Mister Market

Ohrfeige für die Käufer von Alpiq

Das Konsortium um den von Credit Suisse geführten Infrastrukturfonds hält weniger als 90% der Aktien des Stromversorgers. Damit bleibt der Auskauf der Minderheitsaktionäre verwehrt. Ein oppositioneller Investor meldet einen Anteil von über 5%.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Ein Sieg für die Minderheitsaktionäre – und eine schallende Ohrfeige für das Konsortium um CSA Energie-Infrastruktur Schweiz, eine von Credit Suisse Energy Infrastructure Partners verwaltete Anlagegesellschaft: Das ist das Resultat des öffentlichen Übernahmeangebots für den Stromversorger Alpiq.

Mit einem jämmerlich schlechten Angebot von 70 Fr. je Aktie hatte das Käuferkonsortium versucht, die Minderheitsaktionäre auszukaufen. Zudem hatte der CS-Fonds eine Drohkulisse aufgebaut: Sollten die Käufer die Schwelle von 90% der Alpiq-Aktien erreichen, würden die renitenten Minderheitsaktionäre mittels einer Barabfindung («Squeeze-out Merger») abgespeist werden.

Der Plan ging nicht auf. Kaum jemand von den Minderheitsaktionären hat angedient – mit dem Resultat, dass das Konsortium nach Ablauf des Angebots bloss 89,94% der Alpiq-Aktien hält.

Ein oppositioneller Investor hat seine Beteiligung dagegen deutlich ausgebaut: Gemäss einer am 3. Oktober publizierten Pflichtmeldung hält Merion Capital neu mehr als 5,4% der Alpiq-Aktien. Anfang September hatte Merion erstmals mehr als 3% gemeldet.

Der vom Anwalt Andrew Barroway gegründete amerikanische Hedge Fund verwaltet rund 850 Mio. $ und ist darauf spezialisiert, im Rahmen von Übernahmeangeboten zu klagen und nach Abschluss einer Transaktion gerichtlich einen höheren Preis zu erstreiten.

Die Pläne von Merion sind nicht bekannt; mehrere Anfragen von The Market blieben unbeantwortet. Der Einstieg des Fonds hat jedoch eine entscheidende Rolle gespielt, dass die Pläne des CS-Fonds gescheitert sind.

Ausserbörslicher Handel

Wie geht es jetzt weiter? Das Käuferkonsortium kündigt an, die Alpiq-Aktien sofort nach Vollzug des Übernahmeangebots am 9. Oktober von der SIX Swiss Exchange dekotieren zu lassen.

Das ist für die Minderheitsaktionäre aber nicht weiter schlimm, denn für die Aktien wird über verschiedene Plattformen wie jene der Bank Lienhardt & Partner, der Zürcher oder der Berner Kantonalbank rasch ein ausserbörslicher Handel entstehen.

Den Minderheitsaktionären steht nun das offen, was sie schon von Beginn weg wollten: an Alpiq beteiligt bleiben und an der Geschäftsentwicklung des Unternehmens in einem von steigenden Strompreisen geprägten europäischen Marktumfeld partizipieren.

Es gibt sie doch noch, die kleinen Siege.

Herzlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli