Schmidheiny, Sawiris – und nun GBL

Im Juni hatte der frühere Mehrheitsaktionär Thomas Schmidheiny den Rückbau seiner Beteiligung von 11,4 auf 7,2% mitgeteilt und seinen Mitaktionären mit dem Paketverkauf einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Die zwei anderen Kernaktionäre gehen deutlich diskreter vor.

Ende August reduzierte Nassef Sawiris seine Beteiligung von ehemals 6,1% ohne viel Aufhebens unter die meldepflichtige Schwelle von 3%. Der Ägypter hatte seinen Ausstieg über die Ausgabe von Verkaufsoptionen gut geplant, sodass die Vollzugsmeldungen an der Börse keine Wellen mehr warfen. Dass sich Sawiris verabschieden würde, war spätestens im April klar geworden, als er sich für eine Wiederwahl in den Verwaltungsrat nicht mehr zur Verfügung stellte.

Einen ähnlichen Weg wählen nun die kanadische Familie Desmarais und die belgische Familie Frère, die über ihre gemeinsame Beteiligungsgesellschaft Pargesa mit Sitz in Genf eine jahrzehntelange Investmentpartnerschaft betreiben. Das wichtigste Asset von Pargesa ist die belgische Beteiligungsgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL), die bis anhin einen Anteil von 9,2% an LafargeHolcim besass.

Heute Freitag gab GBL die Ausgabe eines «exchangeable bond» über 750 Mio. € mit einer Laufzeit bis Ende Dezember 2022 bekannt. Das Papier wird zu null Prozent verzinst, und GBL will es zu einem Preis zwischen 101 und 102,5% ausgeben, was eine Verfallsrendite von -0,75 bis -0,3% pro Jahr impliziert.

Das Spezielle an diesem Bond: Er wird nicht in bar zurückbezahlt, sondern in Aktien von LafargeHolcim. Das Papier ist mit rund 13,4 Millionen Aktien des Zementkonzerns unterlegt, was knapp einem Viertel der gesamten GBL-Beteiligung respektive rund 2,2% aller LafargeHolcim-Aktien entspricht.

Die von keiner Ratingagentur benotete GBL nutzt ihre LafargeHolcim-Aktien also für eine Finanzierung zu sehr vorteilhaften Bedingungen. Was die Gesellschaft mit dem Geld machen will, lässt sie offen. Doch im Juli kommunizierte GBL ihren Aktionären, sie wolle ihr Beteiligungsportefeuille stärker auf nicht kotierte Unternehmen konzentrieren.

Ob diese Wette aufgeht, bleibt abzuwarten. Tatsache ist, dass sich nun auch GBL bei LafargeHolcim auf dem Rückzug befindet.

Der Umbau geht weiter

GBL war 2006 mit dem Kauf einer 21%-Beteiligung bei Lafarge eingestiegen und spielte ein Jahr später eine aktive Rolle in der Übernahme von Nassef Sawiris' Orascom Cement. Durch den fast 9 Mrd. $ teuren Einkauf erlangte Lafarge eine führende Marktstellung im Nahen Osten.

Doch mit dem Syrien-Konflikt wurde die Expansion zum Albtraum. Seit Juni 2018 ermitteln die französischen Justizbehörden offiziell gegen LafargeHolcim, weil das Unternehmen zum Betrieb eines Zementwerkes im Kriegsgebiet Schutzgeldzahlungen an die Terrormiliz Islamischer Staat geleistet hatte.

Ob es der Ärger mit solchen Altlasten ist oder einfach geschwundenes Interesse am gescheiterten Grossprojekt – Tatsache ist, dass sich die Väter der LafargeHolcim-Fusion nun in Raten verabschieden. Ich gehe davon aus, dass zumindest einer der beiden GBL-Vertreter im Verwaltungsrat von LafargeHolcim, Colin Hall oder Paul Desmarais, schon bald seinen Abschied geben wird.

Nicht nur in Bezug auf die Ausrichtung des Geschäfts, sondern auch in Bezug auf das Aktionariat wird LafargeHolcim in wenigen Jahren also ganz anders aussehen als heute.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Daniel Zulauf