Mr Market

Geberit bietet eine Einstiegsgelegenheit für Wetterfeste

Die Aktien des Sanitärspezialisten notieren auf dem Niveau von Ende März. Im Gegensatz zu anderen Wachstumstiteln sind sie damit nicht mehr zu hoch bewertet.

Gabriella Hunter
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Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Zum Wochenauftakt hat sich der Ausverkauf bei hochbewerteten Wachstumsaktien an der Schweizer Börse fortgesetzt: Straumann und VAT Group haben in den letzten fünf Handelstagen rund 10% verloren, Interroll und Givaudan um 7%, Belimo, Bachem und Lonza 5%. Am Mittwoch setzte eine leichte Gegenbewegung ein.

Einmal mehr war auch Geberit unter den Abgestraften. Die Titel des Sanitärtechnikers haben seit vergangenem Mittwoch fast 5% eingebüsst und notierten am Dienstag erstmals seit Ende März 2021 wieder unter 600 Fr.

Aus meiner Sicht ist das nicht gerechtfertigt. Denn Geberit bietet eine hohe Anlagequalität und eine sehr gute Perspektive.

Starke Marktposition

Grundlage davon bilden – erstens – hochwertige Produkte für Installations- und Spülsysteme, was eine hohe Profitabilität sichert – dank starker Preissetzungsmacht auch in Zeiten steigender Inputkosten. Mit Effizienzsteigerungen hat das Unternehmen die Fixkosten in den vergangenen Jahren stetig gesenkt. Die Betriebsgewinnmarge auf Stufe Ebitda dürfte 2021 gar oberhalb des Zielbands von 30 bis 31% gelegen haben.

Der Qualitätsanspruch hat Folgen für die Geografie: Das Geschäft ist bewusst auf Europa fokussiert, wo 90% des Umsatzes von knapp 3,5 Mrd. Fr. erwirtschaftet werden, weil hier auch qualifizierte Installateure verfügbar sind.

Zweitens entwickelt sich das Unternehmen stetig weiter. 2020 flossen 2,5% des Gesamterlöses in Forschung & Entwicklung, das ist deutlich mehr als bei der Konkurrenz. Damit sichert sich Geberit nicht nur die starke Marktposition, sondern sie schafft auch die Grundlage für weiteres Wachstum.

Im vergangenen Jahr erlebte auch Geberit einen pandemiebedingten Nachholeffekt: Der Umsatz ist mit knapp 16% so schnell gewachsen wie noch nie seit der Kotierung vor über zwanzig Jahren. Geholfen hat ein Heimwerkertrend: Im Homeoffice wurde offenbar vielerorts renoviert.

Umsichtiges Management

Die schnelle Weiterentwicklung des Geschäfts spiegelt – drittens – ein Management, das sich nicht ausruht und umsichtig handelt. Ebendieses übte sich anlässlich der Präsentation der Umsatzzahlen Mitte Januar in Zurückhaltung und wagte keine Prognose zum laufenden Jahr. Die Unsicherheiten im Hinblick auf die wachstumstreibenden Trends und die Rohstoffpreise seien zu gross.

Klar ist: Das Momentum wird sich in den kommenden Monaten etwas abschwächen. Im wichtigen Markt Deutschland könnten sich Hausbesitzer vermehrt auf energetische Verbesserungen konzentrieren und weniger für Sanitärtechnik ausgeben, fürchten Analysten. Gleichzeitig dürften die Kosten weiter steigen. Das kommt nicht gut an.

Doch viele Analysten haben ihre Prognosen bereits revidiert, in den Schätzungen für den Gewinn je Aktie ist diese Abschwächung mittlerweile grösstenteils enthalten. Ich erwarte weiteres leichtes Wachstum und eine Marge innerhalb des anvisierten Zielbands.

Darüberhinaus sind die Aktien gerade im gegenwärtigen Umfeld attraktiv. Das Geschäftsmodell ist weniger konjunkturabhängig als bei anderen Gesellschaften, die zuletzt ein schnelles Wachstum verzeichneten, und Probleme mit Lieferketten und Logistik machen Geberit unter anderem wegen der geografischen Ausrichtung etwas weniger zu schaffen.

Vernünftige Bewertung

Das alles kommt zu einer vernünftigen Bewertung: Die Aktien sind basierend auf dem Bloomberg-Konsens mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 für 2021 und 2022 zwar nicht günstig, sie sind aber historisch betrachtet auch nicht überbewertet. Der Fünfjahresschnitt liegt bei 27.

Als Zückerchen gibt es auch dieses Jahr wieder eine höhere Dividende. Die Rendite für 2021 liegt mit 2,2% aber leicht unter dem Durchschnitt im Swiss Performance Index (2,4%). Bis September läuft das jüngste Aktienrückkaufprogramm im Umfang von maximal 500 Mio. Fr.

Wie wir in unserer Analyse zu den Aussichten hochbewerteter Wachstumstitel bereits festgehalten haben, drängt die Zeit für einen Wiedereinstieg in jetzt günstigere Qualitätsaktien gegenwärtig nicht. Die Unsicherheit wird uns angesichts steigender Zinsen noch etwas erhalten bleiben. Doch für die Ungeduldigen unter Ihnen, die auch Preisschwankungen aushalten, bietet Geberit auf dem jetzigen Kursniveau eine gute Anlagemöglichkeit.

Freundlich grüsst im Namen von Mrs Market

Gabriella Hunter