Mister Market

Insider greifen bei Temenos zu

Enttäuschende Umsatzzahlen zum dritten Quartal haben den Aktienkurs des Genfer Bankensoftware-Herstellers einbrechen lassen. Diesen Rückschlag haben Temenos-Manager für Käufe genutzt. Der Logistikdienstleister Kühne + Nagel fällt derweil mit Insider-Verkäufen auf.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Temenos ist eine der grössten Erfolgsgeschichten der letzten zehn Jahre an der Schweizer Börse. Der Genfer Hersteller von Bankensoftware hat unzählige Male die skeptischen Erwartungen der Analysten übertroffen, worauf die Bewertung der Aktien in stratosphärische Höhen gestiegen ist.

Im Frühjahr handelten die Temenos-Aktien zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 50, worauf ich an dieser Stelle schrieb, es sei auf dem Niveau von 165 Fr. leider allmählich Zeit, sich von den Titeln zu verabschieden. Das war im Rückblick betrachtet zu früh, denn der Aktienkurs stieg bis Ende Mai noch auf über 180 Fr.

Der Dämpfer folgte erst Mitte Oktober, als Temenos mit seinen Drittquartalszahlen die Erwartungen verfehlte. Der Aktienkurs der Genfer brach um mehr als 20% auf gegen 130 Fr. ein.

Temenos nach Absturz gesucht

Temenos Na., in Fr., seit Anfang 2019

Diesen Taucher haben nun einige Firmeninsider genutzt, um Aktien zu kaufen. Die von der SIX publizierten Pflichtmeldungen zeigen am 23. und 24. Oktober drei Kauftransaktionen für Temenos-Aktien im Gesamtwert von mehr als 4,5 Mio. Fr. Hinter den Käufen steht ein oder mehrere exekutive Mitglieder des Verwaltungsrats oder der Geschäftsleitung.

Die Nachricht ist auch deshalb relevant, weil die Temenos-Insider in der Vergangenheit schon mehrmals eine clevere Hand mit ihren Transaktionen bewiesen haben. Ende Mai, zum Höhepunkt des Aktienkurses um 184 Fr., fielen die Temenos-Leute mit Verkäufen in Gesamthöhe von 6 Mio. Fr. auf. 

«Sell high, buy low», heisst es für die Manager um CEO Max Chuard und Verwaltungsratspräsident Andreas Andreades.

Sind Temenos damit wieder ein Kauf?

Ich bedaure es nach wie vor, dass der langjährige CEO David Arnott im Februar dieses Jahres abgetreten ist. Chuard hat meiner Meinung nach noch nicht das Format von Arnott. Auch ist die Bewertungskorrektur relativ; statt mit einem KGV über 50 sind die Valoren nun mit dem rund 35-fachen des für 2020 erwarteten Gewinns bewertet. Das ist alles andere als billig. Auf diesem Niveau toleriert der Markt keine Enttäuschungen.

Auf der anderen Seite ist Temenos zweifellos zum Marktführer im Bereich Bankensoftware geworden und profitiert vom strukturellen Digitalisierungstrend in der Branche. Auch kurzfristig könnten die Valoren an der Börse Rückenwind erhalten, wenn sich die Perspektiven des Bankensektors etwas aufhellen.

Ich würde daher dem Beispiel der Temenos-Insider folgen.

Eine weitere Auffälligkeit zeigt sich in den SIX-Pflichtmeldungen übrigens zu Kühne + Nagel: Am 22. und 23. Oktober haben Insider des Logistikdienstleisters in vier Transaktionen Aktien im Gesamtwert von rund 6,4 Mio. Fr. verkauft. Hier handelt es sich im Gegensatz zu Temenos um ein Beispiel von «sell high»: Kühne + Nagel hat am 22. Oktober starke Drittquartalszahlen vorgelegt, die Aktien stiegen auf ein Jahreshoch um 164 Fr.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli