Mr Market

Montana Aerospace: ein Blindflug für Investoren

Der Zulieferer für die Luftfahrt übernimmt einen Konkurrenten. Damit droht nur vier Monate nach dem Börsengang bereits die erste Kapitalerhöhung.

Ruedi Keller
Drucken

Montana Aerospace ist erst seit Mai an der Schweizer Börse – und die Aktie des Herstellers von Systemkomponenten und komplexen Baugruppen für die Luftfahrt gehört mit einer Kursperformance von 44% zu den Überfliegern der diesjährigen Börsenneulinge, zumindest bis jetzt.

Denn heute überrascht das Unternehmen nur vier Monate nach dem Börsendebut, bei dem es rund 440 Mio. Fr. aufgenommen hat, damit, bereits eine zusätzliche Kapitalerhöhung ins Auge zu fassen. Dies im Zusammenhang mit der Ankündigung der Übernahme der belgischen Asco Gruppe.

Asco ist gemäss Angaben von Montana Aerospace ein Lieferant und Entwicklungspartner im Bereich hochwertiger Systemkomponenten und Strukturen für die Luftfahrtindustrie, der mit rund 1200 Mitarbeitern an vier Standorten in Belgien, Deutschland, den USA und Kanada in den Jahren 2018 bis 2020 einen Jahresumsatz von bis zu 260 Mio. € erwirtschaftete.

Das entspricht rund einem Drittel des Umsatzes, den sich Montana Aerospace selbst für dieses Jahr zum Ziel gesetzt hat – unter Ausschluss von Akquisitionen. Asco ist damit ein gewichtiger Zukauf für Montana Aerospace.

Trotz der Relevanz der Transaktion schreibt das Unternehmen jedoch: «Die Vertragsparteien sind übereingekommen, von der Nennung des Kaufpreises abzusehen.»

Wie gewichtig der Zukauf ausfallen könnte, zeigt eine Zusicherung, die Montana Tech Components im Hinblick auf den allfällig zusätzlichen Finanzierungsbedarf bereits jetzt abgibt: Die österreichische Mutter, die weiterhin die Mehrheit an der in der Schweiz kotierten Montana Aerospace hält, erklärt sich bereit, eine Kapitalerhöhung mit der Zeichnung von 5,4 Mio. Aktien zu unterstützen. Das entspricht zum heutigen Börsenkurs einem Betrag von nahe 200 Mio. Fr.

Zusätzlich besteht gemäss Transaktionsstruktur die Möglichkeit, dass die Verkäufer von Asco ebenfalls einen Teil des Veräusserungserlöses in Aktien von Montana Aerospace erhalten, und zwar im Umfang von bis zu 1,4 Mio. Stück.

Doch auch hier gilt: die konkrete Ausgestaltung hängt von diversen Parametern ab und bleibt damit im Unklaren.

Finanzieller Spielraum bereits erschöpft?

Komplett unerwartet kommt die Akquisition von Asco zwar nicht. Montana hatte im IPO-Prozess bereits angekündigt, rund 60% des erwarteten Erlöses von in Aussicht gestellten rund 400 Mio. € für Übernahmen vorzusehen. Überraschend ist aber, dass der für Zukäufe vorgesehene finanzielle Spielraum offensichtlich bereits mit dem ersten Deal ausgeschöpft wird – und noch mehr Geld wohl bereits verplant ist.

Montana Aerospace schreibt in der heutigen Mitteilung, dass die erwartete Konsolidierung in der Luftfahrtbranche wesentlich rascher voranschreite als erwartet und das Unternehmen bereits weitere M&A-Möglichkeiten diskutiere.

«Klare Zielliste»

Es mag ein geschickter Zug sein, in dem Moment zuzukaufen, in dem Luftfahrtzulieferer weiterhin unter Covid leiden. Dazu kommt, dass Montana Aerospace das offensichtlich mit einem klaren strategischen Fokus macht.

Das Vorgehen der Gruppe bezüglich Zukäufe orientiert sich gemäss IPO-Unterlagen an «einer klaren Zielliste», die Monatana Aerospace gemeinsam mit ihren direkten Abnehmern und den Flugzeugbauern erstellt hat. Der Plan ist, die Lieferkette weiter zu konsolidieren und die Zusammenarbeit mit den Kunden zu stärken, indem weitere Produkte in die Wertschöpfungskette von Montana Aerospace integriert werden.

Grosses Potenzial in den Titeln sehen jedenfalls die Analysten der beiden Konsortialbanken, die das IPO von Montana Aerospace begleitet haben: Berenberg setzt ein Kursziel von 52 Fr. und sieht damit ein Kurspotenzial von weiteren 50%. Die Zürcher Kantonalbank stuft die Aktie mit «Übergewichten» ein und traut ihr eine Überperformance um 15% zu.

Offener Kapitalbedarf

Trotz dieser Vorschusslorbeeren bleibe ich skeptisch: Gerade bei Publikumsgesellschaften, bei denen letztlich ein dominierender Aktionär allein entscheidet, wohin die Reise geht, wären klarere Ansagen vonnöten als das, was Montana Aerospace bislang zu ihrem Kapitalbedarf kommuniziert hat.

Montana Aerospace wird mehrheitlich von Montana Tech Components gehalten, die ihrerseits von Michael Tojner kontrolliert wird. Über die Industrieholding dominiert der österreichische Unternehmer zudem das in Frankfurt kotierte Batterieunternehmen Varta und die an der Schweizer Börse gehandelte Aluflexpack.

Trotz des rasanten Wachstums, das Montana Aerospace nun einschlägt, lasse ich lieber die Finger von diesem Unternehmensgeflecht, das letztlich von einer einzelnen Person kontrolliert wird.

Freundlich grüsst im Namen von Mr Market

Ruedi Keller