Mr Market

Idorsia nimmt Druck von den Aktien

Schon seit Längerem wird gemunkelt, dass das Biotechunternehmen bald Kapital aufnehmen wird. Das hat auf den Kurs gedrückt. Mit der Ausgabe von Wandelanleihen dürfte die Aktienbewegung nun wieder stärker von der Entwicklung der Pipeline abhängen. Risikofähigen Investoren bietet das Chancen.

Michael Griesdorf
Drucken

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Die Ambitionen bei Idorsia sind gross. Die Gesellschaft, die aus der ehemaligen, an Johnson & Johnson verkauften Actelion entstand, will früher oder später zu einem führenden europäischen Biopharmaunternehmen aufsteigen und damit an die Vergangenheit von Actelion anknüpfen.

Mangels zugelassener Produkte schreibt Idorsia bisher jedoch Verlust, weshalb die Aufnahme von Kapital unumgänglich zum Business Case zählt. Pro Jahr verschlingen die operativen Kosten etwas mehr als 600 Mio. Fr. Seit der Gründung hat die Gesellschaft bereits drei Kapitalerhöhungen durchgeführt.

Es erstaunt deshalb nicht, dass Idorsia heute verkündet hat, dass sie mit drei Wandelanleihen weitere rund 600 Mio. Fr. einsammeln will und damit über liquide Mittel von rund 1,5 Mrd. Fr. verfügen werde. Die Wandelanleihen laufen bis 2028 und haben einen Zinssatz zwischen 1,625% und 2,125%. Die Wandelprämie liegt 40 bis 50% über dem volumengewichteten durchschnittlichen Preis der Aktien zwischen der Lancierung und dem heutigen Handelsschluss.

Idorsia Na. in Fr.

Bisherige Aktionäre erhalten kein Bezugsrecht, was wohl mit ein Grund ist, weshalb die Valoren heute im roten Bereich notieren. Dennoch ist die Vergabe der Wandelanleihen im Grundsatz positiv für die Aktie der Gesellschaft.

Druck auf die Aktie könnte weichen

Dass Idorsia sich bald frisches Kapital besorgen könnte, lag seit Längerem in der Luft. Die Titel waren in den letzten drei Monaten deswegen auch regelmässig auf der Liste der 10 grössten Shortpositionen der Schweiz.

Die Hoffnung der Leerverkäufer auf eine Kapitalerhöhung mit entsprechend negativen Auswirkungen auf den Aktienkurs, dürfte mitentscheidend dafür gewesen sein, dass die Titel von Idorsia in der letzten Zeit nicht mehr vom Fleck gekommen sind. Leerverkäufer leihen sich von anderen Anlegern Aktien aus und verkaufen sie mit dem Ziel, dass der Kurs sinkt, um sie sie dann günstiger zurückkaufen zu können.

Es würde mich also nicht erstaunen, wenn die bisherigen Leerverkäufer ihre Positionen nun reduzieren oder gar auflösen würden. Das würde Druck von den Titeln nehmen bzw. der Kurs würde wieder stärker von den Unternehmensnachrichten bestimmt werden.

Vor diesem Hintergrund ist erwähnenswert, dass CEO Jean-Paul Clozel in der Pressemitteilung zur Vergabe der Wandelanleihen heute folgendes Statement gemacht hat: «Auf der Grundlage der laufenden Gespräche mit den Zulassungsbehörden sind wir zuversichtlich, dass wir 2022 Produkte auf den Markt bringen werden. Diese Produkte haben das Potenzial, uns in die Gewinnzone zu bringen, wie es als mittelfristige strategische Priorität festgelegt wurde.»

Chancen auf positive Neuigkeiten in der nahen Zukunft gibt es also genug, wobei sich die Bemerkungen von Clozel auf die Medikamente Daridorexant gegen Schlaflosigkeit und Clazosentan gegen die Verengung von Blutgefässen im Hirn nach einer plötzlichen, lebensbedrohlichen Blutung an der Oberfläche des Gehirns beziehen dürften. Beide befinden sich im Zulassungsprozess. Für deren Lancierung dürften die zusätzlichen Mittel aus den drei neuen Wandelanleihen wohl auch gebraucht werden.

Investment Case von The Market bleibt intakt

Wie The Market in der Analyse zum Unternehmen bereits im Juni geschrieben hat, ist Idorsia im Grundsatz eine gut geölte Entwicklungsmaschine, weil sie für ein Biotechstartup überdurchschnittlich viele Wirkstoffe in der Pipeline hat sowie über erfahrene Mitarbeiter verfügt. Unter der Annahme gleichbleibender jährlicher Kosten ist die Gesellschaft nun bis über 2023 hinaus finanziert. Zudem liegt der Kurs heute nochmals deutlich tiefer als damals. Aus dieser Sicht lohnt es sich zum gegenwärtigen Kurs weiter zu investieren.

Voraussetzungen sind allerdings ein sehr langer Anlagehorizont, eine hohe Risikofähigkeit und trotz positiver Aussagen von CEO Clozel weiterhin starke Nerven. Auch wenn die Chancen gut stehen, wird nicht jedes Molekül aus der Pipeline zugelassen werden. Das gelingt selbst den grossen Pharmakonzernen nicht. Nur fällt dort ein einzelner Fehltritt wegen ihrer Grösse nicht so stark ins Gewicht wie bei Idorsia.

Nicht verunsichern lassen sollten sich Investoren jedoch davon, dass die Aktien der Gesellschaft möglicherweise auch künftig in den Top-10-Shortpositionen auftauchen werden. Dieser Umstand wäre dann aber eher technischer denn fundamentaler Natur.

Wandelanleihen bergen sowohl eine Anleihen- als auch eine Call-Optionskomponente auf die Aktien. Bei der Lancierung von Wandelanleihen gibt es immer wieder Investoren, die nur am Obligationenteil interessiert sind und das Risiko, das in der Call-Option schlummert, deshalb durch Leerverkäufe absichern. Mit einem pessimistischen Blick auf den Investment Case hat das nichts zu tun.

Freundlich grüsst im Namen vom Mr Market

Michael Griesdorf