Mister Market

Implenia wird zur Kampfzone

Die Aktionärsgruppe von Max Rössler und Veraison fordert die Abwahl von Verwaltungsratspräsident Hans Ulrich Meister und die Abspaltung der Entwicklungssparte an die Aktionäre.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Der Investor Max Rössler und die Beteiligungsgesellschaft Veraison Capital gehen in die Offensive: Die Aktionärsgruppe, die knapp 18% an Implenia hält, beantragt die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung des Baukonzerns.

Die Traktanden: Abwahl des amtierenden Verwaltungsratspräsidenten Hans Ulrich Meister und der Verwaltungsrätin Ines Pöschel, die das Nominations- und Entschädigungskomitee leitet. An ihre Stelle sollen Peter Bodmer, Leo Mittelholzer und Andreas Alsen neu ins Gremium gewählt werden.

Bodmer, früherer Manager von Implenia und heutiges VR-Mitglied von Arbonia und der Immobiliengruppe Peach Property, soll das Präsidium übernehmen.

Zudem will die Aktionärsgruppe eine Konsultativabstimmung traktandieren, an der die Aktionäre ihre Meinung zur vorgeschlagenen Abspaltung des Entwicklungsgeschäfts abgeben können. Gregor Greber, Gründer von Veraison Capital, hatte vor zwei Wochen in einem Interview mit The Market gefordert, Implenia solle das Entwicklungs- vom Baugeschäft trennen, um den Wert der in der Entwicklungssparte enthaltenen Landreserven zu schützen und zu entfalten.

Attraktive Landreserven

Greber ist überzeugt, dass in den Landreserven viel Wert schlummert. In der Bilanz von Implenia ist die Landbank mit einem Buchwert von 199 Mio. Fr. aufgeführt. «Der wahre Wert dürfte aber um 500 Mio. Fr. liegen», sagte Greber am Donnerstag an einer Medienkonferenz. «Mit der Entwicklung dieser Landreserven kann ihr Wert weiter gesteigert werden», sagte Greber.

Die Aktionärsgruppe von Rössler und Veraison schlägt vor, die Entwicklungssparte im Rahmen eines Spin-off an die Aktionäre abzuspalten und als eigenständige Immobiliengesellschaft separat an die Börse zu bringen.

«Ich bestätige, dass ich voll hinter den Vorschlägen stehe», sagte Max Rössler an der Pressekonferenz. Damit entkräftete er Spekulationen, die in den vergangenen Tagen eine Spaltung der Aktionärsgruppe suggeriert hatten. Zudem sagte Rössler, er habe die drei VR-Kandidaten kennengelernt. «Ich bin überzeugt, dass sie die Richtigen sind.»

«Enteignung der Implenia-Aktionäre»

Als Grund für die Einberufung der a.o. GV nannten Greber und Rössler den Investorentag, den Implenia am 1. Oktober abgehalten hatte. Dabei hatten CEO André Wyss und VR-Präsident Hans Ulrich Meister den Plan präsentiert, einen 25%-Anteil der Landbank im Wert von «deutlich mehr als 100 Mio. Fr.» in eine separate Gesellschaft abzuspalten und diese für Kapital von ausgewählten institutionellen Investoren zu öffnen.

«Das schafft Interessenkonflikte und ist eine teilweise Enteignung der Implenia-Publikumsaktionäre», sagte Greber und verglich den Schritt mit der versuchten Enteignung der Minderheitsaktionäre von Alpiq. Auch Rössler sagte, dass ihn der Plan einer Teilabspaltung der Landreserven für institutionelle Investoren «gar nicht gefreut» habe: «Ein Spin-off an die Aktionäre und eine sofortige Kotierung der neuen Gesellschaft ist wichtig, damit sich rasch ein Markt bilden kann», sagte Rössler.

Greber und Rössler schlagen zudem vor, die Vergütung für den VR-Präsidenten zu senken. Hans Ulrich Meister bezieht derzeit für sein Amt eine Gesamtvergütung von 453'000 Fr., was deutlich über dem Branchendurchschnitt liege. Peter Bodmer sei bereit, das Amt für die branchenüblichen 200'000 bis 250'000 Fr. zu übernehmen.

Übernahmefantasie

Das Datum der a.o. GV ist noch nicht bekannt. Es obliegt dem VR von Implenia, diese einzuberufen. Dazu ist der VR kraft des Gesetzes und der Statuten verpflichtet, weil die Aktionärsgruppe mehr als 10% der Stimmen hält, doch in Bezug auf den zeitlichen Rahmen hat Implenia Spielraum. Das Gesetz besagt bloss, dass die a.o. GV «innert angemessener Frist» einberufen werden muss.

«Wir fordern, dass der Implenia-VR die Rechte der Aktionäre respektiert und die ausserordentliche GV rasch einberuft», sagte Greber.

Aus Aktionärsperspektive sehe ich weiterhin Potenzial in Implenia – auch wenn die Titel seit der Kaufempfehlung von The Market im Juni bereits um mehr als 35% gestiegen sind.

Implenia im Aufwind

Implenia Na, in Fr., seit Anfang 2019

Falls Veraison und Rössler an der a.o. GV mit ihren Anträgen durchkommen, steht der Weg für weitere Wertsteigerungen offen. In der verbleibenden Bausparte kommt dann auch Übernahmefantasie hinzu: Wenn die Landreserven in eine separate Gesellschaft ausgegliedert sind, untersteht Implenia nicht mehr der Lex Koller. Das heisst, die Gruppe könnte auch leichter von einem Käufer aus dem Ausland übernommen werden.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli