Mister Market

Neuer Grossaktionär für Schweiter Technologies

Das kanadische Fondshaus 1832 Asset Management meldet neu einen Anteil von über 10% an der Industriegruppe. Die Aktien profitieren vom Trend zu «grünen» Anlagen. Sie sind weiterhin ein Kauf.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Schweiter hat einen neuen Grossaktionär: Gemäss einer Pflichtmeldung bei der SIX Exchange Regulation hält das kanadische Fondshaus 1832 Asset Management neu einen Anteil von über 10% an der Industriegruppe. Damit steigt 1832 zum zweitgrössten Aktionär von Schweiter auf, hinter der KWE Beteiligungen der Familie Frey mit gut 25%.

1832 ist einer der grössten Vermögensverwalter Kanadas, mit Kundengeldern von mehr als 140 Mrd. $. Die Beteiligungen an Schweiter werden primär über den Dynamic Global Dividend Fund, den Global Discovery Fund und den Global Asset Allocation Fund verwaltet, die alle vom Fondsmanager David Fingold geführt werden.

Die Kanadier sind schon seit mehr als zehn Jahren Aktionäre von Schweiter; das Überschreiten der 5%-Meldeschwelle von Goodman & Co., der Vorgängergesellschaft von 1832 Asset Management, wurde erstmals im Februar 2008 registriert. Das war zur gleichen Zeit, als auch Beat Frey erstmals einen Anteil von mehr als 3% meldete.

Fondsmanager David Fingold ist mit der Schweizer Unternehmenswelt bestens vertraut: Andere grosse Positionen in seinen Fonds sind Inficon (an der die Familie Frey ebenfalls einen signifikanten Anteil hält), Belimo, Straumann, Sika, Lonza und Givaudan.

Wie ich von einer gut informierten Quelle aus dem Umfeld von Schweiter höre, ist 1832 ein «zufriedener Aktionär», der sich regelmässig mit dem Management um CEO Heinz Baumgartner trifft.

Fantasie in der Windenergie

Dass die Kanadier aufgestockt haben, ist als gutes Zeichen für die Perspektiven von Schweiter zu werten.

Das in Steinhausen domizilierte Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Verbundmaterialien spezialisiert. Grösstes Geschäftsfeld mit rund 50% Umsatzanteil ist der Bereich Display, der bedruckbare Aluminium-, Acrylglas- und PVC-Platten herstellt.

Die andere Hälfte des Umsatzes stammt zu je etwa gleichen Teilen aus den Bereichen Architektur (Fassadenverkleidungen aus Aluminium), Kernmaterialien (Polyester- und Balsaholz-Verbundstoffe) und Transport & Industrie, die Zug- oder Automobilhersteller mit Leichtbauteilen aus Aluminium, PVC- und Balsa-Elementen beliefert.

Umsatzanteile von Schweiter

Anteil der vier Sparten in % des Gesamtumsatzes im ersten Halbjahr 2019 (Total: 614 Mio. Fr.)
Display
Kernmaterialien
Architektur
Transport & Industrie
Andere

Der Bereich Display litt im vergangenen Jahr unter der Abkühlung der Konjunktur. In einem Interview mit der Agentur AWP sagte CEO Heinz Baumgartner Anfang Dezember, das zweite Halbjahr sei «nicht einfach» gewesen. Im Bereich Display sprach er von einem «flachen Geschäftsgang», während sich die drei anderen Sparten erfreulich entwickelten.

Am meisten Fantasie an der Börse bietet derzeit die Sparte Kernmaterialien, die unter anderem das Füllmaterial für die Rotorblätter von Windturbinen herstellt. «Wir haben ein phänomenales Jahr im Bereich Kernmaterialien, insbesondere im Windbereich, der alle Erwartungen übertrifft», sagte Baumgartner Anfang Dezember.

Schweiter ist mit eigenen Plantagen und Verarbeitungsanlagen in Ecuador und Papua Neuguinea der weltgrösste Produzent von Balsaholz, ein Leichtholz, das ideale Eigenschaften für die Verarbeitung in Verbundstoffen bietet. Die grosse Nachfrage aus der Windenergie-Industrie hat im vergangenen Jahr zu einer Verdoppelung des Balsaholz-Preises geführt.

Solide Bilanz

Mit diesem Geschäftsfeld rückt Schweiter – übrigens genauso wie der Schweizer Branchennachbar Gurit – gegenwärtig vermehrt in den Fokus von Investoren, die der ESG-Philosophie (Environmental, Social & Governance) folgen und ihr Geld mit Nachhaltigkeitskriterien anlegen.

An der Börse haben die Schweiter-Aktien im Zuge der allgemeinen Belebung der zyklischen Sektoren seit September gut 30% zugelegt:

Nach dieser kräftigen Avance sind die Titel zunächst reif für eine Konsolidierung. Für langfristig denkende Investoren sind die Aktien aber nach wie vor attraktiv. Schweiter ist frei von Schulden; die Bilanz zeigt einen Netto-Barmittelbestand von mehr als 100 Mio. Fr.

Basierend auf einem von The Market geschätzten Gewinn pro Aktie von 55 Fr. im kommenden Jahr errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22. Das ist nicht günstig, ist jedoch auch dem Konjunkturzyklus geschuldet, der die Marge gegenwärtig komprimiert.

Die Dividendenrendite ist mit 3,3% attraktiv, der Leistungsausweis des Managements unter CEO Baumgartner und Finanzchef Martin Klöti hervorragend.

Alles in allem gibt es am Schweiter fast nichts auszusetzen. Kurzum: Kaufen. Nach einem Rückschlag erst recht.

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli