Mister Market

Neuer Grossaktionär für Hochdorf

Eine niederländische Stiftung hat ihren Anteil am angeschlagenen Innerschweizer Milchverarbeiter von 5 auf über 15% erhöht. Was steckt dahinter?

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Der in schweren Finanznöten steckende Zentralschweizer Milchverarbeiter Hochdorf hat einen neuen Grossaktionär: Gemäss einer Eingabe bei der SIX Exchange Regulation hat «Stichting General Holdings» am 20. August die meldepflichtige Schwelle von 15% überschritten.

Der Aktionär – es handelt sich um eine Stiftung nach niederländischem Recht – begleitet Hochdorf bereits seit rund vier Jahren. Im September 2015 hat er erstmals die meldepflichtige Schwelle von 3% überschritten, per Ende 2018 hielt er gemäss dem Geschäftsbericht von Hochdorf 4,23% an der Milchgruppe. 

Am 31. Juli hat der Aktionär die 5%-Schwelle überschritten. Heute, knapp vier Wochen später, meldet die Stiftung einen Anteil von mehr als 15%.

Wer und was steckt dahinter?

Family Office mit Investitionen in Lebensmittelindustrien

Gemäss Informationen von The Market – sie stammen aus zwei voneinander unabhängigen Quellen – steht hinter der niederländischen Stiftung ein Mann namens Jethro Goldsmith, Spross der englischen Goldsmith-Dynastie. Jethro ist der Sohn aus vierter Ehe des englischen Politikers und Financiers Sir James «Jimmy» Goldsmith und der französischen Gräfin Laure Boulay de La Meurthe.

Jethro Goldsmith betreibt aus Hongkong eine Finanzgesellschaft namens Bermont Investments mit einem Anlagevermögen von rund 180 Mio. $, mit dem er unter anderem am italienischen Nahrungsmittelhersteller Valsoia beteiligt ist. Aus Genf und Hongkong betreibt die Goldsmith-Familie zudem ein Family Office, das weltweit in verschiedene Lebensmittelindustrien investiert hat.

Die Absichten Goldsmiths mit Hochdorf sind nicht bekannt. Anfragen von The Market in Hongkong und Genf blieben unbeantwortet. 

«Der Investor ist uns bekannt», sagt ein Hochdorf-Sprecher auf Anfrage. Über die konkreten Pläne der Goldsmith-Familie mit Hochdorf habe er aber keine Informationen.

9 Mio. Fr. neu investiert

Um von gut 5 auf über 15% Anteil zu kommen, muss die Goldsmith-Stiftung innerhalb von rund drei Wochen rund 143'500 Hochdorf-Aktien gekauft haben. Im August handelten die Valoren zwischen 79 und 52 Fr.

Basierend auf dem einfachen Durchschnitt von 65 Fr. musste der Investor damit immerhin gut 9 Mio. Fr. für seinen Beteiligungsaufbau aufwenden.

Das ist beachtlich, denn die Finanzlage von Hochdorf ist mehr als angespannt: Das netto mit 174 Mio. Fr. verschuldete Unternehmen hat Mitte Jahr nach einem Halbjahresverlust von mehr als 60 Mio. Fr. seine Kreditbedingungen verletzt. Die kreditgebenden Banken haben Hochdorf bis zum 31. Oktober Aufschub gewährt; bis dann muss der Verwaltungsrat unter Präsident Bernhard Merki und das Management unter Interims-CEO Peter Pfeilschifter aufzeigen, wie Hochdorf saniert werden kann.

Ich beobachte die Entwicklung von Hochdorf mit Spannung, denn die Gruppe ist ein Lehrbeispiel dafür, wie ein vom Verwaltungsrat jahrelang nicht kontrollierter CEO – der im März geschasste Thomas Eisenring – ein Traditionsunternehmen mit einer halsbrecherischen Akquisitionsstrategie ruinieren kann.

Was Hochdorf meiner Meinung nach rettet, ist die Tatsache, dass das Unternehmen für die Schweizer Milchwirtschaft eine gewisse Systemrelevanz hat. Die kreditgebenden Banken – deren Namen sind nicht bekannt, doch ich gehe davon aus, dass aus geografischen Überlegungen die Luzerner Kantonalbank prominent dabei ist – werden das auf die eine oder andere Weise berücksichtigen.

Für Aktien-Investoren bietet sich hingegen nur eine Empfehlung an: Hände weg.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli