Mister Market

Peinlichkeiten rund um Übernahme von Alpiq

Das Konsortium, das den Schweizer Stromversorger übernehmen will, muss eine gravierende Falschmeldung korrigieren. Die Käufer um die CSA Energie-Infrastruktur Schweiz halten weniger als 90% der Alpiq-Aktien.

Mark Dittli

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser

Die Übernahme des Stromversorgers Alpiq wird immer mehr zur Farce.

Sie kennen wahrscheinlich die Geschichte: Ein Käuferkonsortium um die CSA Energie-Infrastruktur Schweiz, eine von Credit Suisse Energy Infrastructure Partners verwaltete Anlagegesellschaft, versucht, die Minderheitsaktionäre des Stromversorgers auszukaufen und hat im Juli dazu ein öffentliches Übernahmeangebot lanciert.

Der gebotene Preis von 70 Fr. je Alpiq-Aktie ist meiner Meinung nach viel zu niedrig. An dieser Einschätzung ändert auch eine von PwC erstellte «Fairness Opinion» nichts, da sich sowohl zu den darin angewandten Berechnungen wie auch zur Unabhängigkeit des Verfassers einige grosse Fragen stellen.

Dieser Meinung sind auch die Aktionäre Knight Vinke und Merion Capital, die gegen das Angebot opponieren. Knight hält nach eigenen Angaben 1,3% an Alpiq, Merion Capital hat am 10. September einen Anteil von mehr als 3% gemeldet.

«Squeeze-out Merger» vereitelt?

Nach Ablauf des öffentlichen Übernahmeangebots samt Nachfrist, publizierte CSA am Morgen des Montag, 30. September, zunächst die Meldung, das Konsortium besitze nun 93,51% der Alpiq-Aktien. Weil damit die Schwelle von 90% überschritten sei, werde für alle Aktionäre, die bis anhin nicht angedient hatten, eine Barabfindung über 70 Fr. je Aktie im Rahmen eines «Squeeze-out Mergers» vorbereitet.

Am Montagabend sodann die Volte: Aufgrund einer «Falschmeldung einer regionalen Depotbank eines Alpiq-Aktionärs» sei die Summe der angedienten Aktien falsch angegeben worden, meldete CSA in einem Communiqué. Statt 93,51% halte das Konsortium nach Ablauf der Angebotsfrist nur 89,94% der Alpiq-Aktien. Das definitive Resultat werde am 3. Oktober publiziert.

Mit anderen Worten: Den Käufern wurden kaum Aktien angedient, denn vor Veröffentlichung des Übernahmeangebots waren sie schon im Besitz von fast 88% der Aktien. Sollte das definitive Resultat am 3. Oktober tatsächlich zeigen, dass der Anteil des Konsortiums unter 90% geblieben ist, wäre das eine entscheidende Wende: denn dann kann CSA die Minderheitsaktionäre nicht mit einem billigen Squeeze-out Merger loswerden.

Damit wäre ermöglicht, was offenbar viele Minderheitsaktionäre wollen: an der weiteren Entwicklung von Alpiq im Umfeld eines Marktes mit steigenden Strompreisen zu partizipieren. 

Zwar steht es dem von Jens Alder präsidierten Verwaltungsrat von Alpiq weiterhin offen, wie angekündigt ab dem 9. Oktober die sofortige Dekotierung der Aktien von der SIX Swiss Exchange zu beantragen. Doch die Minderheitsaktionäre sollte das nicht allzu sehr stören, denn es würde über verschiedene Plattformen wie jene der Bank Lienhardt & Partner, der Zürcher oder der Berner Kantonalbank rasch ein ausserbörslicher Handel entstehen.

Unplausible Kommunikation

Nach wie vor ein Rätsel ist, wie es überhaupt zu der gravierenden Falschmeldung von CSA kommen konnte. Die Begründung der «Falschmeldung einer regionalen Depotbank eines Alpiq-Aktionärs» suggeriert, dass es hier um eine Kleinigkeit im Zusammenhang mit einem einzelnen Aktionär gehandelt habe. Das ist allerdings kaum plausibel, denn die Diskrepanz zwischen den beiden gemeldeten Zahlen – 93,51 versus 89,94% – beläuft sich auf mehr als 3,5% der ausstehenden Alpiq-Aktien. 

Das kann kein Einzelaktionär sein, der seine Titel bei einer «regionalen Depotbank» hält. Das Communiqué von CSA wird noch unplausibler, wenn man berücksichtigt, dass abgesehen von Merion Capital – ein erklärter Gegner der Transaktion – gegenwärtig kein Aktionär aus dem Publikum mit einem Anteil von mehr als 3% gemeldet ist.

The Market hat dem Sprecher von CSA die Frage vorgelegt, wie es aufgrund einer «Falschmeldung einer regionalen Depotbank eines Alpiq-Aktionärs» im Communiqué von CSA zu einem derart groben Fehler kommen konnte. Eine Antwort steht noch aus.

Dieses Kommunikationsfiasko dürfte noch ein Nachspiel haben, denn immerhin wurden am Montag mehr als 18'000 Alpiq-Aktien gehandelt, deren Käufer und Verkäufer mit irreführenden Informationen bedient worden waren. In meinen Augen ist das ein klarer Fall für eine Abklärung und Untersuchung seitens der SIX Exchange Regulation.

CSA-Sprecher Jürg Stähelin versichert, dass das Konsortium am 30. September keine Aktien gekauft hat. «Ein solcher Kauf wäre auch gemäss bestehenden Verträgen nicht möglich», sagt Stähelin.

Ich bin gespannt, was da noch kommt. 

Freundlich grüsst im Namen von Mister Market,

Mark Dittli