Mister Market

Pessimistische Anleger sprechen für weitere Börsenrekorde

Die Fondsmanager gehen in Deckung, die Aktienmärkte rauschen in die Höhe. Das zeigt die jüngste Umfrage von Bank of America Merrill Lynch. Eine gute Voraussetzung, damit die Hausse weitergeht. 

Sandro Rosa

Liebe Leserin, lieber Leser

Stellen Sie sich vor, die Börsen erklimmen neue Rekordstände, und die Anleger gehen in Deckung. Genau das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage der Grossbank Bank of America Merrill Lynch (BofAML) unter Fondsmanagern.

Von Aktien will von den Befragten jedenfalls niemand mehr etwas wissen: Bei der Aktienallokation wurde im Mai der zweitgrösste Rückgang seit Beginn der Umfrage verzeichnet.

Der ominöse Tweet des US-Präsidenten vom 5. Mai, in dem er China den Handels-Fehdehandschuh hingeworfen hat, hat den Finanzprofis anscheinend einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Gegenwärtig sind Aktien so unbeliebt wie in den dunklen Stunden der Finanzkrise.

Geflüchtet sind die Fondsmanager in die sicheren Häfen Cash und festverzinsliche Anlagen. So haben die Profis ihre Cash-Quote von 4,6 auf überdurchschnittliche 5,6% erhöht – das entspricht dem grössten Anstieg seit 2011.

Damals herrschte an den Märkten Panik, weil sich die US-Schulden bedrohlich der Obergrenze näherten und ein politischer Machtkampf um deren Erhöhung entbrannt war. Nun also sorgen der schwelende Handelskrieg und schwächere Konjunkturdaten für Nervosität.

Neue Höchst trotz Verkäufen

Mittlerweile haben die professionellen Investoren massiv in Anleihen umgeschichtet, so dass der Aktienanteil auf den niedrigsten Stand seit Mai 2009 gefallen ist. Und gleichzeitig erklimmen der S&P 500 und der Swiss Market Index neue Höchst. Nach einem Zuwachs von nahezu 18% allein seit Jahresanfang notiert der Schweizer Leitindex aktuell auf rekordhohen 9935 Punkten. 

Was ist hier los?

Sind die Fondsmanager so weitsichtig, dass sie frühzeitig auf die absehbare Eintrübung bei den Unternehmensergebnissen reagieren? Oder antizipieren sie eine Eskalation im Handelskrieg, die zu einem Einbruch an den Börsen führen könnte?

Oder haben sie ganz einfach die Konsequenzen des handelspolitischen Säbelrasselns des US-Präsidenten überschätzt – und werden schon bald wieder ins Lager der Bullen wechseln?

Mein Vermögen würde ich auf letzteres setzen: Die Fondsmanager werden eher früher denn später auf den fahrenden Zug aufspringen.

Animal Spirits werden demnächst geweckt

Denn auch den Notenbankern scheint die Angst in den Knochen zu stecken. Anders lässt sich nicht erklären, weshalb sie den Märkten bereits wieder signalisieren, dass sie bald rettend zur Stelle sein werden. 

Das wird die Animal Spirits der Anleger wieder zum Leben erwecken und der Börsenhausse neuen Schub verleihen. Da können Fondsmanager nicht lange abseitsstehen – das Karriererisiko ist einfach zu gross.

Wer von einem solchen Szenario profitieren will, setzt jetzt deshalb auf Aktien, insbesondere auf solche aus der verschmähten Eurozone. Bank- und Energieaktien gehören ebenfalls auf die Einkaufsliste von Contrarians. 

Im Namen von Mister Market grüsst

Sandro Rosa