Mister Market

GAM kann wieder nach vorne blicken

Die Aktien des geplagten Asset-Managers haben nach einem Absturz um zwei Drittel endlich einen Boden gefunden, von dem aus es wieder aufwärts gehen kann.

Ruedi Keller

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Neuer CEO, neuer Verwaltungsratspräsident, positiver Neugeldfluss im Juni und Juli: Nach Jahren des Missmanagements bei GAM versprechen diese heutigen Neuigkeiten, dass der Asset-Manager endlich Boden gefunden hat.

GAM-Aktie seit einem Jahr

Sie erinnern sich: Vor einem Jahr hat GAM Tim Haywood suspendiert, der als zentraler Fondsmanager Vermögen im Umfang von 11 Mrd. Fr. verwaltete. Der damalige Schönwetter-CEO Alexander Friedman und sein blasser Verwaltungsratspräsident Hugh Scott-Barrett waren in dieser Krise überfordert. Der daraus resultierende Vertrauensverlust hat die Kunden in die Flucht getrieben: Die im Bereich Investment Management verwalteten Vermögen brachen in Jahresfrist von knapp 85 Mrd. Fr. 40% auf aktuell etwas über 50 Mrd. Fr. ein.

Ein Drittel der Ertragsbasis ist weg

In Zahlen: Zu einer durchschnittlichen Marge von 54 Basispunkten haben die Abflüsse die Ertragsbasis um gegen 180 Mio. Fr. erodieren lassen. Rund ein Drittel des Einnahmenpotenzials ist in diesem Krisenjahr verspielt worden.

Klar ist angesichts dieser Zahlen, dass das Management maximal Gegensteuer geben muss – allerdings ebenso, dass der Ertragseinbruch mit Kosteneinsparungen nicht voll pariert werden kann.

Zur Jahresmitte sieht es so aus, dass die geplanten strukturellen Einsparungen von mehr als 40 Mio. Fr. und Kürzungen bei den variablen Vergütungen zum Jahresende GAM in Richtung einer roten Null führen werden. In den kommenden beiden Jahren rechnen die Analysten gemäss Konsensschätzung von Bloomberg mit 24 Rp. respektive 30 Rp. Gewinn je Aktie. Auf dem aktuellen Kursniveau von 4.30 Fr. ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 respektive 14.

Billig, aber nicht günstig

Dies zeigt, dass GAM trotz des Wertverlusts um zwei Drittel nicht günstig, sondern schlicht der Perspektive entsprechend fair bewertet ist. Dieses Niveau halten die Aktien nun bereits den gesamten Jahresverlauf. Doch erst jetzt scheint der Kurs fundamental gerechtfertigt – und nicht primär durch Übernahmefantasien gestützt.

Der zentrale Punkt: Nach dem im November über Nacht verabschiedeten CEO Alexander Friedman zieht sich nun auch der unscheinbar gebliebene Präsident Hugh Scott-Barrett zurück. Der Macher David Jacob wird per 1. Oktober das Präsidium übernehmen.

Überzeugender Leistungsausweis

Jacob war es, der seit November als Interims-CEO die Lage bei GAM wieder unter Kontrolle gebracht hat.

Erstens ist die Liquidation der Haywood-Vermögen abgeschlossen. Die Kunden erhielten ihr Geld zurück – gemäss angekündigtem Zeitplan und in voller Höhe, womit das Klagerisiko minimiert ist. Zweitens scheint der Reputationsschaden eingegrenzt: GAM berichtet bezüglich Juni und Juli erstmalig wieder von einem positiven Neugeldfluss – wie hoch dieser ausfiel, ist allerdings nicht offen gelegt.

Auch die dritte Kernaufgabe hat Jacob erfüllt: Per September hat GAM Peter Sanderson als neuen CEO verpflichtet. Der 41-jährige Brite kommt von BlackRock, wo er als Managing Director und Mitglied des europäischen Executive Committee den Bereich Financial Services Consulting verantwortet.

Sanders hat zwar noch keinen Leistungsausweis als CEO. Die zupackende und zielsichere Arbeit, die Jacob in seiner kurzen Zeit als Interims-CEO abgeliefert hat, stimmt jedoch zuversichtlich, dass der Wiederaufbau von GAM unter seiner präsidialen Kontrolle gelingen kann.

Mit diesem neuen Fundament sollte der Aktienkurs von GAM nun einen Boden gefunden haben, von dem aus es wieder aufwärts gehen kann.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Ruedi Keller