Mister Market

Gute Nachricht für Orascom

Deutsche Fluggesellschaften dürfen die Rotmeer-Destination Taba wieder anfliegen. Das ist positiv für Orascom Development Holding, die in Taba Heights ihre zweitgrösste Hotelanlage betreibt.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Gestern habe ich Ihnen über eine Reihe von Insiderkäufen in den Aktien von Orascom Development Holding (ODH) berichtet. Wenige Stunden später erreichte eine gute Nachricht die vor allem in Ägypten tätige Immobiliengruppe: Das Auswärtige Amt Deutschlands hat die im Jahr 2015 aus Sicherheitsgründen verhängten Restriktionen für deutsche Fluggesellschaften nach Taba aufgehoben. 

Deutsche Airlines dürfen die Feriendestination im Nordosten der Sinai-Halbinsel wieder anfliegen. Das ist wichtig für Orascom, denn Taba Heights ist gemessen an der Anzahl Hotelzimmer die zweitgrösste Feriendestination der Gruppe nach dem nördlich von Hurghada gelegenen El Gouna.

Von den knapp 2400 Hotelzimmern von Orascom in Taba Heights waren rund die Hälfte bislang ungenutzt. Im Geschäftsjahr 2018 lag die Auslastung der Hotels auf bloss 33%. Die Rückkehr deutscher Touristen dürfte das rasch ändern. Weitere Länder könnten folgen. Ein «Game Changer» wäre zudem, wenn auch Charterflüge aus Russland wieder den Sinai ansteuern sollten. Sie waren nach dem Terroranschlag auf eine russische Chartermaschine im Jahr 2015 suspendiert worden.

Turnaround unter neuem CEO

Die Orascom-Aktien gewannen heute Dienstag im frühen Handel gut 3% auf 15.70 Fr. Cédric Lang, Analyst der Zürcher Kantonalbank, hat die Titel neu auf «Übergewichten» gesetzt und sieht einen fairen Wert von 18.30 Fr. je Aktie.

ODH, zu 67,8% von Samih Sawiris kontrolliert, ist seit mehreren Jahren eine Turnaround-Story. Unter dem Einbruch der Touristenzahlen in Ägypten nach den Revolutionen des Arabischen Frühlings von 2011 hat das Unternehmen stark gelitten.

Der seit 2016 amtierende CEO Khaled Bichara hat die Gruppe nach mehreren Misserfolgen wieder auf Gewinnkurs gebracht.

Bichara hat die Profitabilität in den ägyptischen Destinationen gesteigert und die Diversifikation der Gruppe vorangetrieben. Neue Hotelprojekte im Oman, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Montenegro sind zwar auf Stufe Ebitda noch nicht profitabel, aber sie verringern die Abhängigkeit des Geschäftsgangs von Ägypten. Das Land am Nil war 2018 noch für 58% des Umsatzes von ODH verantwortlich.

Beträchtliches Potenzial liegt in einem Projekt in Kairo, das nicht den Tourismus, sondern Ägyptens Oberschicht zum Ziel hat. Mit dem Projekt «O-West» will ODH in der Hauptstadt über die nächsten acht Jahre Villen und Luxuswohnungen im Wert von umgerechnet rund 4,6 Mrd. Fr. erstellen und verkaufen. Mit dem Bau einer neuen Phase wird jeweils erst begonnen, wenn ein gewisses Verkaufsvolumen erreicht ist. CEO Bichara stellt in Aussicht, dass auf den Verkäufen eine Ebitda-Marge von 30 bis 35% erreicht werden kann.

Stille Reserven in der Bilanz

Aus Investorensicht ist Orascom Development Holding primär eine Wette darauf, dass der Tourismus am ägyptischen Roten Meer wieder anzieht. In El Gouna liegt die Auslastung der Orascom-Betriebe bereits wieder auf 80%, doch die Zimmerpreise sind noch stark gedrückt.

Mehr Touristen und steigende Zimmerpreise würden in der Erfolgsrechnung von ODH eine doppelte Hebelwirkung entfalten: ZKB-Analyst Lang geht davon aus, dass das Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2020 unter dem Strich wieder profitabel ist. Auf Ebene Ebitda ist Orascom schon jetzt wieder komfortabel in den schwarzen Zahlen. Lang rechnet für 2019 mit einem Ebitda von 64 Mio. Fr.

Eine Option liegt zudem in den beträchtlichen Landreserven, die zu Anschaffungskosten in der Bilanz von ODH stehen. Gemäss einem Bericht des Immobilienspezialisten CBRE aus dem Jahr 2018 entspricht die Marktbewertung der Hotels und der Landreserven in El Gouna dem 42-Fachen des aktuellen Buchwerts.

Mit diesen Perspektiven sind die Aktien von Orascom Development Holding ein Kauf. Allerdings ist eine sehr grosse Risikotoleranz vorausgesetzt: Das Unternehmen ist von Ägypten abhängig. Die politischen, rechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken im Land sind hoch.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli